Ta­ten wich­ti­ger als Schlag­wor­te

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Forum - Chris­ti­an Dietz-Sa­luz

«St. An­tö­ni­en – hin­ter dem Mond links». Mit die­sem Leit­spruch traf das Dorf im Bünd­ne­ri­schen Prät­ti­gau den tou­ris­ti­schen Na­gel auf dem Kopf. Da weiss je­der Fe­ri­en­gast, was ihn er­war­tet: be­schau­li­che Ab­ge­schie­den­heit.

Mar­ke­ting soll auch im Un­ter­land funk­tio­nie­ren, dach­te man sich rund um die Jahr­tau­send­wen­de. Da­mals be­gan­nen die Ge­mein­den ihr Er­schei­nungs­bild auf­zu­pep­pen, in­dem sie sich Lo­gos und Leit­sprü­che ga­ben. Dies soll­te Fir­men und Ein­woh­ner an­lo­cken und die An­säs­si­gen mit ei­ner Art Cor­po­ra­te Iden­ti­ty bin­den.

Herr­li­berg ein­ver­leib­te sich das in­ter­net­ti­ge «ch» und wur­de zu Herr­li(ch)berg, Mei­len er­höh­te sei­ne Qua­li­tät mit «Le­ben am Zü­rich­see», wor­auf Rüsch­li­kon «Le­bens­freu­de am Zü­rich­see» ver­kün­de­te. Hor­gen «liegt rich­tig», Er­len­bach ist «ein­zig­ar­tig am Zü­rich­see» (ob die ber­ni­sche Part­ner­ge­mein­de Er­len­bach mit «ein­zig­ar­tig im Simm­en­tal» nach­zog?). Stä­fa schrieb sich «Un­ver­wech­sel­bar, sym­pa­thisch, echt» auf die Fah­nen.

Un­ter­des­sen ist die Eu­pho­rie des Ge­mein­de­mar­ke­tings mit Schlag­wor­ten längst ver­flo­gen. Herr­li­berg hat die Pein­lich­keit als ers­te Ge­mein­de am See vor ei­ni­gen Jah­ren wie­der ge­löscht. An­de­re brau­chen wohl noch das mit Lo­go be­druck­te Brief­pa­pier auf und ge­hen dann zu­rück zur nüch­ter­nen Rea­li­tät. Wenn man heu­te nach­fragt, wis­sen nicht ein­mal mehr die Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ten, ob der Leit­spruch noch gilt. Auf den Web­sites fin­det er sich ein­zig noch in Mei­len, Rüsch­li­kon und Hor­gen.

Be­zeich­nend ist die Aus­sa­ge ei­nes Stäf­ner Ver­wal­tungs­ka­ders: «Von mei­nem Kennt­nis­stand aus wird das Mot­to nicht mehr ak­tiv ver­wen­det, son­dern im täg­li­chen Kon­takt mit der Be­völ­ke­rung ge­lebt.» Bra­vo! Ta­ten statt Wor­te, so­zu­sa­gen. Echt sym­pa­thisch. Nur das zählt, um sich im Dorf wohl­zu­füh­len. Da­zu braucht es kei­ne Phra­sen.

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