Hor­ren­des Tem­po der Grü­nen

E-Au­tos, CO₂-frei­es Woh­nen, Kli­ma­auf­la­gen für Im­port­wa­ren: Der Kli­ma­plan der Grü­nen.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Schweiz - Mar­tin Läu­bli

Den Grü­nen ist das Tem­po im Klimaschut­z viel zu tief. Die Ziel­set­zung des Bun­des­ra­tes, bis 2050 «kli­ma­neu­tral» zu sein, reicht ih­nen nicht. Die­ses Ziel soll bis 2030 er­reicht sein, in­dem die Emis­sio­nen im In­land um 50 Pro­zent ge­senkt und im Aus­land um die­sel­be Men­ge re­du­ziert wer­den soll. Und dann soll es in glei­chem Tem­po wei­ter­ge­hen: Ab 2040 soll das Land so­gar «kli­ma­po­si­tiv» wer­den. Dann sol­len mit tech­ni­scher und na­tür­li­cher Hil­fe der At­mo­sphä­re zu­sätz­lich Treib­haus­ga­se ent­zo­gen wer­den, so­dass die Schweiz un­ter dem Strich ei­ne po­si­ti­ve CO2-Bi­lanz aus­wei­sen kann. So sieht der Kli­ma­plan aus, den die Grü­nen ges­tern den Me­di­en vor­ge­stellt ha­ben.

Die Zwi­schen­etap­pen, um die­ses Ziel zu er­rei­chen, sind am­bi­tio­niert. So sol­len ab 2030 nur noch neue Fahr­zeu­ge zu­ge­las­sen wer­den, die mit Strom oder mit Was­ser­stoff fah­ren. Ge­bäu­de dür­fen in zehn Jah­ren kein CO2 durch Hei­zen mehr emit­tie­ren. Die Emis­sio­nen, die wir mit dem Im­port aus­län­di­scher Wa­ren ver­ur­sa­chen, sol­len durch Min­dest­stan­dards für im­por­tier­te Pro­duk­te ge­senkt wer­den. Vor­stell­bar ist ei­ne Kli­ma­ab­ga­be auf im­por­tier­te CO2-in­ten­si­ve Pro­duk­te wie Stahl. Der Mass­nah­men­ka­ta­log ist lang. Vie­le Mass­nah­men gibt es schon, sie sol­len aber ver­schärft wer­den.

Neu in die­sem Kli­ma­plan ist al­ler­dings die Op­ti­on, CO2 aus der At­mo­sphä­re zu fil­tern und je nach­dem im Un­ter­grund zu spei­chern. Die Wis­sen­schaft­ler spre­chen hier von ne­ga­ti­ven Emis­sio­nen. Da bie­tet sich die Auf­fors­tung

an, weil Wäl­der beim Wachs­tum CO2 in ih­rer Bio­mas­se spei­chern. Die Grü­nen se­hen ein gros­ses Po­ten­zi­al in Keh­richt­ver­bren­nungs­an­la­gen, falls das CO2 aus der Ab­fall­ver­bren­nung im Un­ter­grund de­po­niert wer­den kann. In ih­rem Plan wird so­gar vom Bau ei­ner Pi­pe­line ge­spro­chen, die das Gas dort­hin bringt, wo es si­cher auf­be­wahrt wer­den kann. «Wir Grü­nen sind in ers­ter Li­nie nicht für sol­che tech­ni­sche Lö­sun­gen, aber weil wir zu lan­ge im Klimaschut­z ge­war­tet ha­ben, brau­chen wir sie nun», sagt Grü­nen-Na­tio­nal­rat Bas­ti­en Gi­rod.

Die Wis­sen­schaft gibt ihm recht. Im Son­der­be­richt des IPCC, der vor zwei Jah­ren ver­öf­fent­licht wur­de, wird auf­ge­zeigt, dass es des­to schwie­ri­ger wird, ei­ne kri­ti­sche glo­ba­le Er­wär­mung

zu stop­pen, je lang­sa­mer die Emis­sio­nen sin­ken. Auch wenn Mit­te des Jahr­hun­derts die Emis­sio­nen auf null sind: In der At­mo­sphä­re ist dann das De­pot an Treib­haus­ga­sen im­mer noch zu gross, so­dass die Er­wär­mung um 1,5 Grad über­trof­fen wird. Des­halb braucht es Me­tho­den, wel­che das Treib­haus­gas aus der At­mo­sphä­re zie­hen.

Wis­sen­schaft­lich be­trach­tet ha­ben die Grü­nen die Ar­gu­men­te, im Klimaschut­z das Tem­po zu er­hö­hen, auf ih­rer Sei­te. Die Rea­li­tät sieht je­doch bis­wei­len an­ders aus: Zum Bei­spiel ver­brau­chen die in der Schweiz im Jahr 2019 neu zu­ge­las­se­nen Per­so­nen­wa­gen im­mer noch durch­schnitt­lich gut sechs Li­ter fos­si­len Treib­stoff pro 100 Ki­lo­me­ter.

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