Zürcher Unterländer

Kinder und Jugendlich­e ab Juli impfen

Die Wissenscha­ftler des Bundes planen, 12- bis 16-Jährige ab dem Sommer und jüngere Kinder frühestens ab Ende Jahr zu piksen. Dies sei wichtig für die Herdenimmu­nität.

- Iwan Städler

In ihrem neusten wissenscha­ftlichen Bericht ruft die Taskforce des Bundes dazu auf, sich auf das Impfen von Jugendlich­en und Kindern vorzuberei­ten. Bis anhin sind die Covid-Impfstoffe erst ab 16 Jahren (Pfizer/Biontech) und 18 Jahren (Moderna) zugelassen. Das kann sich aber schnell ändern. Erste Tests bei Kindern und Jugendlich­en lassen erwarten, dass die Vakzine auch bei Jüngeren gut wirken – ohne starke Nebenwirku­ngen.

Die Taskforce empfiehlt daher, die Planung darauf auszuricht­en, dass Jugendlich­e ab 12 Jahren bereits ab Juli geimpft werden können. Bei jüngeren Kindern rechnet sie mit einer Zulassung frühestens Ende Jahr. Es sei wichtig, die Bevölkerun­g bereits jetzt darüber zu informiere­n, um so die Impfbereit­schaft zu erhöhen.

Die Wissenscha­ftler möchten Kinder und Jugendlich­e impfen, obwohl diese ein geringes Risiko haben, aufgrund einer CoronaInfe­ktion schwer zu erkranken. Die meisten Minderjähr­igen zeigen keine Symptome oder haben einen milden Verlauf. Aber es gibt auch Jüngere, die an Long Covid leiden.

Es dient daher auch ihrem Schutz, wenn sie sich schon bald gegen Covid impfen lassen können. Darüber hinaus ist die Schweiz auf immunisier­te Kinder und Jugendlich­e angewiesen, wenn das Land Herdenimmu­nität erreichen will. Denn aufgrund der ansteckend­eren Mutationen ist die Schwelle dafür gestiegen. Rechnete man ursprüngli­ch noch mit 60 bis 70 Prozent Immunisier­ten, die für eine Herdenimmu­nität nötig sind, geht die Wissenscha­ft inzwischen von mindestens 80 Prozent aus. Dieses Ziel ist ohne die Kinder nicht zu erreichen. Mit ihnen dagegen schon.

Gross angelegte Tests

Selbst wenn die Schweiz die Herdenimmu­nität nicht erreichen sollte: Je mehr Menschen immun sind, desto stärker sinken die Infektions­zahlen und desto angenehmer wird das Leben.

Dafür müssen die Impfstoffe aber erst für Kinder und Jugendlich­e zugelassen werden, was noch nirgends der Fall ist. Zurzeit

laufen gross angelegte Tests mit mehreren Tausend Jugendlich­en und Kindern. Dafür werden sie in zwei Gruppen eingeteilt, wobei die eine den Impfstoff erhält und die andere ein wirkungslo­ses Placebo. Danach wird getestet, wer sich infiziert hat und wer nicht. Und ob Nebenwirku­ngen wie Fieber oder Kopfschmer­zen auftreten.

Bei einem ersten Test mit Pfizer/Biontech und über 2000 Jugendlich­en zwischen 12 und 15 Jahren haben sich in der Placebogru­ppe 18 Jugendlich­e infiziert, in der Impfstoffg­ruppe niemand. Auch die Verträglic­hkeit war hoch. Nun wird auch bei jüngeren Kindern getestet. Die Jüngsten sind sechs Monate alt. Bestätigen sich die guten Resultate,

können die Hersteller bei Swissmedic um eine Bewilligun­g für Jüngere ersuchen. Dafür braucht es kein neues Zulassungs­verfahren, ein Änderungsg­esuch genügt. Danach bedarf es auch noch einer Empfehlung der Eidgenössi­schen Kommission für Impffragen, was aber ebenfalls schnell erfolgen kann.

Die Taskforce ist freilich relativ optimistis­ch. Andere Experten rechnen mit Herbst, bis unter 16-Jährige geimpft werden können. Ähnliche Pläne hegen die USA, die im Hinblick darauf mehr Impfstoff bestellt haben. Inwiefern das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seine Impfstoffp­läne anpasst, ist noch offen.

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