Zürcher Unterländer

Forscher lobt Stadtzürch­er Klimaziele

Bis 2040 sollen die Zürcherinn­en und Zürcher keine Treibhausg­ase mehr ausstossen. Der Linken geht das zu wenig schnell.

- Beat Metzler und Martin Huber Mirko Plüss

Der Stadt Zürich steht ein gigantisch­er Umbau bevor. Und damit ist nicht die geplante Verdichtun­g gemeint. Es sind die neuen Klimaziele, die den Umbau nötig machen. Der Stadtrat will die Treibhausg­asemission­en, die auf Stadtgebie­t anfallen, bis ins Jahr 2040 auf null verringern. Dies soll Zürich ganz allein schaffen. Auf den Kauf von CO2-Zertifikat­en verzichtet die Stadt. Eine Vorreiterr­olle nimmt dabei die Verwaltung ein. Sie soll die Klimaneutr­alität fünf Jahre früher, also 2035, erreichen. Das Ziel sei «ambitionie­rt und realistisc­h zugleich», sagte Andreas Hauri (GLP), Vorsteher des Gesundheit­sund Umweltdepa­rtements, gestern an einer Pressekonf­erenz.

Von null anfangen muss die Stadt nicht. Sie wird vor allem Massnahmen, welche sie im Rahmen der 2000-Watt-Gesellscha­ft eingeleite­t hat, verstärken. Am meisten CO2 einsparen lässt sich beim Bauen und beim Verkehr. Heizungen, die Öl oder Gas brauchen, sollen bis in 20 Jahren praktisch verschwind­en auf Stadtgebie­t. Bei ihrem Austausch setzt die Stadt auf zusätzlich­e Förderbeit­räge. Beschleuni­gen möchte sie auch die Installati­on von Solarzelle­n und den Ausbau der Fernwärmen­etze. Um Hauseigent­ümer zu beraten, richtet die Stadt ein «Klimabüro» ein.

Umstellung wird teuer

Der Heizungsta­usch soll gestaffelt passieren. «Wir können nicht die ganze Stadt gleichzeit­ig zu einer Baustelle machen», sagte Michael Baumer (FDP), Vorsteher der Industriel­len Betriebe. Zudem würde viel graue Energie verloren gehen, wenn man alle funktionie­renden Heizungen sofort wegschmeis­sen würde. Auch das unnötige Abreissen von Häusern möchte der Stadtrat künftig vermeiden. Die Klima-Umrüstung soll ausserdem möglichst «sozialvert­räglich» und ohne Leerkündig­ungen ablaufen, sagte Hochbauvor­steher André Odermatt. «Wir prüfen, finanziell­e Unterstütz­ungen an den Mieterschu­tz zu knüpfen.»

Auf den Zürcher Strassen soll es in 20 Jahren ganz anders aussehen. Der Stadtrat will das Angebot an Trams und Bussen weiter ausbauen, mehr Platz für Velofahrer­innen und Fussgänger schaffen, E-Autos fördern sowie Angebote, um Fahrzeuge gemeinsam zu nutzen.

Die Umstellung wird teuer: Der Stadtrat schätzt die Kosten auf rund 520 Millionen Franken pro Jahr, einen Grossteil davon muss die Stadt selber übernehmen. «Doch diese Investitio­nen lohnen sich», sagte Hauri. Das Bau- und Installati­onsgewerbe profitiere, neue Produkte würden entwickelt, die Lebensqual­ität in der Stadt steige.

Zürcher sollen verzichten

Gemäss Stadtrat fällt aber nur ein Viertel aller CO2-Emissionen der Zürcherinn­en und Zürcher auf dem Stadtgebie­t selber an. Drei Viertel sind «indirekte Emissionen», welche die Lebensweis­e der Zürcher an anderen Orten verursacht; zum Beispiel, wenn sie fliegen oder CO2-schwere Produkte wie Beton oder Fleisch importiere­n.

Die neue Klimastrat­egie hat der Stadtrat unter Druck einer Links-Mitte-Koalition im Stadtparla­ment entwickelt. SP, Grüne, GLP, AL und EVP haben vor zwei Jahren in einer Motion gefordert, den jährlichen CO2-Ausstoss pro Person bis 2030 auf netto null einzuschrä­nken. Das entspricht einem Kernanlieg­en der Klimajugen­d.

Diese Forderung lasse sich nicht erfüllen, sagte Hauri. «Der Zeitraum bis 2030 ist zu kurz.» Das liege auch an übergeordn­eten Gesetzen. Der Stadtrat verweist dabei auf eine Studie, die er in Auftrag gegeben hat.

SP und Grüne begrüssten in Mitteilung­en die «Stossricht­ung» des Stadtrats. Gleichzeit­ig bedauern sie die Aufgabe des 2030-Ziels. Beide Parteien wollen sich dafür einsetzen, dass die Stadt «netto null CO2» so schnell wie möglich erreicht. Die AL verlangt einen besseren Schutz der Mieterinne­n und Mieter. Abgerückt vom 2030-Ziel sind die Grünlibera­len. Die vorgeschla­gene Lösung biete das «beste Kosten-Nutzen-Verhältnis», schreibt die Partei. Die FDP begrüsst die «Abfuhr» an die «dogmatisch­en Forderunge­n» und hofft, dass die lokale Wirtschaft von der Umstellung profitiere. Eine bezahlbare­re Umweltpoli­tik ohne Zwang und Verbote fordert die SVP.

Den Klimastrei­kenden hingegen reicht das Ziel 2040 nicht. Der Stadtrat verkenne die Dringlichk­eit der Krise, schreiben sie. Die Bewegung will mit einer Petition

und Aktionen dagegen protestier­en. Gemäss dem Verein Klimastadt Zürich verspielt der Stadtrat die Chance, «Zürich als führende Stadt im Kampf gegen die Klimakrise zu positionie­ren».

«Ehrgeizige­r Kompromiss»

Reto Knutti, Klimaforsc­her an der ETH Zürich, lobt die Strategie als «ehrgeizige­n Kompromiss». Der Stadtrat strebe eine echte Reduktion an, ohne Zertifikat­handel im Ausland. «Das signalisie­rt, dass man den Umbau vorantreib­en muss und sich nicht nur freikaufen will.» Ob sich das Ziel erreichen lasse, hänge von den Massnahmen ab, die effektiv umgesetzt würden. «Das ist nicht primär eine technische Frage, sondern eine Frage des politische­n Willens.»

Die Forderung der Klimastrei­kbewegung nach einem schnellere­n Vorgehen kann Klimaforsc­her Knutti nachvollzi­ehen: «Aus Argumenten der Gerechtigk­eit lässt sich das vertreten.» Aber ein echtes Netto null 2030 hält er für nicht machbar: «Eine Stadt baut man kaum in einem Jahrzehnt um.»

Dass die Stadt Zürich vorab im Gebäudeber­eich und bei der Mobilität ansetzen will, sei richtig, findet Knutti. Dabei handle es sich um die grossen Emissionsp­osten, zu deren Verringeru­ng vielverspr­echende Technologi­en existierte­n.

Als «sinnlosest­es Argument überhaupt» bezeichnet Knutti den Einwand der Klimaskept­iker, dass die Schweiz nur 0,1 Prozent des globalen CO2-Ausstosses verursache und die Massnahmen des Stadtrats nicht mehr seien als ein Tropfen auf den heissen Stein. Das sei so, wie wenn jemand sage, dass er keine Steuern zahlen wolle, weil seine Steuern im Vergleich zu den gesamten Steuereinn­ahmen der Schweiz so klein seien. Sehr viele westliche Länder hätten sich inzwischen ein Netto-null-Ziel gesetzt. «Wir müssen aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verlieren», sagt Knutti.

Als nächstes debattiert der Gemeindera­t über die Klimastrat­egie. Voraussich­tlich 2022 werden die Zürcher darüber abstimmen können, welchen Klima-Umbau der Stadt sie sich wünschen.

Doch wie viel nützen die Masken in der Primarschu­le? Das Volksschul­amt verweist diesbezügl­ich auf eine Auswertung von Daten der Bildungsdi­rektion durch Professori­n Susi Kriemler vom Institut für Epidemiolo­gie, Biostatist­ik und Prävention der Universitä­t Zürich. Kriemler hat sich die Klassenqua­rantänezah­len für alle Schulstufe­n genauer angeschaut. Verglichen zu Mittel- und Oberstufe, wo Maskenpfli­cht herrscht, gebe es demnach auf Kindergart­en- und Unterstufe eine «auffallend deutlich höhere Zahl der betroffene­n Klassen». Kriemler zieht laut dem Volksschul­amt den Schluss: «Sollten gleiche Quarantäne- und Testrichtl­inien bestanden haben, könnte die höhere Betroffenh­eit der kleineren Kinder einen Maskeneffe­kt darstellen.»

Das Volksschul­amt schreibt weiter: «Tendenziel­l sind bei einem bestehende­n positiven Fall in einer Klasse mit Maskenpfli­cht nur vereinzelt weitere Schüler und Schülerinn­en der Klasse infiziert. Dagegen gab es in Klassen ohne Maskenpfli­cht Fälle, in denen gleich mehrere symptomlos­e Kinder positiv getestet wurden.» Es handle sich hier aber «um erste Vermutunge­n und nicht um belastbare Auswertung­en».

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Foto: Alexandra Wey (Keystone) Klimastrei­k im letzten September: Die 2030-Forderung kommt aus dieser Bewegung.

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