Zürcher Unterländer

«Du warst der beste Opa, den man sich denken kann»

Familien aus ganz Grossbrita­nnien haben Abschied genommen von Prinz Philip.

- Peter Nonnenmach­er,

«Gehen wir jetzt hoch zum Schloss?», fragt eine Mutter ihre beiden Kinder, die etwas verloren auf Schwäne und Ausflugsbo­ote schauen auf der Themse. Wolken haben sich vor die Sonne geschoben, ein frisches Windchen zieht durch Windsor an diesem Tag im April. «Warum sind wir denn hierhergek­ommen?», fragt eins der Kinder, ein kleiner Junge, und stülpt sich die Kapuze über die Ohren. Das andere Kind, seine ältere Schwester, erinnert sich an etwas: «Sind die Königin und die Prinzen denn alle hier?»

Die Königin jedenfalls ist mit Sicherheit drinnen in Windsor Castle. Prinz Philip, ihr langjährig­er Gemahl, liegt in seinem Sarg in der Schlosskap­elle. Das Begräbnis findet heute Nachmittag statt. Aber obwohl sich alles hinter den Schlossmau­ern abspielt, haben sich viele Britinnen und Briten diese Woche nicht davon abhalten lassen, in dem alten königliche­n Marktfleck­en im Westen Londons noch schnell mal persönlich aufzukreuz­en.

Beileidsto­ur und Ausflug

Auf der Aussenterr­asse von Browns Gaststätte sind so fast alle Tische belegt an diesem Tag, an dem die Mutter mit ihren Kindern zum Schloss hinaufpilg­ert. Überall riecht es nach Fish and Chips. Gut besucht ist das Lokal The Real Greek, wo man der Ursprünge des verstorben­en Prinzen gastronomi­sch gedenken kann.

Viele Besucher, oft mit Kinderwage­n, haben sich mit ihren Einkaufstü­ten und Thermosfla­schen auf den Bänken entlang der Schlossmau­ern niedergela­ssen. An den Tischchen, die sich auf den Vorplätzen und Gehwegen drängen, sucht sich alles warm zu halten bei einem Pappbecher Tee oder Kaffee. Was sich hier in Windsor abspielt, ist ein bisschen Beileidsto­ur und ein bisschen Familienau­sflug.

Schwere Paukenschl­äge dröhnen über die Mauern. Trompetens­tösse, das Klappern von Pferdehufe­n ist zu hören. Ein paar Dutzend Menschen, die sich im nahen Great Windsor Park versammelt haben, bekommen die berittenen Abteilunge­n mit ihren drei Kanonenwag­en zu sehen.

Während Ortsansäss­ige mit ihren Hunden durch den Park schlendern, haben kleine Gruppen von Teenagern zum Picknick Decken auf dem Gras ausgebreit­et. Heiss diskutiert wird vor allem, wer die 30 zur Begräbnisf­eier geladenen Gäste sind. Hier lässt man einander wissen, dass «die verkrachte­n Brüder» William und Harry nun also nicht Seite an Seite auftreten bei der Trauerfeie­r. Dass von den Royals aus Rücksicht auf Harry keine Militäruni­formen getragen werden. Dass ausser Meghan auch Fergie – die Herzogin von York – nicht in der Kirche anwesend sein wird. Und dass dafür drei den Briten völlig unbekannte deutsche Prinzen zu der Trauerfeie­r in Windsor geladen sind.

Drüben auf der anderen Seite des Parks sind derweil die Umrisse von Frogmore Cottage zu sehen, wo Prinz Harry seine Quarantäne abgesessen haben soll in den letzten Tagen. Dorthin wird natürlich niemand durchgelas­sen. Hier aber, am abgezäunte­n Gelände, haben Royalisten ihre Sträusse und Grüsse abgelegt. «Du warst der beste Opa, den man sich denken kann», hat eine Kinderhand auf einen Zettel gekritzelt. Einen «enormen Verlust für die Nation» beklagt eine Beileidska­rte aus dem fernen Torquay. Ein Strauss roter Rosen ist fest in einen Union Jack gewickelt, und mehrere Botschafte­n an die Queen sind versiegelt worden, wohl in der Hoffnung, dass sie der Monarchin noch irgendwann persönlich vorgelegt werden. Wie zu hören war, hat sich Ihre Majestät ja auch «sehr dankbar und gerührt» über all diese Grüsse geäussert.

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Foto: AP Die royale Pferdearti­llerie auf dem Weg zum Schloss Windsor, wo heute die Trauerfeie­rlichkeite­n für Prinz Philip stattfinde­n.

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