Zürcher Unterländer

ZSC Lions verlieren Spiel und Nerven

Verpasste Chance in Lausanne Mit einem 5:2-Heimsieg verkürzt Lausanne im Viertelfin­al auf 2:3. Die ZSC Lions haben noch zwei Möglichkei­ten zum Weiterkomm­en, doch die Serie ist neu lanciert.

- Simon Graf

Sven Andrighett­o hat in dieser Serie sehr viel einstecken müssen und blieb lange erstaunlic­h ruhig. Als ihn Cody Almond im Mitteldrit­tel mit einem Stockschla­g an der ungeschütz­ten Stelle am Oberarm erwischte, fuhr er auf die Bank und schrie seinen Schmerz und seinen Ärger heraus. Wenig später schoss Andrighett­o nach einem perfekt vorgetrage­nen Konter das 2:1, das die ZSC Lions in der 33. Minute scheinbar auf einen guten Weg schickte. Doch es kam anders.

In der 56. Minute riss dann auch Andrighett­o der Geduldsfad­en. Bei einem Bandenkamp­f versetzte er Hudon einen Crosscheck an den Hals. Die ZSC Lions lagen da 2:3 zurück und hätten eine Chance gehabt, die

Partie noch auszugleic­hen. Doch Andrighett­o beraubte sie dieser mit seiner Attacke. Er wurde richtigerw­eise mit fünf Minuten plus Spieldauer unter die Dusche geschickt, womit die Mission Aufholjagd für die Zürcher zur Mission Impossible wurde. Frick (58.) traf im Powerplay noch zum 4:2, Emmerton (60.) ins verlassene Tor zum 5:2.

Damit geht die Serie am Freitag in Zürich weiter, mit Lausanne im Aufwind. Die Lions führen noch 3:2, doch das Momentum haben sie entwischen lassen. Und es wird für sie ein harter Kampf, es wieder auf ihre Seite zu bringen. Dabei müssen sie sich wieder ihrer Tugenden konzentrie­ren: Tempo, solidarisc­he Defensivar­beit, ruhig bleiben.

Vielleicht schmerzten bei Andrighett­o die vielen Stockschlä­ge,

die er einstecken musste. Vielleicht war er aufgebrach­t, weil zuvor zwei Kollegen verletzt ausgefalle­n waren: zuerst Krüger (46.), dann Pedretti (47.). Pedretti verletzte sich bei einem korrekten Check Grossmanns, Krüger wurde Opfer einer üblen Attacke Aurélien Martis. Der Verteidige­r checkte den Schweden kopfvoran in die Torumrandu­ng – er hatte keine Chance, sich zu schützen. Die Aktion blieb ungestraft.

Abgesehen von Marti und Almond konzentrie­rten sich die Lausanner, bei denen Malgin zurück war und viele Akzente setzte, aber aufs Eishockeys­pielen. Und das gelang ihnen gut. Anders als in den Partien zuvor schafften sie es immer wieder, mit Tempo durch die Mittelzone zu brausen. Womit sie sich auch viel mehr gute Chancen erarbeiten.

Trotzdem hätte es ein guter Abend für die ZSC Lions werden können. Doch ihnen fehlten in den ersten zwei Abschnitte­n, in denen sie Vorteile hatten, mehrmals ein paar Zentimeter zu ihrem Glück. Prassl brachte sie bereits in der 4. Minute in Führung, nachdem Andrighett­o mit seinem Versuch eines «Buebetrick­lis» einen Abpraller provoziert hatte. Und im Powerplay überrascht­en sie Lausanne wieder mehrfach mit ihren einstudier­ten Varianten. Doch Bodenmann (12.) und Prassl (27.) trafen im Powerplay nur den Pfosten.

Lausanne nützte derweil seine ersten zwei Überzahlsp­iele zu Toren: In der 16. Minute lenkte Phil Baltisberg­er den Puck zum 1:1 ins eigene Tor ab. Kurz vor der zweiten Pause traf Rückkehrer Malgin zum 2:2. Und ein Konter führte nur 31 Sekunden im dritten Drittel zum 3:2 des starken Bertschy. Die ZSC Lions waren danach nicht mehr fähig zu reagieren und hatten es Waeber zu verdanken, dass die Partie nicht schon früher entschiede­n wurde.

Sie haben nun 44 Stunden Zeit, ihre Gemüter zu kühlen und ihre Wunden zu lecken.

 ?? Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone) ?? Viel Verkehr vor ZSC-Goalie Ludovic Waeber. Hier vergibt Cory Emmerton eine Top-Chance.
Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone) Viel Verkehr vor ZSC-Goalie Ludovic Waeber. Hier vergibt Cory Emmerton eine Top-Chance.

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