Viel Ar­beit für Ve­lo­händ­ler

Das Fahr­rad er­lebt gera­de ei­nen Boom. Das zeigt sich auch in den Ve­lo­ge­schäf­ten der Re­gi­on. Sie kom­men mit Re­pa­rie­ren und Ver­kau­fen kaum mehr nach.

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseit­e - Do­ro­thea Uckel­mann

Fahr­rad-Boom In Städ­ten, Dör­fern und Er­ho­lungs­ge­bie­ten – über­all fällt es auf: Vie­le Men­schen ha­ben in der Co­ro­na-Zeit Velo­fah­ren als Frei­zeit­ak­ti­vi­tät wie­der­ent­deckt. Die­sen Ein­druck be­stä­ti­gen lo­ka­le Ve­lo­händ­ler. Ih­re Auf­trags­bü­cher sei­en über­voll, sa­gen drei Ge­schäf­te aus Rich­ters­wil, Ad­lis­wil und Stä­fa ge­gen­über die­ser Zei­tung. Ei­ner­seits ha­be es «ei­ne La­wi­ne an Re­pa­ra­tur­auf­trä­gen» ge­ge­ben, an­de­rer­seits sei auch das Kauf­in­ter­es­se der Kun­den sehr hoch. Dass zu­vor so man­cher schon lan­ge nicht mehr Fahr­rad ge­fah­ren sei, zei­ge sich am Zu­stand der Fahr­rä­der, die zur Re­pa­ra­tur ge­bracht wer­den.

Sich in den Sat­tel schwin­gen und in die Pe­da­le tre­ten: Velo­fah­ren scheint die­sen Früh­ling ein be­son­ders be­lieb­tes Hob­by ge­wor­den zu sein. Wie ei­ne ETH-Stu­die zeigt, wird in der Schweiz seit dem Lock­down mehr Fahr­rad ge­fah­ren. Das be­kom­men auch Ve­lo­händ­ler in der Re­gi­on zu spü­ren. Zum Bei­spiel Ruedi Reich­muth, In­ha­ber der Ve­lo Reich­muth AG in Rich­ters­wil.

Er und sein Team könn­ten die Nach­fra­ge der Kun­den kaum noch be­wäl­ti­gen, sagt Reich­muth. «Wir muss­ten be­reits un­se­re Öff­nungs­zei­ten an­pas­sen und ha­ben jetzt nur noch am Nach­mit­tag of­fen.» Da­bei ha­be er nach dem Lock­down erst mal leer ge­schluckt, als er sein Ge­schäft schlies­sen und sei­ne gros­se Früh­lings­aus­stel­lung ab­sa­gen muss­te. «Doch dann sind die Re­pa­ra­tur­auf­trä­ge wie ei­ne La­wi­ne ge­kom­men», sagt Reich­muth.

Ur­al­te Fahr­rä­der fli­cken

Um mo­bil zu blei­ben, sei­en vie­le Leu­te auf das Ve­lo um­ge­stie­gen. «Wenn mehr Per­so­nen mit dem Ve­lo un­ter­wegs sind, kommt es auch öf­ter mal zu ei­nem Plat­ten, oder es geht et­was ka­putt.» Selbst ur­al­te Fahr­rä­der brin­gen die Kun­den zum Fli­cken. Ei­ne Kun­din ha­be das al­te Ve­lo ih­res ver­stor­be­nen Va­ters ge­bracht, an dem sie sehr hän­ge. «Ei­ne Re­pa­ra­tur hat sich da ei­gent­lich nicht mehr ge­lohnt», sagt der Ve­lo­me­cha­ni­ker. Zu­mal die War­te­zei­ten fünf bis zehn Ta­ge be­tra­gen.

Doch auch vie­le neue Fahr­rä­der, ins­be­son­de­re E-Bi­kes, wur­den wäh­rend des Lock­down via On­li­ne­shop ver­kauft. Nach den Lo­cke­run­gen sind nun mit den nö­ti­gen Schutz­mass­nah­men auch wie­der Be­ra­tung und Ver­kauf im Ge­schäft mög­lich. «Vie­le Kun­den ge­stal­ten nun ih­re

Frei­zeit an­ders, und Pend­ler fah­ren lie­ber mit dem Fahr­rad als mit dem öf­fent­li­chen Ver­kehr», weiss Reich­muth von den Kun­den. Letz­te Wo­che sei­en ihm die Ju­gend­fahr­rä­der förm­lich aus der Hand ge­ris­sen wor­den. Und auch sonst ge­be es nur noch we­nig Aus­wahl. Nach­be­stel­lun­gen sei­en frü­hes­tens ab dem Spät­som­mer mög­lich, da auch die Im­por­teu­re aus­ver­kauft sei­en.

Auch bei Adri­an Blechschmi­dt, In­ha­ber des Ge­schäfts Ve­lo-Ue­li

in Ad­lis­wil, kön­nen In­ter­es­sier­te nur noch zwi­schen we­ni­gen Mo­del­len wäh­len. «Da­für sind die Kun­den ent­schei­dungs­freu­di­ger und grei­fen auch mal et­was tie­fer in die Ta­sche», stellt Blechschmi­dt fest. Be­son­ders be­liebt sei­en die E-Bi­kes. Und frü­he­re E-Bi­ke-Käu­fer neh­men nun ihr Recht auf Er­satz­bikes in An­spruch, wenn ihr Ve­lo in Re­pa­ra­tur ist. «Doch so vie­le Er­satz­ve­los, um die der­zei­ti­ge Nach­fra­ge zu de­cken, ha­be ich gar nicht», sagt Blechschmi­dt und fügt hin­zu: «Je­der möch­te jetzt Ve­lo fah­ren, und das so schnell wie mög­lich.»

Mit den Auf­trä­gen kommt er kaum hin­ter­her und nutzt den bis­her frei­en Mon­tag für die ad­mi­nis­tra­ti­ve Ar­beit. Dass Leu­te um­sat­teln, merkt er vor al­lem am Ver­kauf der Schläu­che für 26-Zoll-Rä­der. Die­se Rad­grös­se ist bei Bi­kes seit Jah­ren ver­al­tet, doch in­ner­halb der letz­ten drei Wo­chen ha­be er 30 Schläu­che ver­kauft. So vie­le wie sonst in ei­nem gan­zen Jahr. Ei­ni­ge Ve­los, die ihm zur Re­pa­ra­tur ge­bracht wur­den, hät­ten das En­de ih­rer Le­bens­dau­er be­reits er­reicht und auch so man­cher Helm.

Pro­be­fahrt war un­mög­lich

Über­rannt wird der­zeit auch die

Mar­tens Sport Gm­bH in Stä­fa. In­ha­ber Her­mann Mar­tens ver­kauft der­zeit haupt­säch­lich E-Bi­kes. Ge­fragt sei­en aber auch Ju­gend­und Renn­ve­los. «Zu uns kom­men vie­le Kun­den, die be­reits vor dem Lock­down ein Fahr­rad kau­fen woll­ten, den Kauf aber auf­ge­scho­ben ha­ben, weil die Pro­be­fahrt nicht mög­lich war», sagt Mar­tens. Zwar ha­be er die gan­ze Zeit auch on­line Ve­los ver­kauft, den­noch sei der Um­satz ein­ge­bro­chen. Um­so mehr freue es ihn nun, von den Kun­den zu hö­ren, dass sie lie­ber das lo­ka­le Ge­wer­be un­ter­stüt­zen, als im In­ter­net zu be­stel­len. Dies trotz der Ein­schrän­kun­gen durch die Hy­gie­ne­mass­nah­men.

Fo­to: Micha­el Trost

Velo­fah­ren ist in die­sem Früh­ling we­gen der Co­ro­na-Kri­se noch be­lieb­ter ge­wor­den. Die Kun­den stür­men die Ve­lo­ge­schäf­te.

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