Be­schwer­de ge­fähr­det Hal­le

Mit ei­ner Be­schwer­de beim Kan­ton will Alt-Stadt­rat Max Rech­stei­ner den Bür­ger­ent­scheid für die Eis­hal­le der La­kers im Grün­feld in Jo­na an­nul­lie­ren. Die Stadt ha­be die Bür­ger be­wusst in die Ir­re ge­führt.

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseit­e - Va­nes­sa Mistric

Rap­pers­wil-Jo­na Die Bür­ger sei­en bei der Kos­ten­fra­ge ge­täuscht und In­for­ma­tio­nen sei­en be­wusst zu­rück­ge­hal­ten wor­den. Die­ser Mei­nung sind ei­ni­ge «be­sorg­te» Bür­ger Rap­pers­wil-Jo­nas. Ih­re Kri­tik rich­tet sich ge­gen das Bau­pro­jekt für ei­ne neue Dop­pel­hal­le im Jo­ner Grün­feld, die Ei­sund Uni­ho­ckey ver­eint. Im De­zem­ber hat die Bür­ger­ver­samm­lung ei­nen Kre­dit von je 1,5 Mil­lio­nen Fran­ken pro Ver­ein und Hal­le an­ge­nom­men. Eben­so sag­te sie Ja zu ei­nem Kre­dit von ei­ner knap­pen Mil­li­on für das Land. Nun ap­pel­liert ei­ne Grup­pe Kri­ti­ker un­ter der Lei­tung von Alt-Stadt­rat Max Rech­stei­ner an den Kan­ton, den Bür­ger­be­schluss zu an­nul­lie­ren. Denn die Stadt ha­be die Bür­ger be­wusst falsch in­for­miert. Ein Vor­wurf, den Stadt­prä­si­dent Mar­tin Stöck­ling (FDP) kon­tert.

Im De­zem­ber ju­bel­ten die Rap­pers­wil-Jo­na La­kers und Jo­naUz­nach Fla­mes. Die Ver­ei­ne wol­len für ih­ren sport­li­chen Nach­wuchs ei­ne Eis- und Uni­ho­ckey­hal­le im Grün­feld in Jo­na bau­en. Die Bür­ger von Rap­pers­wil-Jo­na ha­ben bei der letz­ten Bür­ger­ver­samm­lung am 5. De­zem­ber Geld ge­spro­chen: Mit je 1,5 Mil­lio­nen Fran­ken so­wie Bei­trä­gen an die Be­triebs­kos­ten soll die Dop­pel­hal­le un­ter­stützt wer­den.

Nun ruft der ehe­ma­li­ge Stadt­rat Max Rech­stei­ner den Kan­ton an, den Bür­ger­be­schluss auf­zu­he­ben. Im Namen von «be­sorg­ten Bür­gern von Rap­pers­wil-Jo­na» hat er ei­ne Be­schwer­de ein­ge­reicht. Wie vie­le Bür­ger hin­ter der Be­schwer­de ste­hen, ist un­klar. Rech­stei­ner war für ei­ne Aus­kunft nicht er­reich­bar.

«Un­zu­rei­chend in­for­miert»

Das Schrei­ben an den Kan­ton hat es in sich. Die Stadt ha­be die Bür­ger un­zu­rei­chend und falsch in­for­miert, heisst es dort. So sei bei­spiels­wei­se im Vor­feld der Ab­stim­mung nur die Re­de von 500 Zu­schau­er­plät­zen ge­we­sen, erst am Tag der Ab­stim­mung sei be­kannt ge­wor­den, dass je 500 Plät­ze, al­so ge­samt­haft 1000, ge­plant sei­en. «Nie­mand konn­te im Vor­feld der Bür­ger­ver­samm­lung er­ah­nen, dass die Sport­hal­len der­ar­ti­ge Zu­schau­er­auf­mär­sche ge­ne­rie­ren», schrei­ben die Be­schwer­de­füh­rer. Wil­des Par­kie­ren im Quar­tier sei auf­grund des Park­platz­man­gels pro­gram­miert. Die Stadt ha­be zu­dem fal­sche An­ga­ben zu den Kos­ten des Pro­jekts ge­macht. Die jähr­li­chen Zu­schüs­se zu den Be­triebs­kos­ten sei­en im Vor­feld der Ab­stim­mung auf ins­ge­samt ma­xi­mal 250 000 Fran­ken be­zif­fert wor­den. Am Tag der Ab­stim­mung ha­be die Stadt die Stimm­bür­ger mit dop­pelt so ho­hen Kos­ten über­rum­pelt.

Der Vor­wurf ist hap­pig. Rech­stei­ner und sei­ne Mit­strei­ter wer­fen dem Stadt­rat vor, die Bür­ger be­wusst ge­täuscht zu ha­ben. «Man wird den Ver­dacht nicht los, dass der Stadt­rat dies ge­zielt so ar­ran­giert hat», schrei­ben sie. Wenn die Kos­ten vor­her be­kannt ge­we­sen wä­ren, hät­te sich mög­li­cher­wei­se Wi­der­stand ge­bil­det – so die Spe­ku­la­ti­on.

Stadt­prä­si­dent ist ir­ri­tiert

Stadt­prä­si­dent Mar­tin Stöck­ling (FDP) re­agiert über­rascht. «Bei der Bür­ger­ver­samm­lung und in den Dis­kus­sio­nen da­vor wa­ren die Ein­wän­de noch kein The­ma.» Die Ar­gu­men­te sei­en aus sei­ner Sicht recht­lich nicht stich­hal­tig. Den Vor­wurf, die Stadt ha­be die Bür­ger mit Fal­sch­aus­sa­gen zu den Kos­ten hin­ters Licht ge­führt, weist Stöck­ling zu­rück. «Rech­net man die in Aus­sicht ge­stell­ten Be­triebs­bei­trä­ge für bei­de Hal­len – ma­xi­mal je 250000 Fran­ken – zu­sam­men, kommt man auf 500 000 Fran­ken.»

Der Stadt­rat ge­he da­von aus, dass die Kos­ten un­ter 500 000 Fran­ken aus­fal­len wür­den. «Die­se Zah­len ha­ben wir bei der Bür­ger­ver­samm­lung trans­pa­rent kom­mu­ni­ziert.» Der kon­kre­te Bei­trag muss laut Stöck­ling zu­dem je­des Jahr im Rah­men des Bud­gets be­wil­ligt wer­den.

Auch die Zahl der Sitz­plät­ze in den bei­den Hal­len sei vor­gän­gig klar kom­mu­ni­ziert wor­den, sagt Stöck­ling. «Nie­mand wur­de über­rum­pelt. Die Bür­ger ha­ben sich in vol­lem Be­wusst­sein um die Kon­se­quen­zen ent­schie­den.» Auf die Ar­gu­men­te zum Park­platz­man­gel geht er nicht ein. «Das wird Ge­gen­stand des Bau­be­wil­li­gungs­ver­fah­rens sein.»

Stöck­ling übt sei­ner­seits Kri­tik an Max Rech­stei­ner und den an­de­ren Be­schwer­de­füh­rern. «Man kann ei­nen Bür­ger­ent­scheid nicht im Nach­hin­ein auf dem Rechts­weg kor­ri­gie­ren, nur weil er ei­nem po­li­tisch nicht passt. Das hal­te ich für ein schwie­ri­ges po­li­ti­sches Ver­ständ­nis.» Der Ent­schluss sei fast ein­stim­mig ge­fällt wor­den. Auf et­wa 800 Ja-Stim­men ha­be er et­wa fünf Ge­gen­stim­men ge­zählt.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.