Die Fuss­bal­ler kön­nen end­lich wie­der spie­len

Meh­re­re Sport­ver­ei­ne ha­ben das Trai­ning nach zwei Mo­na­ten Zwangs­pau­se wie­der auf­ge­nom­men. Es ist aber nichts mehr wie vor der Co­ro­na-Kri­se.

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseit­e - Da­nie­la Haag

Zur Be­grüs­sung auf dem Fuss­ball­ra­sen gibt es vom Trai­ner ei­ne Sprüh­do­sis Des­in­fek­ti­ons­mit­tel in die Hand statt des üb­li­chen freund­schaft­li­chen Hand­shake. Statt aufs Tor zu stür­men, Zwei­kämp­fe aus­zu­tra­gen und Kopf­bäl­le zu üben, drib­beln die Ju­nio­ren jetzt brav Bäl­le über das Feld. Wie der Nach­wuchs des FC Kilch­berg-Rüsch­li­kon müs­sen auch an­de­re Sport­ler und Ath­le­tin­nen die Hy­gie­neund Dis­tanz­vor­schrif­ten des Bun­des ein­hal­ten, um trai­nie­ren zu kön­nen.

Die Sport­ver­ei­ne und die Ver­bän­de ha­ben kei­nen Auf­wand ge­scheut, um ein Schutz­kon­zept zu er­stel­len und die­ses ein­zu­hal­ten. Denn ob­wohl sie das Trai­ning nicht wie frü­her ge­stal­ten kön­nen, freu­en sich vie­le Ver­eins­mit­glie­der, wie­der mit den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen zu­sam­men

Sport trei­ben zu kön­nen. Wie schla­gen die Vol­ley­bal­le­rin­nen jetzt die Bäl­le übers Netz und wie er­kämp­fen sich die Was­ser­bal­ler jetzt die To­re? Die Re­dak­ti­on hat Sport­ver­ei­ne auf dem Ra­sen, in der Sport­hal­le und dem Schwimm­bad beim ers­ten Trai­ning be­sucht.

Fuss­ball, Vol­ley­ball, Was­ser­ball: Seit knapp zwei Wo­chen wird auf den Spiel­fel­dern und in den Be­cken wie­der Sport ge­trie­ben. Je­doch ist nichts mehr wie vor der Co­ro­na-Kri­se. Be­su­che bei den Ju­nio­ren vom FC Kilch­berg-Rüsch­li­kon, den Was­ser­bal­lern von Aquastar Küs­nacht/Zol­li­kon so­wie den Da­men des Vol­ley­ball­clubs Tor­na­do Ad­lis­wil zei­gen, wie stark die Trai­nings­be­trie­be von De­sin fek­ti­ons­mit­tel und Si­cher­heits­ab­stän­den ge­prägt sind. Dar­un­ter ist ein es­sen­zi­el­les Ge­fühl in Ge­fahr: die Freu­de am Sport.

Erst beim Lat­ten­schies­sen am Schluss des Trai­nings blü­hen sie auf, die E-Ju­nio­ren des FC Kilch­berg-Rüsch­li­kon, die an die­sem frü­hen Di­ens­tag­abend auf dem Kun­st­ra­sen der Hoch­weid in Kilch­berg ste­hen. Seit zwei­ein­halb Mo­na­ten ha­ben die Nach­wuchs­fuss­bal­ler nicht mehr trai­nie­ren dür­fen. Nun, da ein wö­chent­li­ches Trai­ning un­ter Be­rück­sich­ti­gung di­ver­ser Mass­nah­men wie­der drin liegt, müs­sen sich die Spie­ler des Clubs vor­wie­gend mit Tech­nik­drills be­gnü­gen.

«Ich ha­be mich sehr auf das Trai­ning ge­freut», sagt Ma­xi im ro­sa­far­be­nen Man­ches­ter-Uni­ted-Tri­kot. Aber: Das Trai­ning sei schon lang­wei­li­ger als vor der Co­ro­na-Zeit. Denn es sei das «Mät­cheln», das am meis­ten Spass ma­che, und das fal­le nun weg. Aus­ser­dem hat Ma­xi sei­ne Trink­fla­sche zu Hau­se ver­ges­sen, ob­wohl Trai­ner Sacha Hun­ter mehr­mals ge­sagt hat, dass je­der Spie­ler sei­ne ei­ge­ne Fla­sche mit­brin­gen müs­se. Dem Brun­nen in der Nä­he ist näm­lich kein Trop­fen zu ent­lo­cken, und Fla­schen tei­len ist der­zeit un­vor­stell­bar.

«Beim nächs­ten Mal musst du nach Hau­se»

Die Trai­ner der Ec-Ju­nio­ren – der Ver­ein hat sechs Mann­schaf­ten mit E-Ju­nio­ren – sind dies­be­züg­lich sehr streng. Hun­ter weist sei­ne As­sis­tenz­trai­ner Ni­co Grand und Ste­phan Mül­ler ei­ne hal­be St­un­de vor Trai­nings­be­ginn noch­mals auf die Re­geln hin. Mehr­mals ha­be man die­se den Ju­nio­ren be­kannt ge­ge­ben und auch ge­warnt: Wer nicht ein­ver­stan­den ist, darf nicht trai­nie­ren.

Nur drei El­tern­paa­re ha­ben ih­re Kin­der vor­erst zu Hau­se be­hal­ten. Vier­zehn Ju­nio­ren ha­ben sich an­ge­mel­det.

«Ihr dürft nichts mit den Hän­den be­rüh­ren», sagt Hun­ter, «we­der den Ball noch die To­re und auf kei­nen Fall ei­nen an­de­ren Spie­ler.» Die Ju­nio­ren hal­ten sich an die Re­geln – sie schei­nen die­se be­reits ge­wohnt zu sein. Ei­ne für die Co­ro­na-Zeit brenz­li­ge Si­tua­ti­on ent­steht nur ein­mal, als ei­ner der Spie­ler auf ei­nen Steil­pass in den Straf­raum hin dem Tor­hü­ter et­was na­he kommt. Die De­vi­se der Trai­ner ist klar: «Beim nächs­ten Mal musst du nach Hau­se.»

Dro­hen­de Lie­ge­stüt­zen rüt­teln wach

In Grup­pen ha­ben sich die Fuss­bal­ler über den gan­zen Platz ver­teilt. Sie ma­chen bei den Übun­gen – Dop­pel­päs­se, Ball­ab­nah­me aus der Luft, Dribb­ling – zwar mit, aber je län­ger, des­to trä­ger. Hie und da ver­su­chen die drei Trai­ner des­halb, ei­nen Wett­kampfas­pekt in die tro­cke­nen Drills ein­zu­bau­en. Dro­hen­de Lie­ge­stüt­zen rüt­teln die 10- und 11-Jäh­ri­gen je­weils wach. Das Lat­ten­schies­sen – es gilt die To­r­um­ran­dung zu tref­fen – run­det das Trai­ning nach ein­ein­halb St­un­den ab.

Hun­ter, Grand und Mül­ler sind zu­frie­den, denn ih­re Schütz­lin­ge hät­ten sich «über­ra­schend gut» an die Re­geln ge­hal­ten. Es ist ih­nen aber be­wusst, dass sich die Mo­ti­va­ti­on so nicht mo­na­te­lang hoch­hal­ten lässt. Dies be­stä­ti­gen die bei­den Ki­cker Ab­dul­lah und Ya­nick ein­stim­mig: «Drei bis vier Wo­chen hal­ten wir es aus, aber dann wol­len wir wie­der Mätch­li spie­len.»

Fo­to: Ma­nue­la Matt

Im Gleich­schritt und auf Ab­stand: So se­hen zur­zeit die Fuss­ball­trai­nings des FC Kilch­berg-Rüsch­li­kon aus.

Fo­tos: Ma­nue­la Matt

Ge­nü­gend Ab­stand ist zen­tral: Das ers­te Fuss­ball­trai­ning der E-Ju­nio­ren des FC Kilch­berg-Rüsch­li­kon nach dem Lock­down.

As­sis­tenz­trai­ner Ni­co Grand emp­fängt die Spie­ler beim Ein­gangs­tor.

Des­in­fek­ti­ons­mit­tel ge­hört nun wie der Ball zur Stan­dard­aus­rüs­tung.

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