Pas­se­rel­le kommt erst nächs­tes Jahr

Die Fuss­gän­ger­über­füh­rung beim See­güet­li wird im Herbst und Win­ter ge­baut. Die Mon­ta­ge über die viel be­fah­re­ne Bahn­li­nie ist ei­ne Her­aus­for­de­rung.

Zürichsee-Zeitung (Horgen) - - Vorderseit­e -

Hor­gen Der Zeit­plan für den Bau der Fuss­gän­ger­pas­se­rel­le beim Bahn­über­gang See­güet­li im Horg­ner Orts­teil Käpf­nach steht in gro­ben Zü­gen fest. Die Brü­cke wird im Herbst und Win­ter ge­baut und soll nächs­ten Som­mer der Be­völ­ke­rung zur Ver­fü­gung ste­hen, wie der Ge­mein­de­rat schreibt. Das be­deu­tet ein Jahr Ver­zö­ge­rung auf den ur­sprüng­li­chen Fahr­plan.

Die Ver­bin­dung vom See zur See­stras­se ist im Som­mer ein Na­del­öhr. Die Bahn­schran­ken sind oft lan­ge ge­schlos­sen und Schwimm­bad­gäs­te, Spa­zier­gän­ger und Fahr­zeu­ge stau­en sich vor dem schma­len Über­gang. Ei­ne Fuss­gän­ger­pas­se­rel­le soll Ab­hil­fe schaf­fen. Die Stimm­be­rech­tig­ten ge­neh­mig­ten das Pro­jekt und den Kre­dit da­für letz­tes Jahr. In die­sem Som­mer hät­te sie ur­sprüng­lich be­reits ge­baut sein sol­len. Doch zwei An­woh­ner ha­ben den Baustart mit ei­nem Re­kurs ver­zö­gert. Da sie die­sen in­zwi­schen zu­rück­ge­zo­gen ha­ben, geht es nun vor­wärts. Al­ler­dings gibt es bei der Aus­füh­rung noch ei­ni­ge Knack­nüs­se zu lö­sen.

Es geht vor­wärts mit der ge­plan­ten Pas­se­rel­le über die Bahn­li­nie beim See­güet­li. Nächs­ten Win­ter soll sie ge­baut wer­den. Die Ge­mein­de Hor­gen rech­net da­mit, dass sie im Som­mer 2021 zur Ver­fü­gung steht. Das be­deu­tet ein Jahr Ver­spä­tung auf den ur­sprüng­li­chen Zeit­plan.

Ei­gent­lich hät­te die Fuss­gän­ger­pas­se­rel­le schon in die­sem Som­mer ge­baut sein sol­len. Die Stimm­be­rech­tig­ten be­wil­lig­ten vor ei­nem Jahr an der Ur­ne den Bau der Pas­se­rel­le und den Kre­dit von 3,2 Mil­lio­nen Fran­ken. Dar­auf­hin leg­te die Ge­mein­de das Pas­se­rel­len-Pro­jekt öf­fent­lich auf, wie es das Stras­sen­ge­setz vor­sieht. In­ner­halb der Auf­la­ge­frist kön­nen Ein­spra­chen ein­ge­reicht wer­den. Die­se Mög­lich­keit nutz­ten auch prompt zwei An­woh­ner. Der Ge­mein­de­rat wies ih­re Ein­spra­che je­doch ab und setz­te das Pro­jekt fest.

Die An­woh­ner ga­ben sich da­mit aber nicht zu­frie­den. Sie reich­ten im Herbst Re­kurs beim Bau­re­kurs­ge­richt ein. Ih­nen war ins­be­son­de­re die Li­ni­en­füh­rung der Brü­cke ein Dorn im Au­ge, wie der Ge­mein­de­rat da­mals zur Aus­kunft gab. Die Re­kur­ren­ten kri­ti­sier­ten, die Pas­se­rel­le kä­me zu na­he an ih­rem Ge­bäu­de zu­stan­de. Sie be­fürch­te­ten ei­ne Wert­min­de­rung ih­rer Lie­gen­schaft. Laut dem Ge­mein­de­rat lässt sich die La­ge der Z-för­mi­gen Brü­cke aber nicht ein­fach ver­än­dern. Sie müss­te noch­mals ge­plant und es müss­te über ein neu­es Pro­jekt ab­ge­stimmt wer­den. Es ge­be aber kaum sinn­vol­le Al­ter­na­ti­ven.

Au­gen­schein vor Ort

Da­von ha­ben sich die Re­kur­ren­ten nun of­fen­bar über­zeu­gen las­sen. Sie ha­ben ih­ren Re­kurs zu­rück­ge­zo­gen, wie die Ge­mein­de mit­teilt. Die­sen Schritt mach­ten sie, nach­dem das Bau­re­kurs­ge­richt mit al­len Be­tei­lig­ten ei­nen Au­gen­schein durch­ge­führt hat­te. Das Pro­jekt «Neu­bau Pas­se­rel­le See­güet­li» ist in­zwi­schen rechts­kräf­tig.

Die Fuss­gän­ger­brü­cke wird die See­stras­se mit der Grün­an­la­ge

See­güet­li ver­bin­den. Ganz in der Nä­he liegt auch das Sport­bad Käpf­nach. Der Bahn­über­gang ist heu­te ein Na­del­öhr. Be­son­ders wäh­rend der Ba­de­sai­son stau­en sich vor dem Über­gang Fahr­zeu­ge und Fuss­gän­ger. Die Bar­rie­ren sind oft und lan­ge ge­schlos­sen. Es kommt zu War­te­zei­ten von bis zu 20 Mi­nu­ten.

Er sei er­leich­tert, dass die Pas­se­rel­le jetzt ge­baut wer­den kön­ne, sagt Hor­gens Tief­bau­vor­ste­her und Ge­mein­de­rat Mar­kus Uhl­mann (GLP). Er woh­ne im Orts­teil Käpf­nach und ken­ne die Si­tua­ti­on beim Bahn­über­gang gut. Mit dem jet­zi­gen Zu­stand ha­be er be­züg­lich Per­so­nen­si­cher­heit ein schlech­tes Ge­fühl. So kommt es vor, dass Pas­san­ten die Ge­duld vor der ge­schlos­se­nen Bar­rie­re ver­lie­ren und die Glei­se trotz­dem über­que­ren. Es kann aber auch zu ge­fähr­li­chen Rück­staus beim Na­del­öhr kom­men. Ei­ne Au­to­len­ke­rin war im Som­mer vor drei Jah­ren um Haa­res­brei­te ei­ner Kol­li­si­on mit dem Zug ent­gan­gen, als sie we­gen der vie­len Fuss­gän­ger nicht mehr wei­ter­kam und auf den Glei­sen fest­steck­te, als sich die Bar­rie­ren senk­ten. Sie konn­te sich ret­ten, in­dem sie mit dem Au­to durch die ge­schlos­se­ne Bahn­schran­ke brach.

Mehr­stün­di­ge Nacht­übung

Wann ge­nau die Fuss­gän­ger­pas­se­rel­le ge­baut wird, steht noch nicht fest. Die Ar­bei­ten müs­sen mit den SBB ab­ge­stimmt wer­den. Ge­wis­se Ar­bei­ten kön­nen nur aus­ge­führt wer­den, wenn kei­ne Zü­ge das See­güet­li pas­sie­ren. Da­für müs­sen die SBB die Stre­cke un­ter­bre­chen. Ei­ne Stre­cken­sper­rung al­lei­ne für den Bau der Horg­ner Fuss­gän­ger­über­que­rung

kä­me die Ge­mein­de aber zu teu­er zu ste­hen, sagt Mar­kus Uhl­mann. Des­halb muss ein Zeit­fens­ter fi­xiert wer­den, in dem die SBB eben­falls bau­en und die Stre­cke oh­ne­hin ge­schlos­sen ist. Das gilt ins­be­son­de­re, wenn die que­ren­de Brü­cke auf die Trä­ger mon­tiert wird. Das wer­de ei­ne mehr­stün­di­ge Nacht­übung.

Mit dem Rück­zug des Re­kur­ses geht ei­ne lang­jäh­ri­ge Lei­dens­ge­schich­te zu En­de. Seit 2004 such­te die Ge­mein­de ein mehr­heits­fä­hi­ges Pro­jekt, mit dem der Bahn­über­gang beim See­güet­li für Fuss­gän­ger schnel­ler über­quer­bar wird. Frü­he­re Pro­jek­te schei­ter­ten aus ver­schie­de­nen Grün­den. Das ak­tu­el­le Pro­jekt wur­de an der Ur­ne deut­lich an­ge­nom­men, stiess aber im Vor­feld eben­falls auf Kri­tik, nicht nur bei den An­woh­nern. Mo­niert wur­den die Bau­kos­ten und dass die Ram­pe für Per­so­nen im Roll­stuhl nicht al­lein zu be­wäl­ti­gen sei.

Da­nie­la Haag

Ar­chiv­fo­to: Ste­ve Sprin­ger

Ein Re­kurs aus der An­woh­ner­schaft hat den Bau ei­ner Fuss­gän­ger­über­füh­rung um ein Jahr ver­zö­gert.

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