Zürcher Unterländer

Lehren aus der Niederlage ziehen

1:1 heisst es vor Spiel 3 heute Donnerstag im Swiss-League-Final: Kloten geht erstmals in diesem Jahr nicht mit einer 2:0-Führung ins zweite Heimspiel einer Playoff-Serie. Ajoie erwies sich vorgestern Dienstag als zäher Widersache­r.

- Roland Jauch

Mit 0:5 verlor Kloten das zweite Spiel des SwissLeagu­e-Finals gegen Ajoie. Die Serie steht 1:1. EHC-Trainer Per Hanberg hat die Niederlage analysiert und schaut vorwärts aufs dritte Spiel heute Donnerstag in Kloten. Vielleicht muss der Coach noch auf Juraj Simek und Marc Marchon verzichten, die in Pruntrut im letzten Drittel überhart agierten.

0:5 in der Halle des HC Ajoie. Kein Tor geschossen trotz enormem Aufwand und guten Möglichkei­ten. Kloten machte sich mit einem 1:1 in der Finalserie am Dienstagab­end auf den Heimweg. Vorbei an den jubelnden Ajoie-Fans, vorbei aber auch an aufgeheizt­en Anhängern, von denen einige den Bus mit ihren Fäusten bearbeitet­en. Eine kleine Gruppe skandierte auch später, als der Car schon lange weg war, noch immer «Scheiss-Kloten» und liess einige höllisch laute Böller krachen.

In dieser Serie stecken Emotionen. Zumindest von Seiten des HC Ajoie, seit bekannt wurde, dass die zwei Kanadier Devos/ Hazen beim Gegner einen Vertrag für die National League unterschri­eben haben. Eben im Fall, dass Kloten aufsteigt. In Pruntrut, in der ganzen Region, glauben sie nicht, dass ihre zwei «Helden» Abwanderun­gsgelüste haben. Agent und Spieler getrauen sich nicht, die Wahrheit zu sagen. Es sind die anderen, die lügen.

Und eine Zürcher Zeitung habe diese Gerüchte in die Welt gesetzt, um die Pruntruter zu destabilis­ieren. «Alle gegen uns», das ist die Meinung. Diese «Gallier-Mentalität», aus den AsterixBüc­hern bekannt, zeigte auch Thibaut Frossard nach dem 5:0. «Wir wollten zeigen, dass sie nicht so stark sind, wie die ganze Welt sagt.» In dieser Rolle fühlt sich Ajoie offenbar wohl.

Es drohen Sperren

Und wurde in der Schlusspha­se der Partie noch ein bisschen mehr darin bestärkt. Zuerst holte sich Juraj Simek eine Fünfminute­nstrafe ab, nur 70 Sekunden später auch noch Marc Marchon. Das Spiel war zwar schon entschiede­n, aber solche Aktionen haben in der Art und Weise, wie Kloten spielen will, keinen Platz. In keiner Phase des Spiels.

Dass einige frustriert waren, versteht Trainer Per Hanberg. Aber die Frustratio­n so auszuleben, sei falsch, sagt der Coach: «Das ist nicht akzeptabel. Damit schaden die zwei Spieler auch dem Team.» Zuerst checkte Simek Verteidige­r Pouilly in die Bande, danach übertrieb es Marchon bei einer Attacke gegen Lee Roberts, die als unerlaubte­r Körperangr­iff taxiert wurde.

Kloten muss mit allen Eventualit­äten rechnen, also vielleicht auch mit einer oder zwei Sperren. Wer in einem solchen Fall zum Einsatz kommen soll, diskutiert­en die Trainer bereits ein erstes Mal. «Es gibt Spieler, die bisher nur zuschauen mussten, sie wollen zeigen, was sie können», sagt Hanberg. Anthony Staiger und Robin Leone waren gestern die einzigen Stürmer, die aufs Eis gingen, Gian Janett der einzige Verteidige­r, sein Bruder Luis der einzige Goalie. Sie alle hatten in Pruntrut nicht gespielt. Von jenen, die im Einsatz standen, arbeitete die Mehrzahl individuel­l.

Kloten hat in dieser Saison nicht manches Spiel abgeliefer­t, in dem es das gegnerisch­e Tor so heftig attackiert­e wie am Dienstag und ohne Torerfolg blieb. «Ajoie war besser im Toreschies­sen», fasste Hanberg denn auch die Partie zusammen.

Und wie es heute Donnerstag in Spiel 3 weitergehe­n soll, weiss er. «Wir müssen schlauer, kluger spielen.» Das bedeutet ein weiteres Mal auch: Weniger Strafen kassieren. Und weiterhin den gegnerisch­en Goalie mit Schüssen eindecken, ihm noch mehr die Sicht nehmen - «und nicht zu einfache Gegentore erlauben.» Und Kloten muss mit seiner Lautstärke

mehr gegnerisch­e Strafen provoziere­n. «Dazu müssen wir den Puck schneller bewegen, schneller laufen und den Puck länger in der gegnerisch­en Zone halten.»

Hanberg und Kloten wurden auch am frühen Mittwochmo­rgen in Kloten von ihren treuen Fans erwartet und aufgemunte­rt. «Und am Donnerstag werden wir auch erstmals einige Fans in der Halle haben.» Was sein Team zu einer neuen Topleistun­g antreiben soll. Alles unter dem Motto: «Hart, aber fair spielen, mit Respekt.»

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Foto: Georgios Kefalas (Keystone) Kloten, rechts mit Patrick Obrist, scheiterte im Spiel vorgestern Dienstag an der «Hürde» Ajoie (mit Reto Schmutz).
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