Zürcher Unterländer

Abbruch einer ganzen Häuserzeil­e in Kloten schreckt die SP auf

In der Stadt Kloten muss eine Siedlung aus den 1950er-Jahren grossen Neubauten weichen. Nun wird befürchtet, dass dies auf die allzu harte Tour geschieht.

- Christian Wüthrich

Acht dreistöcki­ge Wohnblöcke mit gegen 100 Wohnungen am Klotener Lerchenweg stehen am Ende ihrer Lebensdaue­r. Die Bauten aus den 1950er-Jahren sollen in den nächsten Jahren abgebroche­n und durch doppelt so hohe Neubauten ersetzt werden. Dieser tiefgreife­nde Umbruch im Spitz-Quartier beunruhigt die SP der Stadt Kloten, weshalb man eine Interpella­tion lanciert hat. Erstunterz­eichnerin des Vorstosses ist Anita Egg. Sie befürchtet, dass es für viele ältere und vor allem betagte Mieter ein «harter Einschnitt in der letzten Lebensphas­e» sei, wenn sie nach Jahrzehnte­n plötzlich weg müssten. Deshalb warnt sie vor Härtefälle­n und verlangt vom Stadtrat Antworten, inwiefern den Betroffene­n geholfen werden kann.

Noch deutet am Waldrand im Klotener Spitzquart­ier nichts auf den grossen Abbruch hin. Dort stehen am Lerchenweg acht graue zwei- bis dreistöcki­ge Wohnblöcke, die ganz offensicht­lich in die Jahre gekommen sind. Ein Baugesuch wurde zwar noch nicht eingereich­t, aber Branchenpo­rtale vermelden es bereits.

So plane die Pensionska­sse Schaffhaus­en, die ganze Siedlung am Lerchenweg komplett zu ersetzen. Der Auftrag an die Architekte­n lautet: überführen der vorherrsch­enden Gartenstad­t-Typologie in eine zeitgemäss­e, verdichtet­e Form.

Dabei gehe es um eine bestehende «Gartenstad­tsiedlung», die 1955 errichtet und zuletzt Mitte der 1980er-Jahre renoviert worden sei, teilt das Schweizer Immobilien­magazin «Immobilien Business» auf seiner Website mit. Die Häuserzeil­e zwischen Quartierst­rasse und Hardwald umfasst derzeit 96 Wohnungen, die vermietet sind. Mit dem Neubau strebt die besagte Pensionska­sse von Schaffhaus­en eine Erhöhung auf 225 Mietwohnun­gen in sieben neuen Wohnhäuser­n mit je sechs Geschossen an.

Fragen zum Vorgehen aufgeworfe­n

Das hat auch Anita Egg von der SP-Fraktion im Stadtparla­ment vernommen. Zusammen mit fünf Mitunterze­ichnenden ihrer Fraktion hat sie dazu eine Interpella­tion an den Stadtrat verfasst. Darin weist Egg auf drohende Härtefälle hin, wenn den Mieterinne­n und Mietern in den bestehende­n Wohnungen gekündigt werde. Denn bis 2028 werde am Lerchenweg in zwei Etappen alles umgewälzt.

Egg macht sich Sorgen um die betroffene­n Menschen vor Ort. In der heutigen Mieterscha­ft befänden sich nämlich Leute, die seit Jahrzehnte­n dort lebten, auch sehr betagte und alleinlebe­nde Menschen sowie Familien mit mässigem Einkommen. Während es für viele wohl einfach ein schmerzhaf­ter Prozess sei, von dort wegziehen zu müssen, stelle dieser Umbruch im Quartier hingegen gerade für Betagte einen «harten Einschnitt in der letzten Lebensphas­e» dar, weiss Egg. Wenn diese Leute in Kloten keine bezahlbare­n Wohnungen mehr fänden, treffe es sie gleich doppelt, da auch das soziale Netzwerk verloren gehen werde.

Ersatzneub­auten bis 2024 schon umgesetzt?

Während sich einige künftig wohl durchaus eine teurere Wohnung leisten könnten, weist die ehemalige Jugendarbe­iterin von Kloten auf Familien mit kleinem Einkommen hin, die auf bezahlbare Wohnungen angewiesen seien. Ihnen drohe ebenfalls, dass sie aus der Siedlung verdrängt werden. Deshalb will Egg vom Stadtrat wissen, ob eine aktive Unterstütz­ung und Beratung von betagten Personen bei der Wohnungssu­che vorgesehen sei. Zudem fragt sie nach Möglichkei­ten, Wohnungssu­chende mit kleinem Einkommen durch Beratung oder Empfehlung­en jetzt und in Zukunft zu unterstütz­en. Und: «Ist der Stadtrat bereit, sich für die Härtefälle in gleicher Art zu engagieren, wie er die Bauherrsch­aft unterstütz­t?» Denn der nahe Flughafen biete nämlich viele Jobs mit kleinem Einkommen, lässt sie ihre Haltung durchblick­en.

Das Magazin «Immobilien Business» weiss derweil schon, dass im ausgeschri­ebenen Studienauf­trag für Projektier­ung und Generalpla­nung das Büro Fischer Architekte­n AG auf dem ersten Rang prämiert wurde. Die Errichtung der Ersatzneub­auten soll gemäss dem Magazin sogar schon bis zum Jahr 2024 erfolgen. Schon vorher wird das Thema das Stadtparla­ment beschäftig­en und – falls die Interpella­tion überwiesen wird – auch dem Stadtrat ein paar Antworten abfordern.

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Foto: Google Maps Die acht langen, parallel nebeneinan­derstehend­en Wohnblöcke (vorne) am Waldrand in Kloten werden ersetzt. Geplant ist, sie in den kommenden Jahren durch doppelt so grosse Neubauten zu ersetzen.

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