Schwan­ge­re gel­ten nun als ge­fähr­de­ter

Seit ges­tern zäh­len auch schwan­ge­re Frau­en zu den durch Co­vid-19 «be­son­ders ge­fähr­de­ten Per­so­nen». Ers­te Ar­beit­ge­ber re­agie­ren und pas­sen ih­re Schutz­kon­zep­te an.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Vorderseit­e - Fa­bi­an Renz, Isa­bel Strass­heim und Alex­an­dra Bröhm

Vor dem Hin­ter­grund ak­tu­el­ler Stu­di­en, die vor al­lem im letz­ten Drit­tel ei­ner Schwan­ger­schaft ein er­höh­tes Ri­si­ko ei­ner Co­ro­na-In­fek­ti­on im­pli­zie­ren, hat der Bund Schwan­ge­re auf die Lis­te der be­son­ders ge­fähr­de­ten Ri­si­ko­per­so­nen ge­setzt. Das hat auch Fol­gen für die Ar­beit­ge­ber der Frau­en. Co­op und Lidl kün­dig­ten be­reits ent­spre­chen­de Mass­nah­men an.

«Bis jetzt deu­tet nichts dar­auf hin, dass ei­ne Co­vid-19-In­fek­ti­on bei Schwan­ge­ren oh­ne Vo­r­er­kran­kun­gen zu schwe­re­ren Sym­pto­men oder ei­nem schwe­re­ren Krank­heits­ver­lauf führt (…) Schwan­ge­re ge­hö­ren da­her nicht zur Ka­te­go­rie der be­son­ders ge­fähr­de­ten Per­so­nen, wie sie vom BAG de­fi­niert ist.» So stand es noch ges­tern Nach­mit­tag un­ter den «häu­fig ge­stell­ten Fra­gen» auf der Web­site des Bun­des­amts für Ge­sund­heit (BAG). Da­bei war das Amt da be­reits um­ge­schwenkt: Wie die Be­tag­ten so­wie Men­schen mit Vo­r­er­kran­kun­gen rech­net der Bund jetzt auch wer­den­de Müt­ter zu den «be­son­ders Ge­fähr­de­ten».

Was hat den Bund zu die­ser Um­klas­sie­rung ver­an­lasst? Pri­mär wa­ren es neue­re For­schun­gen, wie Patrick Ma­thys vom BAG vor den Me­di­en er­läu­ter­te. Wel­che Be­fun­de da­mit ge­meint sind, geht aus ei­nem Ex­per­ten­brief her­vor, den die Schwei­ze­ri­sche Ge­sell­schaft für Gy­nä­ko­lo­gie und Ge­burts­hil­fe ges­tern ver­öf­fent­lich­te. Dem­nach ha­ben Schwan­ge­re ge­mäss ak­tu­ells­ten Stu­di­en ein rund fünf­mal hö­he­res Ri­si­ko als Nicht­schwan­ge­re, we­gen Co­vid-19 ins Spi­tal ein­ge­lie­fert zu wer­den. Das gilt vor al­lem für das letz­te Drit­tel der Schwan­ger­schaft.

Ri­si­ko für Früh­ge­burt

Schwan­ge­re lei­den eher an Über­ge­wicht, Blut­hoch­druck oder Throm­bo­sen – al­les Ri­si­ko­fak­to­ren für ei­nen schwe­ren Krank­heits­ver­lauf. Zu­dem ist die Im­mun­ab­wehr wäh­rend der Schwan­ger­schaft grund­sätz­lich schwä­cher. Ein schwe­rer Krank­heits­ver­lauf er­höht zu­dem das Ri­si­ko für ei­ne Früh­ge­burt. Auch kann sich das Neu­ge­bo­re­ne an­ste­cken, wo­bei es nur sel­ten zu schwe­ren Ver­läu­fen kommt. Noch we­nig weiss man bis­her über die Aus­wir­kun­gen ei­ner In­fek­ti­on mit dem Co­ro­na­vi­rus im ers­ten Schwan­ger­schafts­drit­tel.

Dass der Bund die La­ge jetzt neu be­ur­teilt, wird je­den­falls Fol­gen

ha­ben – zum ei­nen für die schwan­ge­ren Frau­en, de­nen das BAG nun be­son­de­re Vor­sicht in Sa­chen Hy­gie­ne und Prä­ven­ti­on emp­fiehlt. Zum an­de­ren aber auch für die Fir­men, in de­nen die Frau­en ar­bei­ten. «Der Ar­beit­ge­ber

ist un­ter Um­stän­den neu ver­pflich­tet, ei­ne Ri­si­ko­ana­ly­se vor­neh­men zu las­sen», sagt Fa­bi­an Mai­en­fisch vom Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schaft. «Der be­han­deln­de Arzt hat im Ein­zel­fall zu ent­schei­den, ob die not­wen­di­gen

Mass­nah­men zum Schutz der Ar­beit­neh­me­rin und des un­ge­bo­re­nen Kin­des ge­trof­fen wur­den. Oder ob er auf­grund der Ge­fähr­dung die Wei­ter­be­schäf­ti­gung un­ter­sagt.» Ers­te Fir­men ge­ben auf An­fra­ge denn auch be­kannt,

dass sie Schwan­ge­re bes­ser schüt­zen wol­len. «Der Schutz un­se­rer Mit­ar­bei­ten­den hat für uns Prio­ri­tät. Wir wer­den mit den schwan­ge­ren Mit­ar­bei­te­rin­nen Lö­sun­gen fin­den», sagt Patrick Häf­li­ger, Spre­cher von Co­op. Mit­ar­bei­ten­de, die ei­ner Ri­si­ko­grup­pe an­ge­hör­ten, könn­ten ge­gen Vor­wei­sen ei­nes ärzt­li­chen At­tes­tes zu Hau­se blei­ben. «Wir be­han­deln die­se Fäl­le ku­lant und un­kom­pli­ziert», so Häf­li­ger.

Ähn­lich tönt es bei Lidl Schweiz: Man wer­de für die Schwan­ge­ren das Schutz­kon­zept an­wen­den, das für die Ri­si­ko­grup­pen gel­te, sagt Spre­che­rin Co­ri­na Milz. Die Be­trof­fe­nen wür­den bei­spiels­wei­se an Or­ten ein­ge­setzt, «an de­nen kei­ne oder nur sehr we­ni­ge Per­so­nen ar­bei­ten» – oder wäh­rend Zei­ten, zu de­nen nur sehr we­ni­ge Kun­den in den Fi­lia­len sei­en.

Noch un­klar ist, wie die Mi­gros re­agie­ren wird. «Was die neue Ein­stu­fung von Schwan­ge­ren als Ri­si­ko­grup­pe be­deu­tet, ist noch of­fen. Wir wer­den dar­über in den nächs­ten Ta­gen ent­schei­den», er­klärt Fir­men­spre­cher

Mar­cel Sch­lat­ter. Bei der Mi­gros wur­den die Re­geln für Ri­si­ko­grup­pen En­de Ju­ni auf­ge­ho­ben. Die­se müs­sen seit­her wie­der so wie an­de­re An­ge­stell­te ar­bei­ten.

Ri­si­ko­land Spa­ni­en

Nebst der neu­en Ge­fah­ren­stu­fe für Schwan­ge­re traf das BAG ges­tern noch ei­nen wei­te­ren weit­rei­chen­den Ent­scheid: Das spa­ni­sche Fest­land – aber nicht die Ka­na­ri­schen In­seln und die Ba­lea­ren – gilt ab Sams­tag als Co­ro­na-Ri­si­ko­ge­biet. Das be­deu­tet, dass für zehn Ta­ge in Qua­ran­tä­ne muss, wer von dort in die Schweiz ein­reist. Der Ent­scheid dürf­te nicht nur Schwei­zer Fe­ri­en­rei­sen­de tref­fen, son­dern ins­be­son­de­re auch spa­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, die in der Schweiz le­ben und in den Som­mer­wo­chen ih­re Fa­mi­li­en be­such­ten.

Wie vie­le Men­schen mit Schwei­zer Wohn­sitz sich der­zeit in Spa­ni­en auf­hal­ten, ist nicht be­kannt. Patrick Ma­thys vom BAG schätzt ih­re Zahl aber als «be­deu­tend» ein.

Fo­to: Jan Jas­per Klein (Plain­pic­tu­re)

Schwan­ge­re Frau­en gel­ten neu als «be­son­ders ge­fähr­det».

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