Zu­mi­ker be­fin­den über Kre­dit für Frei­zeit­zen­trum

Ei­ne Idee für ein Frei­zeit­an­ge­bot ent­wi­ckeln und da­bei von Fach­leu­ten un­ter­stützt wer­den: Das ist das Kon­zept des Frei­zeit­zen­trums Zu­mi­kon. Am Sams­tag fei­ert es sein 40-Jahr-Ju­bi­lä­um.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseit­e - Andrea Bau­mann

91 Leu­te wa­ren zu­ge­gen, als der Ver­ein Zu­mi­ker Frei­zeit­zen­trum 1979 ge­grün­det wur­de. Seit­her wird das Zen­trum von der po­li­ti­schen Ge­mein­de mit ei­nem jähr­li­chen Kre­dit von 385 000 Fran­ken un­ter­stützt. Aus­ser­dem stellt sie dem Ver­ein die Rä­um­lich­kei­ten des Zu­mi­ker-Treffs so­wie die Holz- und Ke­ra­mik­werk­statt am Dorf­platz zur Ver­fü­gung. Am 24. Sep­tem­ber ent­schei­den die Stimm­bür­ge­rin­nen und Stimm­bür­ger an der Ge­mein­de­ver­samm­lung, ob der jähr­lich wie­der­keh­ren­de Be­triebs­bei­trag für das Frei­zeit­zen­trum auch wei­ter­hin aus­be­zahlt wer­den soll. Vor­her ze­le­briert der Ver­ein sein 40-Jahr-Ju­bi­lä­um. Die­sen Sams­tag ist die Öf­fent­lich­keit ein­ge­la­den, mit den Ver­ant­wort­li­chen zu fei­ern. Auf dem Pro­gramm ste­hen ver­schie­de­ne Ak­ti­vi­tä­ten. Dar­un­ter der Bau ei­ner rie­si­gen Chü­ge­li­bahn aus Holz, Ton, Stoff, Ku­geln und Schrau­ben auf dem Dorf­platz. Im Ge­spräch mit die­ser Zei­tung er­zäh­len Den­nis Pa­del, Lei­ter des Frei­zeit­zen­trums, und Bri­git­te Clé­nin He­ring, Prä­si­den­tin des Ver­eins, was sich in den letz­ten 40 Jah­ren ver­än­dert hat.

Sit­zungs­pro­to­kol­le gel­ten sel­ten als fes­seln­de Lek­tü­re. Zu Un­recht. «Das glaubt man fast nicht», stellt Bri­git­te Clé­nin He­ring fest, «wenn man das heu­te liest.» Da­mit meint sie, Prä­si­den­tin des Ver­eins Frei­zeit­zen­trums Zu­mi­kon, das Pro­to­koll der zwei­ten Vor­stands­sit­zung von 1982. Da hät­ten Ju­gend­li­che zu­vor ei­ne Un­ter­schrif­ten­samm­lung lan­ciert. «Sie ha­ben ein ab­so­lu­tes Al­ko­hol­ver­bot für das Frei­zeit­zen­trum ge­for­dert.» Aber das sei ei­ni­gen Er­wach­se­nen dann doch zu strikt ge­we­sen. Al­so ha­be man ab­ge­stimmt – mit ei­nem kla­ren Re­sul­tat für die Ju­gend­li­chen.

«Das muss man sich heut­zu­ta­ge vor­stel­len», sagt Clé­nin. Noch da­zu, da sich das Frei­zeit­zen­trum vor al­lem auch an Ju­gend­li­che rich­ten soll­te. Und um­so mehr, da die Zei­ten be­weg­te wa­ren: In Zü­rich präg­te die ers­te of­fe­ne Dro­gen­sze­ne das Stadt­bild. 1979 wur­de der Ver­ein Zu­mi­ker Frei­zeit­zen­trum ge­grün­det. Die run­de An­zahl Jah­re seit­dem sind der Grund, war­um Clé­nin die al­ten Pro­to­kol­le her­vor­ge­holt hat: Zur Vor­be­rei­tung des Ju­bi­lä­ums­fests kom­men­den Sams­tag hat sie sich mit den Wur­zeln des Ge­fei­er­ten ge­nau­er be­fasst.

In­ter­es­se für Grün­dung

Das Haupt­ge­bäu­de des Frei­zeit­zen­trums ist seit 2016 der Zu­mi­ker-Treff. Wer das ehe­ma­li­ge Ge­mein­de­haus an der Dorf­stras­se be­tritt, nimmt als Ers­tes vi­el­leicht an­ge­reg­te Ge­sprä­che wahr, Kin­der­la­chen und Ge­schirr­klap­pern. Oder ei­ne Grup­pe tur­nen­der Se­nio­ren hin­ter ei­ner Glas­tür. Vi­el­leicht aber auch die mit Kurs­aus­schrei­bun­gen voll­ge­häng­te Wand – und über­haupt, dass al­les hier recht neu und un­ver­staubt wirkt.

Die­se Din­ge ver­deut­li­chen denn auch, was das Frei­zeit­zen­trum, un­ter an­de­rem, heu­te aus­macht: ein von Frei­wil­li­gen be­trie­be­nes Ca­fé. Ein viel­fäl­ti­ges An­ge­bot an Frei­zeit­kur­sen von Ita­lie­nisch-Kon­ver­sa­ti­on über Fel­den­krais zu Kin­der­ka­ra­te. Ein Haus, in dem Jung und Alt, Ein­ge­ses­se­ne und Zu­ge­zo­ge­ne für ei­ne leb­haf­te Stim­mung sor­gen. Das «an­de­re» sind die Ke­ra­mikund Holz­werk­stät­ten am Dorf­platz, die Ju­gend­ar­beit oder die Ga­le­rie Milch­hüt­te.

Breit ak­zep­tiert

Viel­fäl­tig und le­ben­dig muss man sich auch die Grün­dungs­ver­samm­lung vor 40 Jah­ren vor­stel­len. «91 Leu­te wa­ren da­bei», sagt Clé­nin. Ei­ne Zahl, die von der da­ma­li­gen Auf­bruchs­stim­mung zeugt. Die­se wie­der­um ist durch die Plä­ne für den Zu­mi­ker Dorf­platz ge­nährt wor­den. 1980 ist er in der heu­ti­gen Form ent­stan­den. Das hat mit dem Ver­ein – da­mals noch Ju­gend und Frei­zeit be­nannt – in­so­fern zu tun, als dass die­ser bis zum Um­zug an den ak­tu­el­len Stand­ort eben am neu­en Dorf­platz lo­ka­li­siert war.

Dar­über, dass es das An­ge­bot über­haupt brauch­te, ha­be un­ter den ver­schie­de­nen Ak­teu­ren in der Ge­mein­de von An­fang an Ei­nig­keit ge­herrscht, sagt Zen­trums­lei­ter Den­nis Pa­del. So un­ter­stüt­zen die po­li­ti­sche und die bei­den Kirch­ge­mein­den das Zen­trum seit­dem mit ei­nem jähr­li­chen Kre­dit. «Es gab da­mals schlicht zu we­nig Frei­zeit­mög­lich­kei­ten für Ju­gend­li­che», er­klärt Pa­del. Da­mit die­se nicht in Zü­rich ihr Ver­gnü­gen such­ten – Stich­wort Dro­gen­sze­ne –, ha­be man ih­nen im Dorf et­was bie­ten wol­len. Und das kam an. «Von An­fang an war die Nach­fra­ge gross», sagt der Zen­trums­lei­ter, «auch am Er­wach­se­nen­an­ge­bot.»

Be­nut­zer brin­gen Ide­en

Ge­än­dert ha­ben sich in­des die Struk­tu­ren. «Frü­her wur­de der Be­trieb qua­si von Eh­ren­amt­li­chen ge­führt», er­klärt Pa­del. Die­se hät­ten als Hilfs­lei­ter die Be­su­cher in­stru­iert, et­wa in der Hol­zo­der Ke­ra­mik­werk­statt, oder den Ju­gend­li­chen bei der Durch­füh­rung von Dis­co­aben­den und an­de­ren An­läs­sen ge­hol­fen. Doch mit der Zeit sei das frei­wil­li­ge En­ga­ge­ment zu­rück­ge­gan­gen, und man ha­be die Lei­ter­stel­len im Ju­gend- und Werk­statt­be­reich pro­fes­sio­na­li­siert.

Bei den an­de­ren An­ge­bo­ten des Frei­zeit­zen­trums sei im­mer mehr der par­ti­zi­pa­ti­ve An­satz auf­ge­kom­men, sagt Pa­del. Das heisst: Frei­wil­li­ge brin­gen Ide­en für An­ge­bo­te; das Team des Frei­zeit­zen­trums be­rät sie bei der Um­set­zung, über­nimmt ad­mi­nis­tra­ti­ve Auf­ga­ben oder stellt Räu­me be­reit.

Auch bei den Pro­jek­ten mit Ju­gend­li­chen ist das Par­ti­zi­pa­ti­ve wich­tig. Eben­so hat sich das Kurs­we­sen ver­än­dert. Frü­her hat der Ver­ein die Kurs­lei­ter an­ge­stellt; seit 2013 ar­bei­ten die­se selbst­stän­dig. «Wir schau­en nur, ob ihr An­ge­bot zu uns passt, und stel­len ge­gen ei­ne Ge­winn­be­tei­li­gung die In­fra­struk­tur zur Ver­fü­gung», er­klärt Pa­del. Da­durch sei das Kurs­an­ge­bot brei­ter ge­wor­den. «Künf­tig wol­len wir nun noch sicht­ba­rer auf­tre­ten», sagt Clé­nin, «vor al­lem für Neu­zu­zü­ger.»

Fo­to: Ma­nue­la Matt

Den­nis Pa­del, Lei­ter des Frei­zeit­zen­trums Zu­mi­kon, und Prä­si­den­tin Bri­git­te Clé­nin He­ring im Ein­gang des al­ten Ge­mein­de­hau­ses und heu­ti­gen Zu­mi­ker-Treffs.

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