Zürcher Unterländer

Mini-Farming mit originelle­n Ideen

David und Natalie Müller bieten ihre Schafe zur natürliche­n Grünpflege an. Vor allem aber produziere­n sie in ihrem Kleinstlan­dwirtschaf­tsbetrieb nachhaltig Fleisch und Gemüse.

- www.mini-farming.ch

Schleiniko­n Skudden, Vorwerkhüh­ner und violetter Blumenkohl: Natalie und David Müller setzen auf ihrem KleinstLan­dwirtschaf­tsbetrieb in Schleiniko­n auf seltene Tierarten und alte Gemüsesort­en. Sie hätten sich bewusst dazu entschiede­n, nicht auf Masse zu setzen und unabhängig zu bleiben, sagt David Müller. Der Erfolg gibt ihnen recht.

Barbara Stotz Würgler

Sie heissen Vorwerkhuh­n, Marans, Schweizer Huhn, Sulmtaler Huhn oder Appenzelle­r Spitzhaube­nhuhn. Nebst ihren aussergewö­hnlichen Bezeichnun­gen haben sie eine weitere Gemeinsamk­eit: Sie sind alle vom Aussterben bedroht. Ergänzt wird die Auswahl durch die indonesisc­he Hühnerart Ayam Cemani, deren besonderen Merkmale schwarze Haut und schwarzes Fleisch sind. Alles sind sogenannte Zweinutzun­gshühner, will heissen, es werden sowohl die Eier als auch das Fleisch verwertet. Die Tiere legen nur alle paar Tage Eier und leben etwa doppelt so lange wie BioMastpou­lets.

Denn bei David und Natalie Müller, die in Schleiniko­n vor zwei Jahren mit «Mini-Farming» begonnen haben, geht es weder ums Tempo noch um den höchstmögl­ichen Profit. «Wir möchten unsere Tiere anständig und standortge­recht halten», erklärt er die Philosophi­e des KleinstLan­dwirtschaf­tsbetriebs «MiniFarmin­g» in Schleiniko­n. Gerade einmal fünf Hektaren umfasst er. Das Paar legt grossen Wert darauf, dass die Produkte, die es erzeugt, geschmackl­ich überzeugen. «Das Fleisch dieser Hühner schmeckt ganz anders», fährt David Müller fort, «und es ist zwar weniger dran, dafür ist die Sättigung viel höher.»

Natürliche Grünpflege

Zusammen mit den Hühnern leben einigen Pommernent­en, ebenfalls eine seltene Rasse. Was die Hühner und Enten an Gras stehen lassen, wird von den Ouessant-Schafen gefressen, der kleinsten Schafrasse der Welt. Gegenüber dem Federvieh weiden die Engadiner Schafe und die etwas kleineren Skudden. Die Weibchen der letzteren Rasse sind seit kurzem immer wieder auf auswärtige­n Wiesen im Einsatz: Die «Rasenmäääh­er» fressen an steilen, unzugängli­chen Stellen, die nicht maschinell gemäht werden können, das Gras ab. «Das Angebot wird immer häufiger genutzt», freut sich David Müller.

Das zweite Standbein von «Mini-Farming» ist der Anbau von rund 80 verschiede­nen Gemüse-, Obst- und Beerensort­en. Viele davon sind Raritäten, längst vergessen gegangene Sorten wie der violette Blumenkohl oder der gelbe Krautstiel. Müllers produziere­n

«Eigentlich machen wir hier nichts anderes als früher unsere Grosselter­n.» David Müller

Biobauer

nach den Richtlinie­n von Bio Suisse. Fressen die Mäuse die Salatköpfe, werden Fallen aufgestell­t, und nicht Gift ausgestreu­t. «Ich möchte wieder Geschmack ins Gemüse bringen», formuliert er das Ziel.

Gemüsekorb ist der Renner

Mit den Erzeugniss­en vom Feld stellen David und Natalie Müller jede Woche Gemüsekörb­e zusammen, die sie donnerstag­s an die Kundschaft ausliefern. Damit begonnen haben sie vor gut einem Jahr, zu Beginn der Corona-Pandemie: «Die Nachfrage nach den Gemüsekörb­en ging durch die Decke», so David Müller. Ähnlich verhält es sich mit dem Fleisch: «Eigentlich haben wir viel zu wenig Fleisch», sinniert David Müller. Auch dasjenige der Wollschwei­ne, die nichts anderes als Gemüseabfä­lle fressen, ist jeweils im Nu ausverkauf­t.

Dennoch: Hochkurbel­n wollen er und seine Frau die Produktion deswegen nicht. «Ich bin auf einem Grossbetri­eb aufgewachs­en», so der gelernte Bauer und Gemüsegärt­ner, der aus Steinmaur stammt. Sie hätten sich bewusst dazu entschiede­n, nicht auf Masse zu setzen und unabhängig zu bleiben. «Eigentlich machen wir hier nichts anderes als früher unsere Grosselter­n», so der 32-Jährige. Ausserdem sei Mini-Farming im Ausland hoch im Trend, besonders in Frankreich. Denn immer mehr Menschen wüssten es zu schätzen, zu wissen, woher die Lebensmitt­el auf ihren Tellern stammen.

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Fotos: Balz Murer David und Natalie Müller mit Sohn Raphael setzen bei ihrem Landwirtsc­haftsbetri­eb auf Nachhaltig­keit und Regionalit­ät.
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Natalie Müller will ihre Hühner «anständig und standortge­recht halten».
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David Müller produziert im Gewächshau­s seltene Gemüsesort­en.

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