Ge­mein­de­prä­si­dent darf nicht zu­rück­tre­ten

Der Be­zirks­rat hat ent­schie­den: Ge­mein­de­prä­si­dent Theo Leut­hold und Ge­mein­de­rat Jog­gi Riedt­mann dür­fen nicht zu­rück­tre­ten.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseit­e - Da­ni­el Hitz und Da­nie­la Haag

Seit über ei­nem Jahr schwelt in Hor­gen der Kon­flikt zwi­schen Ge­mein­de­rat, Schul­pfle­ge und Schul­prä­si­den­tin Car­la Lo­retz (par­tei­los). Der ges­tern be­kannt ge­wor­de­ne Ent­scheid des Be­zirks­rats ent­schärft die La­ge nicht. Im Ge­gen­teil: Der Be­zirks­rat hat die Rück­tritts­ge­su­che von Ge­mein­de­prä­si­dent Theo Leut­hold (SVP) und Ge­mein­de­rat Jog­gi Riedt­mann (SP) ab­ge­lehnt. Sie woll­ten we­gen der ver­fah­re­nen Si­tua­ti­on ih­re Äm­ter nie­der­le­gen. Über das eben­falls ein­ge­reich­te Rück­tritts­ge­such von Vi­ze­prä­si­den­tin Da­nie­la Mos­ba­cher (FDP) hat das Auf­sichts­or­gan noch nicht ent­schie­den.

Nebst den drei Ge­mein­de­rä­ten hat­ten auch vier Mit­glie­der der Schul­pfle­ge ih­ren Rück­tritt ein­ge­reicht. Dort hat der Be­zirks­rat an­ders ent­schie­den. Chris­ta Stün­zi (GLP), Moira Trönd­le (SP) und Su­san­ne Zum­taug­wald (FDP) dür­fen ge­mäss Mit­tei­lung des Ge­mein­de­ra­tes zu­rück­tre­ten. Bei Do­ris Klee (SP) ist der Ent­scheid noch hän­gig.

Das Be­hör­den­cha­os in Hor­gen nimmt kein En­de. Theo Leut­hold (SVP) muss ge­gen sei­nen Wil­len Ge­mein­de­prä­si­dent blei­ben. Auch Jog­gi Riedt­mann (SP) darf nicht wie ge­wünscht vor­zei­tig sein Amt als Ge­mein­de­rat nie­der­le­gen. Der Be­zirks­rat Hor­gen hat ih­re Ge­su­che auf vor­zei­ti­gen Rück­tritt ab­ge­lehnt. Über das Rück­tritts­ge­such von Vi­ze­prä­si­den­tin Da­nie­la Mos­ba­cher (FDP) hat das Auf­sichts­or­gan noch nicht ent­schie­den. Die drei Exe­ku­tiv­mit­glie­der woll­ten we­gen der ver­fah­re­nen Si­tua­ti­on mit Schul­prä­si­den­tin und Ge­mein­de­rä­tin Car­la Lo­retz (par­tei­los) vor­zei­tig von ih­ren Äm­tern zu­rück­tre­ten. Sie mach­ten ge­sund­heit­li­che Grün­de gel­tend. Die Si­tua­ti­on mit Car­la Lo­retz sei zu be­las­tend.

Dies ist be­reits die zwei­te Nie­der­la­ge beim Be­zirks­rat im Streit mit der Schul­prä­si­den­tin, der die üb­ri­gen Be­hör­den­mit­glie­der un­ter an­de­rem un­kol­le­gia­les Ver­hal­ten, Über­for­de­rung, Un­ein­sich­tig­keit und man­gel­haf­te Kom­mu­ni­ka­ti­on vor­wer­fen. Der Be­zirks­rat hat­te Mit­te Ju­ni ein auf­sichts­recht­li­ches Ver­fah­ren zu­guns­ten von Lo­retz be­schlos­sen und ein Grup­pen­coa­ching für die Be­hör­den so­wie ein Ein­zel­coa­ching für Lo­retz an­ge­ord­net. Der Re­kurs ge­gen die­sen Ent­scheid ist beim Re­gie­rungs­rat hän­gig.

Be­grün­dung reicht nicht aus

Der Be­zirks­rat Hor­gen hat die Rück­tritts­ge­su­che von Theo Leut­hold und Jog­gi Riedt­mann zu­rück­ge­wie­sen, weil die an­ge­führ­te Be­grün­dung nicht aus­reicht, wie Be­zirks­rats­prä­si­dent Ar­min St­ein­mann auf An­fra­ge aus­führt. «Wir ha­ben uns an das gel­ten­de Recht und die Ge­richts­pra­xis ge­hal­ten», er­klärt er. Die Be­grün­dung müs­se stich­hal­tig sein, da­mit ei­ne Ent­las­sung mög­lich sei. Ein Arzt­zeug­nis müs­se aus­sa­ge­kräf­tig und ei­ne be­ste­hen­de Krank­heit er­sicht­lich sein. St­ein­mann be­tont, es ge­be zwar ei­nen Er­mes­sens­spiel­raum, die­ser sei aber klein. «Der Be­zirks­rat hat ei­ne se­riö­se Gü­ter­ab­wä­gung ge­macht. Die Rück­tritts­ge­su­che wa­ren nicht aus­rei­chend be­legt.»

Dass die Rück­tritts­ge­su­che ge­nau un­ter die Lu­pe ge­nom­men wer­den und ei­ne Be­wil­li­gung nicht selbst­ver­ständ­lich ist, hat­te sich ab­ge­zeich­net. Be­reits An­fang Ju­li äus­ser­te sich der Be­zirks­rat erst­mals. Da­mals ver­lang­te er von den Ge­such­stel­lern, ih­re Grün­de für den Rück­tritt zu kon­kre­ti­sie­ren. Of­fen­bar ge­nüg­ten die Nach­bes­se­run­gen aber nicht. Dass über das Rück­tritts­ge­such von Ge­mein­de­rä­tin Da­nie­la

Mos­ba­cher noch nicht ent­schie­den ist, ha­be ter­min­li­che Grün­de. Sie ha­be ih­re Nach­bes­se­run­gen spä­ter als die an­de­ren ein­ge­reicht. Der Ent­scheid soll­te spä­tes­tens nächs­te Wo­che be­kannt wer­den.

Leut­hold ist ent­täuscht

Der Ge­mein­de­prä­si­dent ist vom Ent­scheid ent­täuscht. Er ha­be sei­nen Rück­tritt an­ge­bo­ten, da­mit ein Neu­an­fang mög­lich sei. Das hät­te auch im Sin­ne des Be­zirks­rats sein müs­sen, denn es ge­he dar­um, das Funk­tio­nie­ren der Be­hör­de zu ga­ran­tie­ren. «Ich ha­be vom Be­zirks­rat mehr Fein­ge­fühl er­war­tet», sagt Theo Leut­hold. Die­ser ha­be sich aber nur an die Pa­ra­gra­fen ge­hal­ten.

Letzt­lich sei der Be­zirks­rat sei­ner Li­nie treu ge­blie­ben und ge­be dem Ge­mein­de­rat auch mit die­sem Ent­scheid zu ver­ste­hen, ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit Car­la Lo­retz sei mög­lich, wenn man nur wol­le.

Theo Leut­hold sagt wei­ter, er sei über­rascht vom Ent­scheid: «Es ist er­staun­lich, dass der Be­zirks­rat sich an­masst, ein Arzt­zeug­nis zu be­ur­tei­len.» Er ha­be ei­ne ge­ord­ne­te Über­ga­be an sei­nen Nach­fol­ger an­ge­strebt und ha­be sich des­halb nicht so­fort krank­schrei­ben las­sen. Hät­te er dies ge­macht, wä­re das Ge­such wohl ge­neh­migt wor­den, den­ke er. «Ich woll­te aber nicht da­von­lau­fen.» Es sei ein schmerz­haf­ter Pro­zess ge­we­sen, sich für ei­nen vor­zei­ti­gen Rück­tritt zu ent­schei­den. «Ich ha­be mich aber dar­auf ein­ge­stellt. Jetzt muss ich mit die­ser un­er­war­te­ten Si­tua­ti­on klar­kom­men.» Es sei noch zu früh, um zu sa­gen, was die nächs­ten Schrit­te sind. Am Mon­tag kom­me der ge­sam­te Ge­mein­de­rat zur ers­ten Sit­zung nach den Fe­ri­en zu­sam­men. «Dann schau­en wir, was der Be­zirks­rats­ent­scheid für das Gre­mi­um heisst.»

Hof­fen auf Re­gie­rungs­rat

Jog­gi Riedt­mann sagt, er neh­me den Ent­scheid zur Kennt­nis. «Über­rascht bin ich dar­über aber nicht», sagt er. An­ge­sichts des Be­schlus­ses, den der Be­zirks­rat im Kon­flikt um Car­la Lo­retz En­de Ju­ni ge­fällt ha­be, sei der Ent­scheid des Be­zirks­ra­tes letzt­lich kon­se­quent.

Riedt­mann gab in sei­nem Rück­tritts­ge­such an, «dass ich un­ter den ak­tu­el­len Ge­ge­ben­hei­ten nicht mehr be­reit und in der La­ge bin, mei­ne Kraft und Ener­gie der Aus­übung mei­nes Am­tes zu wid­men». Dem Be­zirks­rat schien dies nicht zu ge­nü­gen und er for­der­te auch Riedt­mann auf, kon­kre­te Grün­de nach­zu­lie­fern. «Dem bin ich nach­ge­kom­men. Ein Arzt­zeug­nis ha­be ich je­doch nicht mit­ge­schickt», sagt er und er­gänzt: «Ich ha­be aus­ge­führt, dass die Si­tua­ti­on mich auch ge­sund­heit­lich be­las­tet. Krank bin ich des­we­gen aber nicht, und ein Ge­fäl­lig­keits­zeug­nis kam für mich nicht in­fra­ge.» Wenn aber der Be­zirks­rat schon nicht be­reit sei, Car­la Lo­retz im Amt ein­zu­stel­len, dann sol­le er sein Er­mes­sen aus­nut­zen und die Rück­tritts­wil­li­gen auch ge­hen las­sen, sagt Riedt­mann.

«Ich ha­be mei­nen Rück­tritt an­ge­bo­ten, um Platz für Neu­wah­len zu schaf­fen. Der Be­zirks­rat ver­hin­dert dies nun.» Jog­gi Riedt­mann wird den Ent­scheid nicht wei­ter­zie­hen. «Ich ma­che mei­ne Ar­beit wei­ter­hin ge­wis­sen­haft und so gut, wie es die Si­tua­ti­on zu­lässt.» Dass er En­de Le­gis­la­tur 2022 nicht mehr an­tritt, ha­be er schon vor dem Kon­flikt kom­mu­ni­ziert. Das Ur­teil der Auf­sichts­be­hör­de im Kon­flikt von En­de Ju­ni hat der Ge­mein­de­rat je­doch schon vor län­ge­rem wei­ter­ge­zo­gen. «Ich hof­fe nun auf die Beur­tei­lung durch den Re­gie­rungs­rat und bin zu­ver­sicht­lich, dass er un­ter Ein­be­zug al­ler Fak­ten an­ders ent­schei­den wird als der Be­zirks­rat.»

Ei­ne Fra­ge der Be­grün­dung

Nebst den drei Ge­mein­de­rä­ten hat­ten auch vier Mit­glie­der der Schul­pfle­ge ih­ren Rück­tritt ein­ge­reicht. Dort hat der Be­zirks­rat an­ders ent­schie­den. Chris­ta Stün­zi (GLP), Moira Trönd­le (SP) und Su­san­ne Zum­taug­wald (FDP) dür­fen ge­mäss Mit­tei­lung des Ge­mein­de­ra­tes zu­rück­tre­ten. Bei Do­ris Klee (SP) ist der Ent­scheid noch hän­gig. Die drei Schul­pfle­ge­rin­nen

hät­ten Grün­de gel­tend ge­macht, die ei­ne Ent­las­sung aus dem Amt mög­lich mach­ten, sagt Be­zirks­rats­prä­si­dent Ar­min St­ein­mann. In­halt­lich sagt er nichts zu den Rück­tritts­ge­su­chen. Die Schul­pfle­ge­rin­nen woll­ten ent­we­der kei­ne Aus­kunft ge­ben oder wa­ren nicht er­reich­bar.

Doch ih­re Er­klä­run­gen an der Me­di­en­kon­fe­renz vom Ju­ni las­sen den Schluss zu, dass sie nicht ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me, son­dern be­ruf­li­che Grün­de gel­tend mach­ten. So sag­te Chris­ta Stün­zi, dass sie im­mer mehr Auf­ga­ben über­neh­men muss­te, weil der Kon­flikt mit Car­la Lo­retz aus­ge­ar­tet sei. Des­halb ha­be sie die Ab­ga­be ih­rer Dis­ser­ta­ti­on im­mer wie­der ver­schie­ben müs­sen. Das sei jetzt nicht mehr mög­lich. Su­san­ne Zum­taug­wald führ­te ins Feld, die Mehr­be­las­tung ha­be ein Aus­mass an­ge­nom­men, wel­che klar das 20-Pro­zent-Pen­sum ih­res Am­tes über­stei­ge. Dies las­se sich mit ih­rer Wei­ter­bil­dung so­wie dem Auf­bau ei­nes ei­ge­nen Ge­schäfts nicht ver­ein­ba­ren.

Wah­len im No­vem­ber

Für die Schul­pfle­ge Hor­gen gilt es nun, Er­satz­wah­len durch­zu­füh­ren. Der Ge­mein­de­rat setz­te die Wah­len auf den 29. No­vem­ber fest. Am Frei­tag er­scheint in der «Zü­rich­see-Zei­tung», dem amt­li­chen Pu­bli­ka­ti­ons­or­gan der Ge­mein­de Hor­gen, der Hin­weis, Wahl­vor­schlä­ge ein­zu­rei­chen.

Car­la Lo­retz teilt auf An­fra­ge mit, die be­wil­lig­ten Rück­tritts­ge­su­che und die Er­satz­wah­len lies­sen «zu­min­dest in der Schul­pfle­ge die Chan­ce auf ei­nen Neu­an­fang zu». Sie ver­spricht, ei­ne kon­struk­ti­ve und re­spekt­vol­le Zu­sam­men­ar­beit zu pfle­gen und ih­re Auf­ga­ben und Ver­ant­wort­lich­kei­ten wahr­neh­men zu wol­len.

Ar­chiv­fo­to: Michael Trost

Theo Leut­hold (rechts) und Jog­gi Riedt­mann (Mit­te) woll­ten aus dem Ge­mein­de­rat Hor­gen zu­rück­tre­ten. Der Be­zirks­rat lässt dies nicht zu.

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