Schön, aber nicht un­ge­fähr­lich

Him­mels­la­ter­nen sind auch am Zü­rich­see be­liebt. Wäh­rend man­che Ge­mein­den trotz ei­nes schwe­ren Bran­des in Deutsch­land kei­nen An­pas­sungs­be­darf bei der Si­cher­heit se­hen, wol­len an­de­re die Si­tua­ti­on ge­nau­er über­prü­fen.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseit­e - Phil­ip­pa Schmidt

Wie ge­fähr­lich so­ge­nann­te Him­mels­la­ter­nen wer­den kön­nen, zeig­te sich an Sil­ves­ter, als das Af­fen­haus im Zoo Kre­feld kom­plett aus­brann­te. An­ders als in Deutsch­land sind die Flug­kör­per, die durch ein of­fe­nes Feu­er an­ge­trie­ben wer­den, in der Schweiz nicht flä­chen­de­ckend ver­bo­ten. In der Zü­rich­see­re­gi­on gibt es ei­nen Fli­cken­tep­pich von bun­des­wei­ten und kom­mu­na­len Re­geln. Wenn Vor­sichts­mass­nah­men nicht be­ach­tet wer­den, kann das Stei­gen­las­sen ins Au­ge ge­hen. (phs)

«Zau­bern sie ei­ne traum­haf­te Stim­mung in den Nacht­him­mel», mit die­sen Wor­ten wer­den im In­ter­net Him­mels­la­ter­nen zum Kauf an­ge­bo­ten. Dass die Flug­kör­per, die vor al­lem zu Hoch­zei­ten ger­ne stei­gen ge­las­sen wer­den, auch Ge­fah­ren ber­gen, zeig­te sich an der Sil­ves­ter­nacht im deut­schen Kre­feld. Dort ha­ben Him­mels­la­ter­nen das Af­fen­haus des Zoos in Brand ge­setzt, wie Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se der Po­li­zei zei­gen. Das mit Ple­xi­glas über­dach­te Ge­bäu­de brann­te in­nert we­ni­ger Mi­nu­ten lich­ter­loh. 30 Tie­re, dar­un­ter fünf Orang Utans, zwei Go­ril­las und ein Schim­pan­se, star­ben ei­nen qual­vol­len Tod in den Flam­men.

In Nach­bar­staa­ten ver­bo­ten

Die Him­mels­la­ter­nen, wel­che das Un­glück in Kre­feld ver­ur­sacht ha­ben, wur­den il­le­gal gen Him­mel ge­schickt, be­steht doch in Deutsch­land, aber auch in Ös­ter­reich ein flä­chen­de­cken­des Ver­bot. Nicht so in der Schweiz: Hier ha­ben man­che Kan­to­ne wie et­wa Genf, die bei­den Ba­sel und das Wal­lis, aber auch ge­wis­se Kom­mu­nen wie die Städ­te Zü­rich und Rap­pers­wil-Jo­na ei­nen Bann er­las­sen. Zu­sätz­lich gel­ten die Re­geln des Bun­des­am­tes für Zi­vil­luft­fahrt (Bazl, sie­he Kas­ten). Im Zü­rich­see­ge­biet gleicht die Si­tua­ti­on ei­nem Fli­cken­tep­pich: In man­chen Ge­mein­den sind Him­mels­la­ter­nen we­der ver­bo­ten noch be­wil­li­gungs­pflich­tig.

So et­wa in Küs­nacht, wo Him­mels­la­ter­nen bei Ver­an­stal­tun­gen im Ro­man­tik-See­ho­tel Son­ne stei­gen ge­las­sen wer­den. ««Das Pro­blem ist, dass wir es un­se­ren Gäs­ten nicht gut ver­bie­ten kön­nen, so­lan­ge sie sich an die Auf­la­gen des Bazl hal­ten», sagt Ho­te­lier Re­né Grü­ter. «An­fra­gen der Gäs­te ver­wei­sen wir auf die Web­sei­te der Ge­mein­de Küs­nacht be­tref­fend Him­mels­la­ter­nen und di­rekt ans Bazl zum Ein­ho­len der ak­tu­el­len In­for­ma­tio­nen.»

Un­ab­hän­gig vom Bazl dür­fen aus Si­cher­heits­grün­den die Gäs­te der Son­ne die La­ter­nen aber nicht im­mer stei­gen las­sen. «Wenn wir star­ken West­wind ha­ben, bei dem die La­ter­nen über das Ho­tel und nicht über den See schwe­ben, ist es nicht er­laubt», sagt Grü­ter. «Wei­ter ver­su­chen wir, das Stei­gen­las­sen von Him­mels­la­ter­nen auf ein Mi­ni­mum zu re­du­zie­ren. Wenn sich in Zu­kunft die Si­tua­ti­on än­dern wür­de, müss­ten wir die ak­tu­el­le Pra­xis über­den­ken.»

«Bis jetzt ha­ben wir im Zu­sam­men­hang mit dem The­ma

Him­mels­la­ter­nen kei­ne Pro­ble­me ge­habt», sagt Ca­tri­na Erb Po­la, Küs­nach­ter Ge­mein­de­schrei­be­rin. «Falls es Pro­ble­me ge­ben wür­de, wür­den wir die Si­tua­ti­on si­cher ge­nau­er an­schau­en.» Ak­tu­ell stei­gen et­wa fünf bis sechs Mal jähr­lich Him­mels­la­ter­nen im Ho­tel Son­ne auf. Ei­ne wei­te­re Event­lo­ca­ti­on, wo Him­mels­la­ter­nen stei­gen ge­las­sen wer­den kön­nen, ist et­wa die Mosch­ti in Stä­fa. Dort ist zu er­fah­ren, dass et­wa 30 Mal pro Jahr Him­mels­la­ter­nen stei­gen ge­las­sen wer­den.

The­ma für den Ge­mein­de­rat

Eben­so wie in Küs­nacht und Stä­fa sind auch in Ober­rie­den Him­mels­la­ter­nen we­der ver­bo­ten noch be­wil­li­gungs­pflich­tig. «Bei

An­fra­gen wer­den die Per­so­nen aber di­rekt über die mög­li­chen Ri­si­ken und Haf­tung im Zu­sam­men­hang mit den Him­mels­la­ter­nen auf­ge­klärt», sagt der stell­ver­tre­ten­de Ge­mein­de­schrei­ber Fa­bi­an Mar­ty. «Die­ser Dia­log führt oft da­zu, dass die Leu­te frei­wil­lig ver­zich­ten.» Doch der in Deutsch­land durch ei­ne Him­mels­la­ter­ne aus­ge­lös­te Brand hat die Ober­rie­der nicht un­be­rührt ge­las­sen. Der tra­gi­sche Vor­fall von Kre­feld zei­ge ein­mal mehr, wie ge­fähr­lich Him­mels­la­ter­nen sein kön­nen, sagt Mar­ty. «Ein mög­li­ches Ver­bot wird des­halb in Ober­rie­den vom Ge­mein­de­rat in ei­ner Sit­zung dis­ku­tiert.» Es müs­se al­ler­dings auch fest­ge­hal­ten wer­den, dass die Nach­fra­ge zur Be­wil­li­gungs­pra­xis von Him­mels­la­ter­nen in den letz­ten Jah­ren stark ab­ge­nom­men ha­be und es in Ober­rie­den kaum noch An­fra­gen da­zu ge­be. Auch in Er­len­bach braucht es kei­ne Be­wil­li­gung für die La­ter­nen. «Der Fall von Kre­feld gibt si­cher zu den­ken, und wir wer­den un­se­re Be­wil­li­gungs­pra­xis über­den­ken», sagt der Er­len­ba­cher Ge­mein­de­schrei­ber Da­ni­el Kei­bach.

Ver­bot we­gen Baum­brand

Ge­wis­se Orts­tei­le Ober­rie­dens, Hor­gens, Thal­wils und Langnaus lie­gen in ei­nem 5-Ki­lo­me­ter-Ra­di­us rund um den Flug­platz Hau­sen, wes­we­gen Him­mels­la­ter­nen dort be­wil­li­gungs­pflich­tig sind. Dies gilt we­gen des He­li­ports Schin­del­legi auch für Rich­ters­wil und Tei­le Wä­dens­wils. Ins­be­son­de­re am lin­ken Ufer gibt es zu­dem kom­mu­na­le Ver­bo­te. In Rüsch­li­kon wur­den die La­ter­nen vor acht Jah­ren vom Him­mel ver­bannt, weil ein Ast durch ei­ne Him­mels­la­ter­ne Feu­er fing. Ein­zig am 1. Au­gust und am 31. De­zem­ber gel­ten Aus­nah­men.

Ei­nen an­de­ren Weg geht die Ge­mein­de Mei­len: Dort er­for­dert das Stei­gen las­sen ei­ne Be­wil­li­gung und das Zah­len ei­ner Ge­bühr. «Aus Er­fah­rung er­hal­ten wir pro Jahr null bis drei Ge­su­che, wo­von ein­zel­ne auch schon auf­grund te­le­fo­ni­scher Be­ra­tung und Hin­weis auf die po­ten­ti­el­len Ge­fah­ren zu­rück­ge­zo­gen wur­den», sagt Ge­mein­de­schrei­ber Di­dier May­en­zet. Ge­ne­rell zeigt sich in ei­ner Um­fra­ge, dass die hie­si­gen Ge­mein­den so­wohl auf ih­ren Web­sites als auch te­le­fo­nisch auf Ge­fah­ren hin­wei­sen, wie et­wa star­ke Win­de, Tro­cken­heit oder dass man Him­mels­la­ter­nen nicht zu­sam­men­bin­den soll­te. Ganz aus­schlies­sen lässt sich ein Ri­si­ko aber nie.

Foto: Keysto­ne

Him­mels­la­ter­nen sind schön an­zu­se­hen, doch kön­nen sie bei fal­scher Hand­ha­bung oder zu viel Wind Brän­de aus­lö­sen.

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