Mei­le­mer sa­gen trotz Kri­tik Ja zu neu­er Sied­lung

Am Dor­f­rand ent­steht ei­ne Über­bau­ung mit 120 ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nun­gen. Die Ge­mein­de­ver­samm­lung sag­te Ja zum Bau­rechts­ver­trag mit ei­ner Stif­tung.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseit­e - Mi­chel Wenz­ler

Ei­ne Initia­ti­ve, die das Pro­jekt zu bo­di­gen droh­te, ein Rück­wei­sungs­an­trag so­wie ein An­trag auf Ur­nen­ab­stim­mung: Das Pro­jekt für 120 neue Woh­nun­gen in der Weid ganz im Os­ten von Mei­len muss­te an der Ge­mein­de­ver­samm­lung vom Mon­tag ei­ni­ge Hür­den neh­men. Trotz Wi­der­stand stimm­te aber die grosse Mehr­heit der 672 an­we­sen­den Stimm­be­rech­tig­ten spät­abends Ja zum Bau­rechts­ver­trag mit der Stif­tung Burk­wil. Die­se wird die ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nun­gen, die sich haupt­säch­lich an Men­schen in der zwei­ten Le­bens­hälf­te rich­ten und zur Kos­ten­mie­te ab­ge­ge­ben wer­den, bau­en.

Der Ent­scheid ging aus ei­ner in­ten­si­ven De­bat­te her­vor. Die Initi­an­ten, die das Land der Frei­hal­te­be­zie­hungs­wei­se Er­ho­lungs­zo­ne zu­wei­sen und da­mit un­be­bau­bar ma­chen woll­ten, fan­den mit ih­ren Ar­gu­men­ten kein Ge­hör – eben­so we­nig die Kri­ti­ker des Bau­rechts­ver­trags. Der Ge­mein­de­rat und die Stif­tung hin­ge­gen hat­ten die Un­ter­stüt­zung sämt­li­cher Orts­par­tei­en. Das Ja zum Bau­rechts­ver­trag und das Nein zur Initia­ti­ve wa­ren so­mit un­ge­fähr­det.

Die Weid im Os­ten von Mei­len soll nicht über­baut wer­den. Dies for­der­ten an der Ge­mein­de­ver­samm­lung vom Mon­tag­abend sechs An­woh­ner. Auf­ge­schreckt durch die Ab­sicht des Ge­mein­de­rats, die 13 Fuss­ball­fel­der grosse Par­zel­le im Bau­recht an die Stif­tung Burk­wil aus dem zu­ge­ri­schen Baar ab­zu­ge­ben, hat­ten sie ei­ne Initia­ti­ve ein­ge­reicht. Das Bau­land sol­le nicht wie von der Stif­tung be­ab­sich­tigt mit rund 120 ge­mein­nüt­zi­gen Woh­nun­gen über­baut, son­dern um­ge­zont wer­den, for­der­ten sie. Den ei­nen Teil, auf dem sich Fa­mi­li­en­gär­ten be­fin­den, woll­ten sie der Er­ho­lungs­zo­ne zu­wei­sen. Der weit­aus grös­se­re Teil, ei­ne Wie­se, soll künf­tig in der Frei­hal­te­zo­ne lie­gen. «Sie ha­ben die Wahl zwi­schen ei­ner zu­be­to­nier­ten Land­schaft und ei­ner mit Er­ho­lungs­wert und Fa­mi­li­en­gär­ten», sag­te Mit­in­iti­an­tin Lea

Lutz. Es ge­he um die Ret­tung ei­nes öko­lo­gisch wert­vol­len Ge­biets. «Wir den­ken an un­se­re Kin­der und En­kel­kin­der.»

«Mei­le­mer Welt­na­tur­er­be»

Ei­ne an­de­re Sicht nahm Ge­mein­de­prä­si­dent Chris­toph Hil­ler (FDP) ein. So ver­wies er auf die fi­nan­zi­el­len Kon­se­quen­zen. Dank dem Bau­rechts­ver­trag mit der Stif­tung wür­de die Ge­mein­de jähr­lich min­des­tens 700 000 Fran­ken ein­neh­men – wäh­rend der Lauf­zeit von 60 Jah­ren al­so mehr als 42 Mil­lio­nen. Vor al­lem be­ton­te Hil­ler aber, dass die Initia­ti­ve ein Wi­der­spruch zum eid­ge­nös­si­schen Raum­pla­nungs­ge­setz sei, wel­ches in­ne­re Ver­dich­tung statt Zer­sie­de­lung vor­se­he. Zu­dem ge­be es ge­nü­gend Grün­flä­chen in der un­mit­tel­ba­ren Um­ge­bung. Mei­len ste­he wie an­de­ren Ge­mein­den ein Be­völ­ke­rungs­wachs­tum be­vor. Mit dem heu­ti­gen Bau­land sei dies mög­lich. «Oh­ne die Weid nicht.»

Lea Lutz liess die­se Ar­gu­men­te nicht gel­ten. «Von Ver­dich­tung nach in­nen kann kei­ne Re­de sein, da sich die Weid am Dor­f­rand be­fin­det.» Neue Woh­nun­gen brau­che es in Mei­len zu­dem nicht – es stün­den schon heu­te vie­le leer.

Die Par­tei­en über­zeug­te dies nicht. Es brau­che lee­re Woh­nun­gen, da­mit der Markt über­haupt spie­le, sag­te Mar­ze­na Kopp (CVP). «Das kommt den Mie­tern zu­gu­te.» Mi­chiel Hart­mann (SP) be­zeich­ne­te die Initia­ti­ve als «Leer­lauf», und Ro­land Sie­gen­tha­ler (Grü­ne) warn­te da­vor, die Weid zum «Mei­le­mer Welt­na­tur­er­be» zu er­klä­ren. Pe­ter Bösch (SVP) wie­der­um sprach die Fi­nan­zen von Mei­len an und sag­te, es sei gut, wenn die Ge­mein­de ihr Land ak­tiv be­wirt­schaf­te. Rai­ner Stel­zer (FDP) schliess­lich warb für ei­nen Ent­scheid, der zum «Woh­le der Ge­samt­be­völ­ke­rung» sei.

672 Stimm­be­rech­tig­te – der Platz in der re­for­mier­ten Kir­che reich­te nicht aus, wes­halb die Ver­samm­lung auch im be­nach­bar­ten Gast­hof zum Lö­wen über­tra­gen wur­de – sa­hen es mehr­heit­lich ähn­lich wie die Par­tei­en. Die Initia­ti­ve wur­de deut­lich ab­ge­lehnt. Die Stim­men wur­den nicht aus­ge­zählt.

Ver­ein­zel­tes Miss­trau­en

Nun ging es noch um den Bau­rechts­ver­trag zwi­schen der Ge­mein­de Mei­len und Burk­wil. Auch dar­über ent­schied die Ge­mein­de­ver­samm­lung am Mon­tag­abend. Lie­gen­schaf­ten­vor­ste­he­rin Ire­ne Ritz-An­de­regg (SP) lob­te die ge­plan­te Sied­lung für ih­ren dörf­li­chen Cha­rak­ter und die öko­lo­gi­sche Bau­wei­se mit Ma­te­ria­li­en wie Lehm und Holz. Die Woh­nun­gen, vor al­lem für Per­so­nen in der zwei­ten Le­bens­hälf­te ge­dacht, wür­den zu­dem zur Kos­ten­mie­te ab­ge­ge­ben. «Lang­fris­tig kos­ten­güns­ti­ge Mie­ten sind ga­ran­tiert.» Be­zahl­ba­rer Wohn­raum sei ins­be­son­de­re auch für äl­te­re Men­schen ein ra­res Gut in Mei­len. Und auch die Ge­mein­de sel­ber pro­fi­tie­re: «Der Bau­rechts­zins ist ei­ne will­kom­me­ne Ein­nah­me und ein re­le­van­ter Bei­trag an das Haus­halts­gleich­ge­wicht.»

Rolf Zach sah dies nicht so. Der Mei­le­mer Stimm­be­rech­tig­te miss­trau­te der Stif­tung. «Wir wer­den mit dem Ver­spre­chen der Ge­mein­nüt­zig­keit ver­führt», sag­te er. Man wis­se nichts über die Bi­lanz und die Er­folgs­rech­nung der Stif­tung. Nur dass die Stif­te­rin 50 Mil­lio­nen aus ih­rer Pri­vat­scha­tul­le ein­schies­se. Mar­tin Oett­li, ei­ner der Initi­an­ten, kri­ti­sier­te aus­ser­dem, dass kei­ne öf­fent­li­che Aus­schrei­bung für das Land statt­ge­fun­den ha­be.

Ve­re­na Hof­män­ner wie­der­um stell­te ei­nen Rück­wei­sungs­an­trag. Sie un­ter­lag da­mit aber deut­lich. Den Bau­rechts­ver­trag hin­ge­gen nahm die Ver­samm­lung klar an. Ei­nen An­trag auf Ur­nen­ab­stim­mung lehn­te sie ab.

Fo­to: PD / Du­plex Ar­chi­tek­ten AG

In Ober­mei­len, bei­na­he an der Gren­ze zu Ue­ti­kon, soll ei­ne neue Sied­lung mit rund 120 Woh­nun­gen ent­ste­hen.

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