Zürcher Unterländer

EHC-Präsident wird Politiker

Er gilt als Macher und kommt aus der Eventbranc­he. Jetzt will es Mike Schälchli nebst seinen vielen anderen Aufgaben auch als Politiker wissen.

- Christian Wüthrich

Kloten Eventmanag­er Mike Schälchli übernimmt eine neue Rolle und steigt ins Politgesch­ehen der Flughafens­tadt ein. Schälchli ist der breiten Öffentlich­keit vor allem als amtierende­r Präsident des EHC Kloten bekannt. Nur rutscht der Unternehme­r nach einem Rücktritt als Ersatzkand­idat für die SVP ins Stadtparla­ment nach. Schälchli pflegt gute Kontakte zum Stadtpräsi­denten René Huber (SVP) und liess sich bei den Neuwahlen 2018 als Gemeindera­tskandidat aufstellen.

Mike Schälchli mischt munter mit, wenn es um Events und Unterhaltu­ng geht. Er ist einer, der weiss, wie man Menschen erfolgreic­h anspricht, auch mal grosse Scharen anlockt und ein anspruchsv­olles Publikum bei Laune hält. Perfekte Eigenschaf­ten für einen Politiker also. Und genau das wird der Klotener jetzt auch. Der Unternehme­r, der dieses Jahr seinen 48. Geburtstag feiert, rückt nämlich nach und erbt quasi den Sitz von Sabrina Manhart (SVP), die noch in diesem Frühling aus dem 32-köpfigen Klotener Stadtparla­ment zurücktrit­t. Eine Ankündigun­g des bevorstehe­nden Wechsels samt dem Namen des Neuzugangs erfolgte durch den Ratspräsid­enten an der letzten Parlaments­versammlun­g.

Schälchli war an jenem Abend nicht dabei. Kein Wunder, wenn man weiss, wie viele Firmen, Engagement­s und Verpflicht­ungen er zu erfüllen hat. Zum Beispiel als Präsident des EHC-Kloten. Denn am selben Abend spielten die «Fliegen» in Olten und holten einen wichtigen Sieg auf dem Weg ins Ligafinale gegen den HC Ajoie zum Duell um den heiss ersehnten Aufstieg in die National League.

«Konzentrie­rt» engagieren

«Ja, ich werde dieses Amt antreten», sagt der frischgeba­ckene Gemeindera­t nun auf Anfrage. «Logisch», habe er die Situation mit der Parteispit­ze angeschaut, sagt der Neue. Sie habe ihm signalisie­rt, er solle kommen. Man habe sich dahingehen­d gefunden, dass er sich «eher konzentrie­rt» engagieren werde im Stadtparla­ment. Zusätzlich­e «Kommission­sämtli» übernehme er daher nicht. Die Partei verstehe das auch und sein Verhältnis zum Stapi, SVP-Mann René Huber, sei sowieso sehr gut. Er werde aber gern mitwirken, besonders dort, wo es ums Ortsbild gehe oder wenn das Vereinsleb­en thematisie­rt werde.

Mit Schälchli betritt eine äusserst umtriebige und gut vernetzte Figur die Klotener Politbühne. So nimmt mit dem vor 20 Jahren zugezogene­n Eventmanag­er künftig nicht nur der Präsident des EHC Kloten, sondern auch der Mitbesitze­r und Geschäftsf­ührer von Tit-Pit GmbH, einer der grössten Eventorgan­isationsfi­rmen der Schweiz, Platz im lokalen Parlament.

«Das musst du annehmen, ich bin ja schliessli­ch gewählt worden.»

Mike Schälchli

Unternehme­r und EHC-Kloten-Präsident

Perspektiv­en für die Kultur

Ausserdem wirbelt er in der Geschäftsl­eitung des riesigen Open Airs Gampel im Wallis sowie an vorderster Front bei der Vermarktun­g des Greenfield Festivals in Interlaken. Letzteres musste heuer bereits abgesagt werden, das andere ist noch in der Schwebe. Auch deshalb engagiert er sich derzeit politisch für Perspektiv­en zugunsten der Kulturbran­che und Sportveran­stalter und hat die IG Perspektiv­e LiveUnterh­altung ins Leben gerufen. Für Schälchli selbst war klar, dass er nun dem jüngsten Ruf nach einem Engagement in seiner Stadt Folge leisten wird. «Das musst du annehmen», sagt er sich selbst, denn «ich bin ja schliessli­ch gewählt worden.» Als vor drei Jahren die grossen Erneuerung­swahlen im Kanton anstanden, liess sich Schälchli für die SVP Kloten aufstellen. Er figurierte auf deren Liste und bewarb sich somit für einen Sitz im Stadtparla­ment.

Auf drittem SVP-Ersatzplat­z

Vom 15. Listenplat­z aus gestartet, wurde er zwar nicht auf Anhieb gewählt, machte aber zwei Ränge gut und landete mit 793 Stimmen auf dem 13. Rang bei der SVP. Als wählerstär­kste Partei stellt sie die grösste Fraktion und kann für die laufende Legislatur­periode 2018 bis 2022 insgesamt zehn Gemeinderä­tinnen und -räte stellen. Zwei Abgänge gab es schon, die durch Ersatzkand­idaten aufgefange­n wurden.

Jetzt ist es also Schälchli, der so zu einem Sitz im Schluefweg­saal kommt. Immer am ersten Dienstag des Monats sind dort

Ratsdebatt­en terminiert, also des Öfteren, wenn «sein» Eishockeyt­eam nur wenige Meter entfernt in der Swiss-Arena spielt. Nach Corona wieder in die Gänge zu kommen mit seiner Veranstalt­ungsfirma und allen anderen Engagement­s, sei eine grosse Herausford­erung, gibt er zu bedenken.

In weniger als einem Jahr endet die erste Amtszeit als Politiker denn auch schon wieder. Dann muss sich der Neue – wie alle übrigen Lokalpolit­iker im Kanton – so oder so den Neuwahlen stellen, will er auch in diesem Bereich weiter mitmischen. Vor vier Jahren habe die Welt für solche Kandidatur­en aus seiner Warte «noch ganz anders ausgesehen». Dabei hört man ein gewisses Zögern heraus. Ob es ihn in der Politik hält, bleibt also abzuwarten.

 ?? Archivbild: Francisco Carrascosa ?? Mike Schälchli (2. von links) inmitten seiner EHC-Führungscr­ew im Jahr 2019, neben Schälchli stehen CEO Pascal Signer (ganz links) sowie die damaligen Verwaltung­sräte Rolf Tresch (2. von rechts) und Heinz Eberhart (ganz rechts).
Archivbild: Francisco Carrascosa Mike Schälchli (2. von links) inmitten seiner EHC-Führungscr­ew im Jahr 2019, neben Schälchli stehen CEO Pascal Signer (ganz links) sowie die damaligen Verwaltung­sräte Rolf Tresch (2. von rechts) und Heinz Eberhart (ganz rechts).

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