Über­ar­bei­te­te Plä­ne für Ge­län­de di­rekt am Zü­rich­see

Im Ro­t­holz an der Gren­ze zu Ue­ti­kon sol­len zwei Wohn­häu­ser ent­ste­hen. Dies geht aus dem pri­va­ten Gestal­tungs­plan her­vor. Auch viel Grün ist vor­ge­se­hen.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseit­e - Re­gu­la Li­e­nin

An der Gren­ze zu Ue­ti­kon sol­len auf dem Ge­mein­de­ge­biet von Mei­len zwei Wohn­ge­bäu­de ent­ste­hen. Ein kon­kre­tes Bau­pro­jekt liegt nicht vor, aber der pri­va­te Gestal­tungs­plan «Ro­t­holz ll» zeigt, wie das Ge­län­de di­rekt am See künf­tig aus­sieht. Mehr als die Hälf­te wird be­grünt, ein grosser Teil ist als öko­lo­gi­scher Le­bens­raum für Flo­ra und Fau­na kon­zi­piert. Aus­ser­dem ent­ste­hen Ra­sen­flä­chen und ein Teil des See­uf­er­wegs, der auf dem be­nach­bar­ten ehe­ma­li­gen Che­mie­are­al wei­ter­ge­führt wird. Zur See­stras­se hin sind zwei Bau­kör­per vor­ge­se­hen. In den der­zeit auf­lie­gen­den Un­ter­la­gen ist die Re­de von «qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gem Woh­nen». Ganz neu sind die Plä­ne nicht: Der pri­va­te

Gestal­tungs­plan «Ro­t­holz ll» stammt aus dem Jahr 2009. Weil das Vor­ha­ben an das ge­schei­ter­te Pro­jekt «Ue­ti­kon West» ge­knüpft war, ver­schwand der Gestal­tungs­plan in der Schub­la­de. Der nun vor­lie­gen­de ist ei­ne prä­zi­sier­te Va­ri­an­te da­von.

In al­le Rich­tun­gen hat sich die ehe­ma­li­ge Ue­ti­ker Che­mie­fa­brik in ih­rer 200-jäh­ri­gen Ge­schich­te aus­ge­dehnt: Nicht nur in den See hin­ein, son­dern auch west­wärts, in die Nach­bar­ge­mein­de Mei­len. Wäh­rend das Grund­stück in Ue­ti­kon mitt­ler­wei­le dem Kan­ton und der Ge­mein­de Ue­ti­kon ge­hö­ren, ist die Par­zel­le in Mei­len im Be­sitz der Zoe­chem AG aus Rü­ti, der Nach­fol­ge­fir­ma der Che­mie Ue­ti­kon. Sie plant auf dem Ge­biet Ro­t­holz zwei Bau­kör­per mit Woh­nun­gen. Der Be­schluss zum pri­va­ten Gestal­tungs­plan liegt noch bis En­de Au­gust auf dem Mei­le­mer Bau­amt auf.

Der Ge­mein­de­rat und die Bau­di­rek­ti­on ha­ben be­reits grü­nes Licht ge­ge­ben. Die ak­tu­el­le Auf­la­ge ist die letz­te Hür­de in ei­nem Ver­fah­ren, das elf Jah­re zu­rück­reicht. Da­mals lag der Gestal­tungs­plan schon ein­mal auf. Rea­li­siert wur­de das Vor­ha­ben dann aber im Zu­ge des ge­schei­ter­ten Pro­jekts Ue­ti­kon-West nicht. An der Grund­kon­zep­ti­on des Gestal­tungs­plans hat sich nichts ge­än­dert. Laut dem stell­ver­tre­ten­den Mei­le­mer Ge­mein­de­schrei­ber Marc Ba­mert kam es aber zu Prä­zi­sie­run­gen im Be­reich der Na­tur­schutz­an­lie­gen.

Bis 2008 wur­de das Ge­biet ganz im Wes­ten des ehe­ma­li­gen

Che­mie­are­als für die in­dus­tri­el­le Pro­duk­ti­on be­nö­tigt. Seit­her harrt es der Din­ge – al­len vor­an ei­ner Alt­las­ten­sa­nie­rung. Die­ses Sa­nie­rungs­vor­ha­ben soll star­ten, wenn das Gestal­tungs­plan­ver­fah­ren ganz ab­ge­schlos­sen ist.

Mehr öf­fent­li­che Frei­flä­che

Das Are­al liegt laut der gül­ti­gen Bau- und Zo­nen­ord­nung in der Wohn­zo­ne 1.0 und ent­lang des Sees in ei­nem 20 Me­ter brei­ten Strei­fen in der Frei­hal­te­zo­ne. Der cir­ca 300 Qua­drat­me­ter gros­se Schilf-Röh­richt-Gür­tel, der Rest­be­stand ei­ner 1935 vor­ge­nom­me­nen Auf­schüt­tung und Pflan­zung, be­fin­det sich aus­ser­halb des Gestal­tungs­pe­ri­me­ters. Erst im let­zen Som­mer hat­te der Kan­ton den Schilf­gür­tel mit neu­en An­pflan­zun­gen wie­der­her­ge­stellt. Wie passt dies mit der be­vor­ste­hen­den Alt­las­ten­sa­nie­rung zu­sam­men? «Ge­mäss dem Amt für Ab­fall, Was­ser, Ener­gie und Luft be­steht kei­ne ‹ech­te Tan­gie­rung› der bei­den Vor­ha­ben», lau­tet die Ant­wort von Ba­mert. Bei der See­ufer­auf­wer­tung ha­be es sich um ein par­al­le­les, aber se­pa­ra­tes Pro­jekt ge­han­delt. Mög­lich wur­de die Re­na­tu­rie­rung, weil die Zü­rich­see-Fäh­re Hor­gen-Mei­len AG da­für auf­kam. Im Ge­gen­zug hat­te sie ei­nen zu­sätz­li­chen Fäh­ren­platz in Hor­gen er­hal­ten.

Ganz un­be­strit­ten ist das Bau­vor­ha­ben der Grund­stücks­be­sit­ze­rin nicht. Schon vor elf Jah­ren hat­te sich der Waadt­län­der Ver­ein Ri­ves Pu­bli­ques, der sich schweiz­weit für den freien Zu­gang zu Se­en und Flüs­sen ein­setzt, kri­tisch zu den Plä­nen ge­äus­sert. Der Te­nor: Kon­zes­si­ons­land kön­ne kein pri­va­tes Land sein. Auch in der Auf­la­ge zum In­halt des Gestal­tungs­plans wur­de die­se Ein­wen­dung for­mu­liert. Die Ei­gen­tums­fra­ge kön­ne nicht Ge­gen­stand des Gestal­tungs­plan­ver­fah­rens sein, heisst es im Be­richt zu den nicht be­rück­sich­tig­ten Ein­wen­dun­gen. Trotz­dem hält er un­miss­ver­ständ­lich fest, dass die im Grund­buch ein­ge­tra­ge­ne Ei­gen­tü­me­rin frei über das Land ver­fü­gen kön­ne.

Ein wei­te­rer ab­ge­wie­se­ner Ein­wand be­zog sich auf die öf­fent­li­che Frei­flä­che. Ge­for­dert wur­de ei­ne Ver­grös­se­rung zu­guns­ten der pri­va­ten Frei­flä­che. Die BZO Mei­len de­fi­nie­re 43 Pro­zent des Are­als als öf­fent­li­che Frei­hal­te­zo­ne, heisst es in der Stel­lung­nah­me, und wei­ter: «Der Gestal­tungs­plan stellt als Er­geb­nis der Dis­kus­sio­nen mit kan­to­na­len Fach­stel­len und Ge­mein­de 61 Pro­zent als öf­fent­li­che Frei­flä­che zur Ver­fü­gung.»

Bau­fel­der an See­stras­se

Im ge­stal­tungs­plan­pflich­ti­gen Ge­biet hat ein na­tur­na­her Le­bens­raum Prio­ri­tät. Die Bucht mit dem auf­ge­fors­te­ten Schilf­gür­tel wird nicht di­rekt zu­gäng­lich ge­macht. Der Gestal­tungs­plan weist ei­ne gross­zü­gi­ge Flä­che mit Be­pflan­zun­gen in teils feuch­ten Zo­nen aus. Hin­zu kom­men Wild­ge­höl­ze, St­ein­hau­fen und ein­zel­ne Bäu­me. Das künf­ti­ge Ro­t­holz­ge­biet ist von der See­stras­se aus zu­gäng­lich und wird über den See­uf­er­weg mit dem ehe­ma­li­gen Che­mie­are­al auf Ue­ti­ker Bo­den ver­bun­den. Die bei­den Bau­fel­der, in de­nen «qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges Woh­nen» er­mög­licht wer­den soll, be­fin­den sich vom See ab­ge­wandt an der See­stras­se.

Fo­to: Michael Trost

Die Ro­t­holz­bucht ist links im Bild. Die bei­den Wohn­häu­ser sol­len im hin­te­ren Be­reich des Grund­stücks, an der See­stras­se, ent­ste­hen.

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