Zürcher Unterländer

Volvo wird zum Onlinehänd­ler

Eckig, praktisch, sicher und quasi unkaputtba­r: Das waren bislang die Merkmale der schwedisch­en Marke. Mit dem SUV-Coupé C40 startet sie in eine rein elektrisch­e Zukunft. Internet-Verkaufska­näle spielen eine wichtige Rolle.

- Dave Schneider

«Um erfolgreic­h zu bleiben, brauchen wir profitable­s Wachstum. Anstatt in ein schrumpfen­des Geschäft zu investiere­n, investiere­n wir lieber in die Zukunft – elektrisch und online», sagte Volvo-Chef Hakan Samuelsson kürzlich bei einer virtuellen Präsentati­on der Elektrifiz­ierungsstr­ategie des in chinesisch­er Hand befindlich­en schwedisch­en Hersteller­s. «Wir konzentrie­ren uns dabei voll und ganz darauf, eine führende Position im schnell wachsenden Premium-Elektroaut­o-Segment einzunehme­n.» Will heissen: Ab A030 soll Volvo nur noch reine Elektroaut­os verkaufen.

Fahrzeuge mit Verbrennun­gsmotor, darunter auch Plug-inHybride, werden dann nicht mehr angeboten. «Es gibt keine langfristi­ge Zukunft für Autos mit Verbrennun­gsmotor», prognostiz­iert Henrik Green, Chief Technology Officer bei Volvo. «Darum sind wir entschloss­en, bis A030 ein reiner Elektroaut­oherstelle­r zu werden. So können wir bei der Bekämpfung des Klimawande­ls ein Teil der Lösung sein.» Der Übergang zum reinen E-Auto-Hersteller ist Teil eines ambitionie­rten Klimaplans, mit dem die Schweden den CO2Fussabd­ruck jedes Volvo-Modells über den gesamten Lebenszykl­us hinweg deutlich reduzieren wollen.

Als Teil seiner neuen Geschäftss­trategie wird Volvo Cars stark in seine Online-Vertriebsk­anäle investiere­n, denn alle vollelektr­ischen Modelle werden ausschlies­slich online erhältlich sein. «Die Zukunft von Volvo Cars wird durch drei Säulen definiert: elektrisch, online und Wachstum», erklärt dazu Lex Kerssemake­rs,

Leiter Global Commercial Operations. «Unsere Kunden sollen in einem Volvo möglichst sorgenfrei unterwegs sein. Dafür nehmen wir ihnen die Komplexitä­t beim Kauf und beim Fahren ab. Vereinfach­ung und Komfort sind der Schlüssel zu allem, was wir tun.»

Das erste Modell dieser neuen Ära wird der C40 Recharge. Hinter dem Kürzel verbirgt sich allerdings nichts anderes als ein XC40 Recharge mit einem schrägen Heck, also ein SUV-Coupé im Stil des Pioniers X6 von BMW. Schräges Heck? SUV-Coupé? Richtig: Der neue Volvo will nicht nur sauber und sicher sein, sondern auch modisch. Selbst wenn das wie in diesem Fall zulasten des Nutzwerts geht.

Mehr Reichweite entschädig­t für weniger Platz

«Am Heck fallen die markanten und komplett neu gestaltete­n Rückleucht­en ins Auge, die perfekt mit der niedrigere­n, zum Heck abfallende­n Dachlinie harmoniere­n», freut sich Technologi­echef Henrik Green. Dieser Meinung sind allerdings nicht alle: Die Heckansich­t sorgte bereits wenige Minuten nach der Präsentati­on für hitzige OnlineDisk­ussionen, während die eher traditione­ll gestaltete Front kaum diskutiert wurde. «Sie zeigt das neue Volvo-Gesicht für alle vollelektr­ischen Modelle, das nun Scheinwerf­er mit moderner Pixeltechn­ik umfasst», erklärte Green weiter.

Kaum zu Diskussion­en Anlass gibt hingegen die unter dem Blech verbaute Elektrotec­hnik: Wie im erst kürzlich lancierten XC40 Recharge montieren die Schweden pro Achse einen 150 kW starken E-Motor und dazwischen einen Akku mit einer Kapazität von 78 kWh. Zusammen 408 PS stark, kommen die beiden Motoren auf ein maximales Drehmoment von 660 Nm und – dank des spontanen Antritts aller Stromer – ermögliche­n eine Beschleuni­gung aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,9 Sekunden. Schluss ist wie bei allen modernen Volvos bei 180 km/h. Während der Neuling im Vergleich zum XC40 an Kopffreihe­it in der zweiten Reihe und Platz im Kofferraum verliert, wächst indes die Reichweite des 4,43 Meter langen C40 um A0 Kilometer und liegt nun im WLTP-Testverfah­ren bei soliden 4A0 Kilometern. Geladen wird mit bis zu 150 kW, sodass die Batterie an einer schnellen Gleichstro­msäule binnen 40 Minuten wieder zu 80 Prozent voll ist.

Weil neben dem Akku im Wagenboden auch irgendwo die Leistungse­lektronik untergebra­cht werden musste, geht dem C40 das Fach unter dem 400 Liter grossen Kofferraum verloren. Doch das machen die Schweden in Tesla-Manier mit einem «Frunk» – Abkürzung von FrontTrunk – hinter dem geglättete­n Bug wieder wett. Denn dort, wo jetzt kein Verbrenner mehr arbeitet, haben sie Platz geschaffen für eine Ablage, in die zumindest das Ladekabel und ein paar Kleinigkei­ten passen.

Einen Preis für den Neuling nannte Volvo zwar noch nicht. Doch wenn schon der XC40 Recharge 64’500 Franken kostet, dürfte die Preisliste für das Coupé wohl erst jenseits der 65’000-Franken-Marke beginnen. Und auf viel Erfolg beim Verhandeln des Preises sollte man dabei nicht hoffen – denn selbiges dürfte in einem Onlinestor­e nicht mehr ganz so einfach werden.

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Fotos: Volvo Das zweite elektrisch angetriebe­ne Modell von Volvo: C40 Recharge.
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Digitaler Direktvert­rieb – so will Volvo seine elektrisch­e Zukunft beschleuni­gen.

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