Der Neu­start wird zum Murks

Po­si­ti­ve Tests, im­mer wei­te­re Tur­nier­ab­sa­gen, ein US Open oh­ne Fe­de­rer und Na­dal: Die Tour tut sich schwer, aus dem Still­stand zu kom­men.

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Sport - Re­né St­auf­fer

Pa­ler­mo ist die­se Wo­che ers­ter Schau­platz ei­nes Welt­rang­lis­ten­tur­niers, seit der Ten­nis­zir­kus sei­ne Zel­te vor In­dian Wells An­fang März ab­rupt ab­bre­chen muss­te. Die Mel­dun­gen aus Si­zi­li­en sind al­ler­dings nicht sehr be­ru­hi­gend. Nach­dem schon in der Qua­li­fi­ka­ti­on ei­ne Spie­le­rin we­gen ei­nes po­si­ti­ven Tests auf das Co­ro­na­vi­rus hat­te abrei­sen müs­sen, wur­de in­zwi­schen klar, dass die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ziem­lich lasch ge­hand­habt wer­den. So woh­nen die Spie­le­rin­nen in ei­nem Ho­tel ge­mein­sam mit Tou­ris­ten und kön­nen sich auch fast un­ge­hin­dert be­we­gen.

«Sie sa­gen zwar, dass wir hier in ei­ner Bla­se sei­en, aber das ist über­haupt nicht der Fall», gab die Kroa­tin Don­na Ve­kic frei­mü­tig zu. «Ich kann doch nicht be­haup­ten, ich sei ein­ge­sperrt im Ho­tel­zim­mer, wenn ich es nicht bin. Und das trifft auf 90 Pro­zent der Spie­le­rin­nen zu.» Sie sei so­gar in der Stadt zum Din­ner ge­we­sen.

Die ne­ga­ti­ven Nach­rich­ten aus dem Pro­fi­ten­nis fol­gen sich mo­men­tan täg­lich. Am Di­ens­tag ka­men sie aus Spa­ni­en, wo Ra­fa­el Na­dal sei­nen Ver­zicht auf das US Open er­klär­te – die Rei­se ist dem Vor­jah­res­sie­ger we­gen der Co­ro­na­Pan­de­mie zu ge­fähr­lich. Erst­mals seit dem US Open 1999 wer­den da­mit in New York so­wohl Ro­ger Fe­de­rer (er­holt sich von sei­ner Knie­ope­ra­ti­on) als auch Na­dal feh­len. Eben­falls am Di­ens­tag wur­de die Ab­sa­ge des Mas­ters­Tur­niers von Ma­drid of­fi­zi­ell; es hät­te un­mit­tel­bar nach dem US Open die kur­ze Sand­sai­son er­öff­nen sol­len. Aus­schlag­ge­bend wa­ren da­bei die lo­ka­len Be­hör­den.

Noch im­mer auf dem Pro­gramm ste­hen die Sand­tur­nie­re in Rom (ab 20. Sep­tem­ber) und da­nach Ro­land Gar­ros. Die ATP hat die ita­lie­ni­schen Ver­an­stal­ter nach der An­nul­la­ti­on von Ma­drid ge­be­ten, das Ta­bleau auf 96 Spie­ler zu ver­grös­sern, und ist be­reit, für zu­sätz­li­ches Preis­geld auf­zu­kom­men. Wie in Paris sol­len auch im Fo­ro Ita­li­co Zu­schau­er zu­ge­las­sen wer­den. Das Tur­nier be­müht sich zu­dem um ei­ne Be­wil­li­gung, dass sich aus den USA zu­rück­keh­ren­de Spie­ler nicht in Qua­ran­tä­ne be­ge­ben müs­sen.

Viel ri­go­ro­ser geht der ame­ri­ka­ni­sche Ten­nis­ver­band Usta vor. In New York, wo ab 22. Au­gust zu­erst das von Cin­cin­na­ti ge­zü­gel­te Mas­ters­ und WTATur­nier und da­nach das US Open aus­ge­tra­gen wer­den, sind die Schutz­vor­keh­run­gen bis ins De­tail ge­re­gelt. Am Di­ens­tag wur­de den Spie­le­rin­nen und Spie­lern mit­ge­teilt, dass nie­mand die Tur­nier­Bla­se oh­ne schrift­li­che Be­wil­li­gung wird ver­las­sen dür­fen

– un­ter An­dro­hung von Dis­qua­li­fi­ka­ti­on und Bus­sen. Dies ist al­ler­dings im Sin­ne vie­ler, dar­un­ter auch An­dy Mur­ray, der sich für har­te Sank­tio­nen ge­gen Re­gel­bre­cher stark­ge­macht hat.

24-St­un­den-Über­wa­chung – auf ei­ge­ne Rech­nung

Wer in New York ei­ne Pri­vat­woh­nung den of­fi­zi­el­len Ho­tels vor­zieht, muss die­se über den USVer­band bu­chen, sich an stren­ge Si­cher­heits­plä­ne hal­ten und die Kos­ten über­neh­men, um 24 St­un­den pro Tag ge­schützt und über­wacht zu sein. Be­su­che sind streng li­mi­tiert. Je­der US­OpenTeil­neh­mer darf drei Be­glei­ter ak­kre­di­tie­ren, wo­von al­ler­dings im­mer nur ei­ner auf den Courts, in den Gar­de­ro­ben oder den Auf­ent­halts­räu­men sein darf.

Ge­mäss dem US­Ver­band soll aus dem Aus­land an­rei­sen­den Spie­lern die Qua­ran­tä­ne er­spart blei­ben. Nach der An­kunft in New York müs­sen sich aber al­le zwei Co­ro­na­Tests un­ter­zie­hen, die et­wa 48 St­un­den aus­ein­an­der­lie­gen. Wer wäh­rend des Tur­niers po­si­tiv ge­tes­tet wird, muss zehn Ta­ge in Iso­la­ti­on. Fer­tig ist das Tur­nier auch für je­ne, die ihr Zim­mer mit je­man­dem tei­len, der po­si­tiv ge­tes­tet wird.

Im Be­stre­ben, mög­lichst we­nig Leu­te auf die An­la­ge zu las­sen, hat der ame­ri­ka­ni­sche Ver­band auch die Or­ga­ni­sa­ti­on ge­strafft und den Ein­satz elek­tro­ni­scher Li­ni­en­über­wa­chung be­schlos­sen. Nur noch in den zwei gröss­ten Are­nen wer­den die Li­ni­en von Men­schen über­wacht. Das elek­tro­ni­sche Sys­tem, das mit com­pu­ter­si­mu­lier­ten Stim­men ar­bei­tet und «Hawk­Eye live» ge­nannt wird, wur­de schon an meh­re­ren Tur­nie­ren er­folg­reich ge­tes­tet. Sein Ein­satz er­laubt es, die Zahl der Li­ni­en­rich­ter von über 300 auf we­ni­ger als 100 zu re­du­zie­ren.

Acht ver­zich­ten – und das ist wohl erst der An­fang

Trotz et­li­cher pro­mi­nen­ter Ab­sa­gen sieht das Teil­neh­mer­feld des US Open zur­zeit noch gut aus. Von den je­weils bes­ten 30 der Welt­rang­lis­te sag­ten bis­her erst fünf Män­ner und drei Frau­en of­fi­zi­ell ab – ne­ben Na­dal und Fe­de­rer auch Gaël Mon­fils, Fa­bio Fo­gni­ni und Stan Wa­wrin­ka, im Frau­en­tur­nier Ashl­eigh Bar­ty, Qiang Wang so­wie Ana­st­a­sia Pawl­jut­schen­ko­wa. Die­se Lis­te ist al­ler­dings sehr pro­vi­so­risch und dürf­te in den drei Wo­chen bis zum Tur­nier­start noch um ei­ni­ges wach­sen – je nach­dem, als wie löch­rig sich die Bla­se noch er­weist, in der in den kom­men­den Wo­chen Pro­fi­ten­nis ge­spielt wer­den soll.

Noch nicht über ei­nen Start in New York ent­schie­den hat auch Be­lin­da Ben­cic, ei­ne letzt­jäh­ri­ge Halb­fi­na­lis­tin. Die St. Gal­le­rin spielt mo­men­tan mit Chi­as­so im In­ter­club, der am Wo­che­n­en­de mit der Fi­nal­run­de in Win­ter­thur zu En­de geht. Schon kom­men­de Wo­che will Jil Teich­mann in den USA (Lex­ing­ton) zum zwei­ten WTA­Tur­nier nach der Pan­de­mie­Pau­se an­tre­ten. Die Bie­le­rin hat­te letz­tes Jahr das Tur­nier von Pa­ler­mo ge­won­nen, wes­halb es ihr we­gen der Co­ro­na­be­ding­ten Ein­frie­rung der Welt­rang­lis­te nichts ge­bracht hät­te, ih­ren Ti­tel in Si­zi­li­en zu ver­tei­di­gen. Die­ser Aspekt dürf­te auch US­OpenVor­jah­res­sie­ger Na­dal den Ver­zicht auf die Rei­se nach New York deut­lich er­leich­tert ha­ben.

Fo­to: R. Pran­ge (AFP)

Ein­spie­len mit Mas­ke: Ca­mi­la Gior­gi beim ers­ten Welt­rang­lis­ten­tur­nier nach der Zwangs­pau­se.

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