Zürcher Unterländer

Covid-Zertifikat wird zur «Eintrittsk­arte»

Lockerunge­n Bevor wieder Grossanläs­se durchgefüh­rt werden können, gilt es, praktische Fragen zu klären.

- Salome Müller

Der Bundesrat macht das Öffnungste­mpo von der Impfbereit­schaft der Bevölkerun­g abhängig: Je mehr Menschen geimpft seien, desto weniger seien Schliessun­gen nötig, um eine Überlastun­g der Spitäler zu verhindern. In seinem 3-PhasenPlan definierte der Bundesrat gestern, bei welcher Impfquote Lockerunge­n möglich sind. Dabei soll in einer zweiten Phase, die etwa im Juni beginnen dürfte, für geimpfte, genesene oder getestete Personen mit einem Covid-Zertifikat der Zugang zu Restaurant­s, Bars, Clubs und Veranstalt­ungen möglich sein.

Ein solche Zugangsreg­elung ist geplant, sobald 40 bis 50 Prozent der Bevölkerun­g geimpft sind. Der Bundesrat will so die Bevölkerun­g motivieren, sich impfen zu lassen und die Normalisie­rung der Gesellscha­ft zu unterstütz­en, wie es in einem Schreiben an die Kantone heisst. Diese können sich nun zum Öffnungspl­an äussern.

Bis Ende Mai plant der Bundesrat allerdings keine weiteren Lockerunge­n. Es drohen sogar Verschärfu­ngen, falls die Fallzahlen stark zunehmen sollten oder eine Überlastun­g der Spitäler droht.

Gestern hat der Bundesrat einen Antrag von Alain Berset beraten, der in den kommenden Monaten Grossanläs­se erlauben will. Ab Mitte Mai sollen testhalber Veranstalt­ungen mit maximal 1000 Besuchern möglich sein, ab Juli mit bis zu 5000 Personen, ab September mit maximal 10’000 Personen. Voraussetz­ung ist, dass die Besucher geimpft, negativ getestet oder genesen sind. Der Bundesrat entscheide­t nächste Woche definitiv über das weitere Vorgehen.

Allerdings stellen sich ein paar Fragen. Viele Personen, die sich auf das Coronaviru­s testen lassen, erhalten als Bestätigun­g lediglich eine SMS. Reicht diese Bestätigun­g, um an einen der Grossevent­s zugelassen zu werden? Oder müssen jene Personen eine Ärztin aufsuchen und einen Nachweis holen? Schwierig dürfte es auch für genesene Personen sein, tatsächlic­h Zutritt zu erhalten. Wie sollen sie nachweisen, dass sie eine Corona-Infektion überstande­n haben?

Christoph Berger, Präsident der Eidgenössi­schen Impfkommis­sion, sagte am Dienstag an der Medienkonf­erenz: «Wir gehen davon aus, dass die Erkrankung zu einem Test geführt hat. Dieser Test ist dokumentie­rt.» Und Rudolf Hauri, oberster Kantonsarz­t, sagte: «Wenn es eine Laborunter­suchung gegeben hat, dann gibt es einen Laborberic­ht.» Ausserdem seien positive Testresult­ate via Meldesyste­m beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) und den Kantonen hinterlegt.

Was aber ist mit jenen Personen, die an Covid erkrankt sind, aber auf einen Test verzichtet haben? Das BAG schreibt auf Anfrage: «Ob und wie allfällige Zulassungs­regeln für Veranstalt­ungen aussehen würden, ist noch Teil von Abklärunge­n.» Auch die GDK, die Konferenz der kantonalen Gesundheit­sdirektore­n, wird sich zu den möglichen Pilot-Grossveran­staltungen erst «im Rahmen einer allfällige­n Konsultati­on» äussern. Die GDK verweist darauf, dass sie in Zusammenar­beit mit dem BAG zurzeit an einem Covid-Zertifikat arbeitet – einem Zertifikat für Geimpfte, negativ Getestete und Genesene.

Genesene müssen auf Impfung warten

Genesene müssen sich gemäss Impfstrate­gie des Bundes gedulden. Die Frist beträgt sechs Monate nach Infektion. Besonders gefährdete Personen sollen die Impfung drei Monate nach der Erkrankung bekommen.

Was ist der Anreiz für genesene Personen, mit der Impfung auch tatsächlic­h zuzuwarten? Sie sind zwar temporär gegen eine erneute Ansteckung geschützt, noch ist aber unklar, ob sie bei Reisen und Veranstalt­ungen dieselben Vorteile geniessen werden wie Geimpfte. Wie wollen die Behörden sicherstel­len, dass sich niemand zu früh impfen lässt?

Die Fristen betreffen gemäss BAG nur jene Personen, die eine bestätigte Covid-19-Erkrankung vorweisen können. Bei allen anderen wäre es, wie Christoph Berger an der Medienkonf­erenz sagte: Selbstdekl­aration.

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