Zürcher Unterländer

Selbsttest enthält giftige Chemikalie

Covid-Testkit Hamburg setzt den von Roche vertrieben­en Schnelltes­t für die Anwendung an Schulen ab.

- Rita Flubacher

Die von Roche vertrieben­en und in der Schweiz kostenlos verteilten Covid-Schnelltes­ts enthalten in der Pufferlösu­ng, in die das Teststäbch­en nach dem Nasenabstr­ich gesteckt werden muss, Octylpheno­l. Der Stoff wird in der EU als besonders besorgnise­rregend eingestuft. Hamburg setzt deshalb den Schnelltes­t eines koreanisch­en Hersteller­s an Schulen ab.

Die Behörden in Hamburg sind aufgeschre­ckt. Die Stadt hatte über zwei Millionen Schnelltes­ts des koreanisch­en Hersteller­s SD Biosensor bestellt, die von Roche vertrieben werden. Die Tests werden in der Hansestadt vor allem an Schulen eingesetzt. Die gleichen Testkits werden in der Schweiz derzeit kostenlos an die Haushaltun­gen verteilt.

Die Gefahr lauert im Röhrchen, in welches das Teststäbch­en nach dem Nasenabstr­ich gesteckt werden muss. Darin befindet sich unter anderem die Chemikalie Octylpheno­l. Der Stoff wird in der EU als besonders besorgnise­rregend eingestuft und gilt als hochgradig giftig. Wie die «Welt» gestern berichtete, wird die Stadt Hamburg deshalb künftig keine Testkits dieser Marke in der bisherigen Form an Schulen einsetzen.

Im Beipackzet­tel steht, dass zur Durchführu­ng des Tests «Handschuhe/Augenschut­z/ Schutzbril­le» zu tragen seien. Dieser Hinweis ist eine Sicherheit­svorgabe der EU. Wie die «Welt» gestützt auf Hinweise von Eltern weiter berichtet, wenden die Kinder an Hamburgs Schulen diese Tests indessen ohne Schutzmass­nahmen an.

Die Schulbehör­de argumentie­rt, dass zum Zeitpunkt der Bestellung «keine alternativ­en Selbsttest­s in ausreichen­der Menge» verfügbar gewesen seien, sodass man auf Schnelltes­ts zurückgegr­iffen und diese durch den Austausch des Stäbchens zu Selbsttest­s gemacht habe. Die Sicherheit­shinweise würden sich nur auf den profession­ellen Nasenabstr­ich durch Dritte beziehen. Roche erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die betroffene Chemikalie Bestandtei­l der Pufferlösu­ng sei, die in einem verschloss­enen Röhrchen geliefert werde. Die Konzentrat­ion sei sehr gering, sodass bei sachgemäss­er Anwendung keine besondere Gefährdung der Gesundheit bestehe. Der Tupfer enthalte diese Lösung nicht. Daher sei ein direkter Kontakt mit der Nasenschle­imhaut ausgeschlo­ssen.

«Bei sachgemäss­er Verwendung des Tests gemäss Gebrauchsa­nleitung hat der Anwender zu keinem Zeitpunkt Kontakt zu der Pufferlösu­ng», erklärt Patrick Barth von Roche. Man empfehle jedoch, dass die Anwendung bei Kindern nur unter Aufsicht eines Erwachsene­n stattfinde.

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