Ge­mein­de­rat nicht er­freut über Rü­ge

Der Bau­vor­stand ist über­rascht von den hef­ti­gen Wor­ten des Bau­re­kurs­ge­richts nach ei­ner kri­ti­sier­ten Bau­be­wil­li­gung. Den­noch will die Bau­be­hör­de die An­wei­sun­gen be­züg­lich Nä­her­bau­recht be­fol­gen.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseit­e - Pas­cal Jäg­gi

Das Bau­re­kurs­ge­richt wirft der Zol­li­ker Bau­be­hör­de un­zu­läs­si­ge Quar­tier­pla­nung und Miss­ach­tung der Ge­wal­ten­tren­nung vor. Dies, weil sie in ei­nem Quar­tier Aus­nah­men be­züg­lich Min­dest­ab­stand von Neu­bau­ten ge­macht hat. Bau­vor­stand Mar­tin Hirs (SVP) ak­zep­tiert das Ur­teil zwar, das Pro­jekt muss neu ge­plant wer­den. Doch er zeigt sich über die har­schen Wor­te der Rich­ter, die nur we­ni­ge Aus­nah­men be­trä­fen, über­rascht. (paj)

Miss­ach­tung der Ge­wal­ten­tren­nung. Mit die­sem Vor­wurf kann sich Mar­tin Hirs (SVP), Bau­vor­stand von Zol­li­kon, nicht wirk­lich an­freun­den. Die­sen Aus­druck hat das Bau­re­kurs­ge­richt in ei­nem Ur­teil be­nutzt. Die Bau­be­hör­de, de­ren Prä­si­dent Hirs ist, ha­be in ei­nem Quar­tier mehr­fach die ei­ge­ne Bau- und Zo­nen­ord­nung (BZO) miss­ach­tet.

Da­bei geht es um Aus­nah­men be­züg­lich Nä­her­bau­recht (Aus­ga­be vom 13. Ja­nu­ar). Im be­ur­teil­ten Fall et­wa um ei­nen ein­ge­schos­si­gen An­bau ei­ner Vil­la, der statt wie in der BZO vor­ge­schrie­ben 7 Me­ter nur 3,3 Me­ter Ab­stand zu ei­nem öf­fent­li­chen Weg ha­ben soll­te.

Ei­ne Nach­ba­rin hat er­folg­reich da­ge­gen re­kur­riert. We­der die Bau­herr­schaft noch die Bau­be­hör­de ha­ben den Ent­scheid wei­ter­ge­zo­gen. Das Ur­teil des Bau­re­kurs­ge­richts wird al­so ak­zep­tiert. Die Bau­be­hör­de wer­de das Ur­teil genau ana­ly­sie­ren und ih­re Pra­xis be­züg­lich Aus­nah­me­be­wil­li­gung ent­spre­chend re­vi­die­ren, sagt der Prä­si­dent ge­gen­über die­ser Zei­tung.

Sel­te­ne Aus­nah­men

Die Ge­mein­de gibt al­so nach, doch die har­ten Wor­te der Rich­ter über­ra­schen Mar­tin Hirs. «In we­ni­gen Fäl­len war die Bau­be­hör­de be­reit, ei­ne Aus­nah­me­be­wil­li­gung für die Un­ter­schrei­tung des Grenz­ab­stan­des ge­gen­über öf­fent­li­chen Stras­sen und We­gen zu er­tei­len», sagt Hirs. Aus­nah­me­be­wil­li­gun­gen sei­en wirk­lich sel­ten, ge­ra­de weil sie kaum ei­nem Re­kurs stand­hal­ten wür­den.

Dass die­se we­ni­gen Aus­nah­men be­reits als Miss­ach­tung der Ge­wal­ten­tren­nung gel­ten sol­len, er­stau­ne ihn schon. Die Bau­be­hör­de hat die­se Aus­nah­men in ei­nem Quar­tier an­ge­wen­det, in dem vor al­lem ein­zel­ne Häu­ser mit gros­sem Um­schwung ste­hen.

«Dass die­se we­ni­gen Fäl­le als Miss­ach­tung der Ge­wal­ten­tren­nung gel­ten, er­staunt mich.»

Mar­tin Hirs

Bau­vor­stand Zol­li­kon

Sie woll­te ei­ne Sied­lung vom Typ Gar­ten­stadt er­stel­len. Da­bei soll­te für ein­ge­schos­si­ge An­bau­ten ein Min­dest­ab­stand von 3,5 Me­tern gel­ten.

Der Bau­vor­stand be­tont, dass ge­gen­über pri­va­ten Par­zel­len die Bau­be­hör­de nur Be­wil­li­gun­gen für die Un­ter­schrei­tung des or­dent­li­chen Grenz­ab­stan­des er­tei­le, wenn der Ei­gen­tü­mer des Nach­bar­grund­stücks zu­stim­me. In dem be­tref­fen­den Fall gab es

Ver­hand­lun­gen in die­sem Punkt. Die Nach­ba­rin for­der­te ei­ne Ent­schä­di­gung für die Ein­räu­mung des Nä­her­bau­rechts. Die Ver­hand­lun­gen schei­ter­ten al­ler­dings.

Kei­ne An­pas­sung der BZO

Bleibt die Fra­ge, ob der Ent­scheid po­li­ti­sche Kon­se­quen­zen ha­ben wird. Wird die Exe­ku­ti­ve Ein­fluss auf die BZO neh­men, um die Gar­ten­stadt zu ver­wirk­li­chen? Das ist kaum so, wenn es nach Mar­tin Hirs geht. «Dass die Bau­be­hör­de auf­grund des Ur­teils ei­ne ge­ne­rel­le Re­duk­ti­on des or­dent­li­chen Grenz­ab­stan­des ge­gen­über öf­fent­li­chen We­gen in ei­ner BZO-Re­vi­si­on vor­schla­gen wird, ist un­wahr­schein­lich, da es nicht zu ei­nem gu­ten Orts­bild bei­tra­gen wür­de», sagt er.

Es dürf­te al­so bei we­ni­gen Aus­nah­men blei­ben und der Er­kennt­nis, dass Bau­her­ren in Zol­li­kon künf­tig nicht mehr auf Ku­lanz der Bau­be­hör­de beim Ab­stand

zu We­gen und öf­fent­li­chen Plät­zen hof­fen dür­fen.

Ähn­li­cher Fall aus Küs­nacht

Bei ei­nem an­de­ren Bau­ge­such aus Küs­nacht hat­te das Bau­re­kurs­ge­richt im Sin­ne der Bau­herr­schaft ent­schie­den. Auch da­bei ging es um das Nä­her­bau­recht. Das Ver­wal­tungs­ge­richt, die nächst­hö­he­re In­stanz, hat das Ur­teil nun be­stä­tigt. Die ent­schei­den­de Fra­ge war, ob die Nach­barn ei­nem ge­ne­rel­len oder ei­nem pro­jekt­be­zo­ge­nen Nä­her­bau­recht zu­ge­stimmt hat­ten. Die Ge­rich­te ver­nei­nen ei­ne pro­jekt­be­zo­ge­ne Zu­stim­mung. Die Ein­räu­mung des Nä­her­bau­rechts auf fünf statt sechs Me­ter gel­te auch für neue Pro­jek­te.

Der Neu­bau ei­nes Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses mit Tief­ga­ra­ge, Au­to­lift und Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge wird be­wil­ligt, das Ur­teil ist rechts­kräf­tig. Die Ar­beit be­züg­lich Nä­her­bau­recht dürf­te den Ge­rich­ten so bald nicht aus­ge­hen.

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