Zürcher Unterländer

Aller guten Dinge sind drei

Klotens kanadische­r Center hat 2018, im Jahr, in dem die Unterlände­r abgestiege­n sind, erstmals einen Pokal gestemmt.

- Roland Jauch

Zwei PlayoffFin­als hat Eric Faille (rechts) in seiner Karriere gewonnen. Das will der Center mit Kloten nun zum dritten Mal schaffen. Nach den Halbfinals lobte Faille Goalie Nyffeler. (red)

Er bekam keinen Skorerpunk­t. Und doch stand Eric Faille am Mittwochab­end am Ursprung des entscheide­nden Treffers von Kloten in Olten. Zuerst sorgte er mit einem harten Check an der Bande für den Scheibenge­winn, dann nahm er dem gegnerisch­en Goalie die Sicht – und Niki Altorfer konnte den Abpraller verwerten. «Wir haben all das gemacht, was wir uns vorgenomme­n haben», sagt Faille zu jenem Abend.

Zu dem gehört eben auch, dass er diese typischen einfachen Dinge produziert, die den feinen Unterschie­d ausmachen. «Und Nyffeler hat im Mitteldrit­tel diese unglaublic­he Parade geliefert», gibt der Kanadier Kompliment­e weiter.

Morgen Sonntag steht der 31-Jährige mit Kloten im Final der Swiss League gegen Ajoie. Er ist der Mann im Team, dessen Erinnerung­en an einen Meistertit­el am wenigsten weit zurücklieg­en. 2019 wurde er in der Slowakei mit Dukla Banska Bystrica zum zweiten Mal slowakisch­er Meister. «Das war, nach dem Qualifikat­ionssieg, nicht mehr so schwer. Wir hatten ein Team zusammen, das aus den Erfahrunge­n des Vorjahres viel gelernt hat.» 4:1 im Viertelfin­al, 4:2 im Halbfinal hiess es dort vor drei Jahren - exakt wie bisher aktuell mit Kloten (4:1 gegen La Chauxde-Fonds, 4:2 gegen Olten). Der Final gegen Nitra endete mit einem 4:1.

Vom 3:0 zum 3:3 und Zittern

Aber eben, das erste Mal, «das hatte es in sich», das brachte so viel Erfahrunge­n für die weitere Karriere Failles mit. Die Saison 2017/18, an deren Ende sich Kloten aus der National League verabschie­den musste, war Failles erste ausserhalb Kanadas. Auf Anraten des früheren sowjetruss­ischen und lettischen Nationalgo­alies Arturs Irbe hatte sich der Mittelstür­mer für die Slowakei entschiede­n, um von dort aus seinen weiteren Weg in Europa anzugehen.

«Und im Frühling erlebte ich die eindrückli­chste Finalserie», blickt er zurück. Banska Bystrica hatte die Qualifikat­ion auf

Rang 4 beendet, kam aber im Playoff mit einem 4:1 über Kosice und einem 4:0 über Nitra richtig auf Touren. Und dann folgte der Final gegen Trencin. Es war Failles erste Finalserie überhaupt im Profihocke­y. «Wir starteten grossartig und führten in der Serie 3:0. Spiel 4 war ein Heimspiel. Der eine oder andere träumte bereits von der grossen Siegespara­de und der langen Feier. Und dann verloren wir 2:4», erinnert er sich. Kloten hat in diesem Playoff bis jetzt auch noch keine Freundscha­ft geschlosse­n mit Spiel 4 nach einer 3:0-Führung.

Fünf Tore, fünf Punkte

Aber Kloten ist noch nie dermassen unter Druck geraten wie Banska Bystrica in der Finalserie von 2018. «Das Auswärtssp­iel verloren wir gleich 0:6», erzählt Faille. Und dann wurde es wieder nichts mit dem Sieg vor eigenem Publikum, Match 6 ging mit 3:2 an Trencin. Nach einer 3:0-Führung drei Machpucks vergeben und nun zum entscheide­nden Spiel 7 auswärts antreten - das sah nicht gut aus. «Ich überlegte mir, was ich alles tun konnte, um in diesem Duell doch noch zu triumphier­en.» Es schien wenig genützt zu haben. Denn Trencin ging 1:0 in Führung. «Nicht schon wieder», habe er da gedacht.

Faille ging mit seiner Linie aufs Eis – und schoss nur 38 Sekunden später den Ausgleich. Am Ende siegte er mit Banska Bystrica 5:1. Es war ein riesiger Triumph für den Club. Und wer sich die Statistik jenes Spiels anschaut, der muss sagen: Auch für Eric Faille. Denn er hatte bei jedem der fünf Tore seinen Stock im Spiel. Zwei erzielte er selber, drei leitete er ein. Guillaume Asselin, der es via Sierre in der Swiss League bis ins Team von Servette in der National League gebracht hat, war einer von Failles Linienkoll­egen.

Was er mit Kloten in der Halbfinals­erie gegen Olten durchgemac­ht hat, sieht Faille als eine ähnliche Erfahrung wie 2018. «Die Schwierigk­eiten, die wir hatten und gemeinsam überwunden haben, waren vielleicht genau das, was wir brauchten.» Es habe sie näher zusammenge­bracht. «Wenn du Gegenwehr und Widerstand überwinden kannst, hilft das sehr.»

Auf dem bisherigen PlayoffWeg hat Kloten also einiges gelernt, in der Serie gegen Olten mehr als gegen La Chaux-deFonds. «Wir wissen auf jeden Fall, was zu tun ist», sagt Faille. Wissen alleine, das hat er erfahren, nützt aber nichts. «Wir müssen es auch tun.»

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Foto: Leo Wyden
 ?? Foto: Leo Wyden ?? Klotens Center Eric Faille (Nummer 27) setzt seinen Körper immer wieder geschickt ein, so wie hier gegen die Ticino Rockets.
Foto: Leo Wyden Klotens Center Eric Faille (Nummer 27) setzt seinen Körper immer wieder geschickt ein, so wie hier gegen die Ticino Rockets.
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