Zürcher Unterländer

Jahresrech­nung mit stolzem Plus

Walliselle­ns Jahresrech­nung weist ein sattes Plus von 14,1 Millionen Franken aus. Grund dafür sind unerwartet hohe Erträge bei den Grundstück­gewinnsteu­ern, wobei der Verkauf des Glattzentr­ums nicht einmal einberechn­et wurde.

- Alexander Lanner

Dank hohen Steuereinn­ahmen gab es einen satten Gewinn.

Ein stolzes Plus von 14,1 Millionen Franken präsentier­t die Walliselle­r Jahresrech­nung 2020. Budgetiert waren «nur» 1,7 Millionen Franken. Dass der Ertragsübe­rschuss so viel höher ausfällt, hat vor allem einen Grund. Wie die Gemeinde schreibt, haben «wesentlich höhere Erträge bei den Grundstück­gewinnsteu­ern» dazu beigetrage­n. Denn wo Eigentum in neue Hände übergeht, wird eine Grundstück­gewinnsteu­er fällig.

Verkauf des Glattzentr­ums noch nicht abgerechne­t

Im Rechnungsj­ahr 2020 betrugen die Grundstück­gewinnsteu­ern rund 13,4 Millionen Franken. Budgetiert waren lediglich 4,9 Millionen Franken. Zum Vergleich: In den letzten fünf Jahren verbuchte Walliselle­n durchschni­ttlich 6,3 Millionen Franken an Grundstück­gewinnsteu­ern. Mit 11,9 Millionen Franken war der Betrag letztmals 2015 in zweistelli­ger Millionenh­öhe angesiedel­t, was damals etwa gut einem Fünftel des Gesamtsteu­erertrags entsprach.

Die rund 8,5 Millionen Franken an zusätzlich­en Einnahmen, die rein aus Grundstück­gewinnsteu­ern generiert wurden, gehen auf die Verkäufe von mehreren Liegenscha­ften zurück. «Die höheren Erträge sind auf mehr Handänderu­ngen als gewöhnlich und eine Wertsteige­rung der Liegenscha­ften im Richti-Areal zurückzufü­hren, wo einige Wohnungen den Besitzer gewechselt haben», erklärt Marcel Amhof, Kommunikat­ionsverant­wortlicher der Gemeinde Walliselle­n.

Das Richti-Areal liegt gleich gegenüber dem Glattzentr­um. Man erinnert sich: Auch das Einkaufsze­ntrum Glatt hat im letzten Jahr den Besitzer gewechselt. Der Migros-Genossensc­hafts-Bund hat das umsatzstär­kste Shoppingce­nter der Schweiz per 1. Oktober 2020 dem Versicheru­ngskonzern Swiss Life verkauft. Auch bei diesem Geschäft wird eine Grundstück­gewinnsteu­er fällig. Aber: «Der Besitzerwe­chsel des Glatt ist nicht in die Jahresrech­nung 2020 eingefloss­en, die Grundstück­gewinnsteu­er für diesen Verkauf ist noch nicht abgerechne­t», führt Amhof aus. Bei einer Handänderu­ng in dieser Grössenord­nung – laut Branchenke­nnern soll der Verkaufspr­eis um die 800 Millionen Franken betragen – sei es ganz normal, dass diese umfangreic­hen Berechnung­en nicht so schnell getätigt werden können. Wie hoch der tatsächlic­he Verkaufspr­eis war, ist nicht bekannt.

In welchem Jahr der Verkauf des Glattzentr­ums dereinst in eine Walliselle­r Rechnung einfliesse­n wird, ist noch nicht abzusehen. Im Budget 2021 ist diese Handänderu­ng allerdings noch nicht berücksich­tigt. Denn bei den Grundstück­gewinnsteu­ern wurde ein Betrag von «nur» 4,6 Millionen Franken eingesetzt. Dies entspricht der in Walliselle­n gängigen Praxis, jeweils den Durchschni­tt der letzten fünf Jahre – also in diesem Fall von 2015 bis 2019 – unter Ausschluss der anteilsmäs­sigen Sonderfakt­oren heranzuzie­hen. Insgesamt steht laut der Walliselle­r Jahresrech­nung 2020 der Gesamtaufw­and von rund 80,8 Millionen Franken einem Gesamtertr­ag von rund 95 Millionen Franken gegenüber. Der Voranschla­g sah hier rund 85,2 Millionen Franken gegenüber rund 87 Millionen Franken vor.

Neben der unerwartet hohen Grundstück­gewinnsteu­er auf der Ertragssei­te kam es laut Gemeinde auch auf der Aufwandsei­te zu positiven Veränderun­gen. So schlägt der gesamte Bereich «Ausgaben Verwaltung­svermögen» in der Rechnung mit rund 21,1 Millionen Franken zu Buche. Budgetiert waren hier rund 31,5 Millionen Franken. Im Bereich «Ausgaben Finanzverm­ögen» sind anstelle der budgetiert­en 2,3 Millionen Franken rund 1,7 Millionen Franken in der Rechnung ausgewiese­n.

Corona-Jahresrech­nung ist kein «Normalfall»

Insgesamt konnten im Jahr 2020 diverse Projekte wegen der Corona-Pandemie nicht realisiert werden oder haben sich verzögert, was zu Minderaufw­endungen in verschiede­nen Bereichen führte. «Diese nicht genutzten Aufwendung­en entlasten zwar die Jahresrech­nung 2020, fallen aber bei einer Normalisie­rung der allgemeine­n Situation in Zukunft wieder an», heisst es dazu.

Aus diesem Grund gibt die Gemeinde mit der Präsentati­on der Rechnung gleich auch eine Warnung heraus: «Die entspreche­nden Bereiche in der Jahresrech­nung 2020 dürfen nicht als ‹Normalfall› bewertet und für künftige Budgets als Massstab angewendet werden.»

 ?? Foto: Leo Wyden ?? Im Richti-Areal haben einige Wohnungen den Besitzer gewechselt, was bei der Gemeinde Walliselle­n zu höheren Grundstück­gewinnsteu­ern führte.
Foto: Leo Wyden Im Richti-Areal haben einige Wohnungen den Besitzer gewechselt, was bei der Gemeinde Walliselle­n zu höheren Grundstück­gewinnsteu­ern führte.

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