El­mer will künf­tig Stä­fa coa­chen

Jo­nas El­mer tritt ei­nen Schritt kür­zer. Der Ver­tei­di­ger aus Stä­fa ver­lässt den FC Rap­pers­wil-Jo­na und spielt nun für sei­nen Hei­matclub. Der 31-Jäh­ri­ge blickt auf sei­ne Pro­fi­kar­rie­re zu­rück, die er im Som­mer 2005 in Lon­don lan­cier­te.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseit­e - Bern­hard Ca­me­nisch (Interview)

Nach­dem Jo­nas El­mer sei­ne Pro­fi­kar­rie­re aus be­ruf­li­chen Grün­den be­en­det hat, blickt der Ver­tei­di­ger auf die High­lights sei­ner Lauf­bahn zu­rück. Die­se hat­te der 31-Jäh­ri­ge einst im FC Chel­sea lan­ciert. Der Stäf­ner, der zu­letzt die ers­te Mann­schaft des FC Rap­pers­wilJo­na als Cap­tain an­führ­te, spielt nun für sei­nen Hei­matclub. «Die Idee ist schon, dass der Trai­ner von Stä­fa ir­gend­wann El­mer heisst», ver­rät er. (ddu)

«Den Cup­sieg kann mir nie­mand mehr neh­men.»

«Die Idee ist schon, dass der Trai­ner von Stä­fa ir­gend­wann El­mer heisst.»

Jo­nas El­mer, war­um ha­ben Sie sich mit­ten in der Sai­son ent­schie­den, mit dem Fussball auf Pro­mo­ti­on-Le­ague-Ni­veau auf­zu­hö­ren?

Es war ein schlei­chen­der Pro­zess. Vor al­lem das letz­te hal­be Jahr war für mich men­tal ex­trem hart und er­mü­dend. Ich ar­bei­te mit ei­nem 80-Pro­zent-Pen­sum in Oer­li­kon und fuhr nach der Ar­beit vier­mal in der Wo­che nach Rap­pers­wil-Jo­na zum Trai­ning. Ich wer­de in mei­nem Le­ben noch ei­ni­ges län­ger in der Be­rufs­welt tä­tig sein, als ich im Halb­pro­fiBe­reich hät­te Fussball spie­len kön­nen. Der Zeit­punkt für den Schnitt ist ge­kom­men.

Sie ha­ben sich wäh­rend Ih­rer Zeit beim FCRJ ein zwei­tes Stand­bein in der Im­mo­bi­li­en­bran­che auf­ge­baut. Wur­de die Kom­bi­na­ti­on von Be­ruf und Fussball zu­letzt zu viel?

In den letz­ten fast drei Jah­ren war ich fünf Ta­ge pro Wo­che um 8 Uhr im Bü­ro und nach dem Trai­ning um 20.30 Uhr zu Hau­se. Wenn wir wäh­rend der zwei Chal­len­ge-Le­ague-Jah­re am Sams­tag spiel­ten, hat­ten wir am Sonn­tag­mor­gen das Aus­lau­fen und am Mon­tag frei. Dann war ich aber wie­der im Bü­ro, so blieb mir nur der Sonn­tag­nach­mit­tag, und dann war ich meis­tens so ka­putt, dass ich nur noch schlief.

Wie­so zo­gen Sie den Schluss­strich un­ter Ih­re Kar­rie­re nicht schon am En­de der ver­gan­ge­nen Sai­son?

Wä­ren wir letz­tes Jahr in der Chal­len­ge Le­ague ge­blie­ben, wä­re das für mich ein wür­di­ger Ab­schluss ge­we­sen. Dann kam aber der Ab­stieg. Ich woll­te den Club in die­ser Si­tua­ti­on nicht zu­rück­las­sen. Ich woll­te mit­hel­fen, dass die Mann­schaft wie­der sta­bi­li­siert wird und auf ei­nen gu­ten Weg kommt. Ich wuss­te, dass dies nicht ewig dau­ern wür­de, weil die nö­ti­gen Struk­tu­ren im Ver­ein vor­han­den sind. Jetzt sind wir Zwei­ter und im Cup-Vier­tel­fi­nal.

War die­ser Cup-Vier­tel­fi­nal am 4. März ge­gen ih­ren Ex-Club FC Si­on kein Reiz mehr?

Doch, na­tür­lich spiel­te das in mei­nen Ge­dan­ken auch ei­ne Rol­le. In­klu­si­ve Vor­be­rei­tung hät­te ich die­ses ho­he Pen­sum aber noch fünf Mo­na­te wei­ter­zie­hen müs­sen. Die­sen Auf­wand woll­te ich nicht mehr auf mich neh­men. Es wä­re et­was an­de­res ge­we­sen, wenn ich noch nie in ei­nem CupVier­tel­fi­nal ge­spielt hät­te. Und den Match ge­gen Si­on zum Ab­schieds­spiel zu ma­chen, das kam für mich nicht in­fra­ge.

War Ih­nen wäh­rend der Pro­fi­kar­rie­re im­mer be­wusst, dass es ein Le­ben da­nach gibt und dass Sie da­für be­ruf­lich vor­be­rei­tet sein wol­len?

Das hat sich wäh­rend mei­ner bei­den Sai­sons in der Chal­len­ge Le­ague mit Win­ter­thur und Biel (2013 bis 2015; Red.) in­ten­si­viert.

Der Lohn reich­te zum Le­ben, aber der Auf­wand in die­ser Li­ga ist rie­sig. Als 2015 der Kon­takt mit «Rap­pi» zu­stan­de kam, er­gab sich die Chan­ce, zu­sätz­lich zum Fussball als Sach­be­ar­bei­ter ins Be­rufs­le­ben ein­zu­stei­gen. Wenn man nie im Le­ben ge­ar­bei­tet hat, ist ein sol­cher Ein­stieg nicht so ein­fach. Par­al­lel mach­te ich ein Ba­che­l­orStu­di­um. Im letz­ten Som­mer wur­de ich zum Be­wirt­schaf­ter be­för­dert und be­gin­ne bald mit der ent­spre­chen­den ein­jäh­ri­gen Schu­le.

Wis­sen Sie noch, was Sie am 8. Sep­tem­ber 2013 mach­ten? (über­legt lan­ge) Da müss­te ich noch beim FC Si­on ge­we­sen sein.

Nein. Es war Ihr ers­tes Spiel für den To­ron­to FC. Wel­che Er­in­ne­run­gen ha­ben Sie an Ih­re Zeit in der Ma­jor Le­ague Soc­cer?

To­ron­to war ei­ne ex­trem span­nen­de Zeit, auch wenn es sport­lich nicht das war, was ich mir vor­ge­stellt hat­te. Ich war mit­ten in der Sai­son ver­letzt an­ge­reist und gab dann bei ei­nem 0:4 in Port­land mein De­büt.

Ihr drit­tes MSL-Spiel ei­ne Wo­che spä­ter war be­reits Ihr letz­tes, ein 0:2 ge­gen die New York Red Bulls, die ei­nen sehr pro­mi­nen­ten Namen in ih­ren Rei­hen hat­ten.

Das war Thier­ry Hen­ry. In der MSL stan­den schon da­mals im­mer wie­der gros­se Namen auf dem Platz. Es ist ei­ne tol­le Li­ga, und das gan­ze Drum­her­um mit der Or­ga­ni­sa­ti­on ist Welt­klas­se. Ins­ge­samt war ich nur et­was mehr als drei Mo­na­te in To­ron­to und hat­te dort ei­ne sehr gu­te Zeit.

Im Aus­land hat­ten Sie auch schon von 2005 bis 2007 ge­spielt, als Ju­ni­or im U-21-Team des FC Chel­sea.

Vor die­sem Wech­sel spiel­te ich im Schwei­zer U-17-Na­tio­nal­team re­gel­mäs­sig vor vie­len Scouts. Wer dort ein ei­ni­ger­mas­sen gu­tes Spiel zeig­te, ge­riet schnell auf den Ra­dar. Ich hät­te da­mals zu ziem­lich je­dem Club in Eu­ro­pa wech­seln kön­nen und sag­te mir, wenn ich ins Aus­land ge­he, dann zu ei­nem gros­sen Ver­ein. Die Zeit in Lon­don hat mir sehr viel ge­bracht, fuss­bal­le­risch so­wie­so, aber auch für mein wei­te­res Le­ben. Ich be­reue kei­ne Se­kun­de die­ser zwei Jah­re.

Wur­de seit­her über Sie be­rich­tet, wur­de häu­fig Chel­sea in ei­nem Atem­zug mit Ih­rem Namen ge­nannt. Ein Stem­pel? Klar ver­bin­det man das mit mir, und ich ha­be un­zäh­li­ge Ma­le Fra­gen über Chel­sea be­ant­wor­tet. Aber es kön­nen auch nicht vie­le von sich sa­gen, dass sie bei Chel­sea wa­ren. (lacht) Da­mals kam es halt noch nicht so oft vor, dass Schwei­zer in die­sem Al­ter ins Aus­land ge­hen. Ich bin kei­ner, der im Nach­hin­ein Kar­rie­re­schrit­te hin­ter­fragt hat. Schaue ich zu­rück, gibt es hie und da schon et­was, das ich vi­el­leicht an­ders hät­te ma­chen müs­sen. Aber der Wech­sel zu Chel­sea ge­hört si­cher nicht da­zu.

Bei Ih­rer Rück­kehr in die Schweiz gin­gen Sie in die Su­per Le­ague, zu­nächst drei Jah­re zu Aarau, da­nach zu Si­on.

Der Wech­sel zu Chel­sea hat­te mir den Weg in den Pro­fi­fuss­ball ge­eb­net. Mit 19 Jah­ren kam ich in die Su­per Le­ague und konn­te in mei­ner ers­ten Sai­son be­reits 29 Spie­le be­strei­ten. Wir hat­ten da­mals in Aarau ei­ne su­per Trup­pe und wur­den zwei­mal Fünf­te. Dann lie­fen ei­ni­ge Ver­trä­ge aus, es kam zu Wech­seln. Wir hat­ten ein schwie­ri­ges drit­tes Jahr und stie­gen ab. Ich wur­de ab­lö­se­frei und wech­sel­te zu Si­on (im Som­mer 2010; Red.). Dort hat­te ich in der ers­ten Sai­son ins­be­son­de­re ei­ne sehr gu­te Rück­run­de. Wir ge­wan­nen den Cup, ein Rie­sen­er­leb­nis. Da­nach wur­de es für mich schwie­rig bei Si­on.

Sie lie­fen dann für die Wal­li­ser und über­haupt in der Su­per Le­ague nur noch drei­mal auf. Vi­el­leicht war es nicht das Klügs­te, als 22-Jäh­ri­ger zu Si­on zu ge­hen. Es ist nicht so ein­fach dort, auch wenn es ein Club mit Herz­blut und su­per Fans ist. Und mit ei­nem Prä­si­den­ten, mit dem es zwar schwie­rig ist, aber oh­ne den es den FC Si­on in die­ser Form nicht ge­ben wür­de. Aber auch die­sen Wech­sel be­reue ich nicht, denn er hat­te sei­ne sehr schö­nen Sei­ten. Den Cup­sieg kann mir nie­mand mehr neh­men.

Mit wem tra­fen Sie als jun­ger Spie­ler die­se Ent­schei­de, zu Chel­sea oder auch zu Si­on zu ge­hen?

Ich hat­te schon früh ei­nen Be­ra­ter. Wenn Clubs aus dem Aus­land an­klop­fen, geht das fast nicht oh­ne. Mei­ne El­tern hat­ten lan­ge kei­ne Ah­nung von Fussball. Sie ga­ben mir na­tür­lich Rat­schlä­ge, tru­gen mei­ne Ent­schei­de mit und un­ter­stütz­ten mich im­mer. Da­für bin ich ih­nen sehr dank­bar.

Im Som­mer 2015 ka­men Sie schliess­lich aus der Chal­len­ge Le­ague zum FC Rap­pers­wilJo­na in die Pro­mo­ti­on Le­ague. Darf man sa­gen, dass dies ein gu­ter Ent­scheid war?

Ja, ein sehr gu­ter so­gar. Ich hat­te hier wun­der­schö­ne vier­ein­halb Jah­re, der Ver­ein ist mir ex­trem ans Herz ge­wach­sen. Sport­lich hat­te ich nicht mehr all­zu vie­le Am­bi­tio­nen, ich woll­te ein­fach hel­fen, den FCRJ wei­ter­zu­brin­gen. Wir konn­ten in den letz­ten Jah­ren die Club­ge­schich­te um ei­ni­ge Ka­pi­tel er­wei­tern.

Ei­nes die­ser Ka­pi­tel war 2017 der erst­ma­li­ge Auf­stieg des FCRJ in die Chal­len­ge Le­ague. Wel­chen Stel­len­wert hat die­ser in Ih­rer Kar­rie­re?

Ei­nen sehr gros­sen. Als ich zu «Rap­pi» kam, wuss­te ich, dass der Ver­ein das Ziel hat­te, in nä­he­rer Zu­kunft in die Chal­len­ge Le­ague auf­zu­stei­gen. Da­bei mit­zu­hel­fen, dies zu er­rei­chen, war mein Ziel. In der Win­ter­pau­se je­ner Auf­stiegs­sai­son hat­ten wir meh­re­re Punk­te Rück­stand auf den Le­a­der. Aber wir hat­ten ei­ne un­glaub­lich gu­te Stim­mung in der Mann­schaft, wir wa­ren 20 sehr gu­te Kol­le­gen. Dar­um war die­ser Auf­stieg auch so schön. Wir zeig­ten, was mit ei­nem sol­chen Te­am­geist mög­lich ist, auch da­nach in der ers­ten Chal­len­geLe­ague-Sai­son.

Wel­ches High­light aus Ih­rer Fuss­ball­kar­rie­re wer­den Sie ga­ran­tiert nie ver­ges­sen? High­lights gab es ei­ni­ge, aber für im­mer in Er­in­ne­rung bleibt mir, als ich im Ju­li 2005 für Ar­jen Rob­ben ein­ge­wech­selt wur­de. Denn mei­ne ers­ten zwei Wo­chen bei Chel­sea durf­te ich mit der ers­ten Mann­schaft ver­brin­gen und war mit ihr in Lis­s­a­bon bei ei­nem Freund­schafts­spiel ge­gen Ben­fi­ca da­bei. In der 75. Mi­nu­te durf­te ich mit Rob­ben ab­klat­schen. Er war da­mals schon ein sehr be­kann­ter Spie­ler und ich 17-jäh­rig und neu bei Chel­sea. Das war für mich ein sur­rea­ler Mo­ment.

Ganz las­sen kön­nen Sie das Fuss­ball­spie­len aber nicht. Sie keh­ren zum FC Stä­fa, Ih­rem Hei­matclub, zu­rück und wer­den für die­sen be­reits in der Rück­run­de der lau­fen­den Sai­son in der 3. Li­ga spie­len. Genau. Ich sag­te im­mer, dass es für mich mal dort en­den wird, wo al­les an­ge­fan­gen hat. Ich blieb wäh­rend mei­ner ge­sam­ten Kar­rie­re mit die­sem Ver­ein ex­trem ver­bun­den und ha­be dort vie­le Freun­de. Ich bin ein Stäf­ner durch und durch, auch wenn ich in Zü­rich woh­ne. Auch wer­de ich wei­ter­hin als As­sis­tenz­trai­ner im Stäf­ner Fa­ni­onteam mit­hel­fen, das ma­che ich be­reits seit ei­ni­ger Zeit. Die Idee ist schon, dass der Trai­ner von Stä­fa ir­gend­wann El­mer heisst.

Foto: Mo­ritz Ha­ger

Über 14 Jah­re lang blieb Jo­nas El­mer (hier in ei­ner Chal­len­ge-Le­ague-Par­tie mit dem FC Rap­pers­wil-Jo­na) als Pro­fi stets am Ball: «Ich bin kei­ner, der im Nach­hin­ein Kar­rie­re­schrit­te hin­ter­fragt hat.»

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.