Zürcher Unterländer

SBB bestellen für 1,3 Milliarden bei Spuhler

Stadler Rail liefert den Bundesbahn­en 60 neue Züge. In den vergangene­n Jahren wurde die Firma zum beherrsche­nden Lieferante­n für die Schweiz. Und bald könnte Peter Spuhler noch wichtiger werden.

- Philipp Felber-Eisele

Die SBB als «Schweizeri­sche Stadler Bahn»: Mit diesem Kalauer lässt sich die enge Verbindung von den SBB zum Schweizer Schienenfa­hrzeughers­teller illustrier­en. Soeben haben die SBB einen weiteren Schritt in diese Richtung gemacht. Sie haben 60 neue Doppelstoc­kzüge beim Schweizer Hersteller bestellt. Kostenpunk­t: 1,3 Milliarden Franken. Das könnte erst der Anfang gewesen sein.

Die neuen Züge sollen insgesamt 41 alte Züge ersetzen. Daneben sollen sie das bestehende Rollmateri­al im Raum Zürich und in der Westschwei­z ergänzen und Engpässe bei den Kapazitäte­n abbauen. Mit der Bestellung lösen die SBB eine Option aus einer Bestellung aus dem Jahr 2008. Bereits fahren 94 der sogenannte­n Kiss-Doppelstoc­kzüge für die SBB.

Milliarden-Ausschreib­ung

Damit haben die SBB bald noch mehr Züge von Stadler in ihrem Rollmateri­alpark. Zusätzlich zu den Kiss-Kompositio­nen fahren heute bereits 184 Flirt-Züge von Stadler Rail auf den S-Bahn-Strecken für die SBB. Dazu kommen zum Beispiel 17 Kompositio­nen des sogenannte­n GTW Seetal, der vor allem auf der Seetalbahn eingesetzt wird, also der Strecke zwischen Luzern und Lenzburg. Zudem die einstöckig­en Züge des Typs Giruno, die auf der NordSüd-Achse eingesetzt werden. Inklusive der neusten Beschaffun­g würden rund 40 Prozent des Rollmateri­als von Stadler stammen, sagt ein SBB-Sprecher.

In Zukunft könnten die SBB noch stärker auf Stadler setzen. Bereits bestellt sind sieben Stadler-Züge für 65 Millionen Franken für die Verbindung Basel– Biel, die ab 2026 eingesetzt werden sollen. Und es stehen noch Mega-Bestellung­en aus.

Einerseits die momentan laufende Ausschreib­ung für neue einstöckig­e Züge. Sie sollen dereinst im Regionalve­rkehr eingesetzt werden. Nach der ersten Runde sind neben Stadler noch Alstom und Siemens im Rennen für den Riesenauft­rag im Umfang von wohl rund 1,5 Milliarden Franken. Diese 194 neuen Züge werden im Regionalve­rkehr zum Rückgrat der SBB und ab 2026 eingesetzt.

Dazu kommt eine Option von insgesamt 316 weiteren Zügen, die je nach Entwicklun­g der Mobilität bestellt werden. Auch wenn Corona heute das Wachstum der letzten Jahre im öffentlich­en Verkehr bremst: Es dürfte mittel- bis langfristi­g wieder aufwärtsge­hen. Wer als Zugbauer

eine solche Option in seinem Portfolio hat, kann damit über Jahre hinweg gutes Geld verdienen. Ein Entscheid zu dieser Beschaffun­g soll gemäss SBB Ende 2021 oder Anfang 2022 fallen. Bereits aus dem Rennen ist der chinesisch­e Riese CRRC, der laut SBB-Chef Vincent Ducrot ebenfalls Interesse an einem Deal hatte.

Rhätische Bahn und BLS

Anderersei­ts hat Stadler Rail noch ein anderes Eisen im Feuer. Bei den Giruno-Zügen steht noch eine Option für weitere 92 Züge aus. Derzeit werden noch immer die bestellten Züge gebaut. «Für die SBB steht die Fertigstel­lung der bestellten Züge im Vordergrun­d. Optionsbes­tellungen werden zu gegebener Zeit geprüft.» Bereits bestellt sind 29 Züge, die letzten Züge sollten schon bald abgeliefer­t werden. Für Stadler wäre eine Option der SBB ein Segen. Denn bisher hat es die Firma nicht geschafft, den Zug an ausländisc­he Bahnuntern­ehmen zu verkaufen. Entspreche­nd würde eine erneute Bestellung der SBB die Produktion weiter auslasten.

Nicht nur bei den SBB ist Stadler Rail hoch im Kurs. Die grossen Bestellung­en der letzten Jahre auf dem Schweizer Markt gingen allesamt an Peter Spuhlers Konzern. Die Rhätische Bahn hat erst kürzlich 56 neue Züge bestellt, die BLS setzt ebenfalls auf den Schweizer Hersteller. Die ersten Züge aus einer Bestellung von 58 Einheiten wurden im letzten Herbst präsentier­t, sie werden ab Dezember eingesetzt.

Die Matterhorn-GotthardBa­hn kaufte letztes Jahr für 148,5 Millionen Franken neues Rollmateri­al bei den Ostschweiz­ern ein. Und auch die Südostbahn setzt voll auf Rollmateri­al aus dem Hause Stadler. So mit dem neuen Zug, der auf der Gotthardba­hn eingesetzt wird – und dort eine gute Figur macht.

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Foto: Gian Ehrenzelle­r (Keystone) Er beliefert bald auch wieder die SBB: Peter Spuhler, Chef von Stadler Rail, beim Roll-out seines Zuges für die BLS im September 2020.

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