«Je we­ni­ger of­fe­ne Fra­gen, des­to ru­hi­ger die An­ge­le­gen­heit.»

Die Zu­mi­ke­rin hat drei­mal die Schwei­zer Meis­ter­schaft und gar fünf­mal den Cup ge­won­nen. Die An­wäl­tin plä­diert auch bei ih­rem Sport für ei­nen kla­ren «Ga­me-Plan».

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Sport - Auf­ge­zeich­net Do­mi­nic Duss

Das Co­ro­na­vi­rus.

Kam hef­tig, über­rum­pel­te al­le und regt zum Um­den­ken an. Es bleibt wei­ter­hin ei­ne Über­ra­schung, wie es wei­ter­ge­hen wird; es lernt uns, Ve­rän­de­run­gen zu ak­zep­tie­ren und das Bes­te aus neu­en, un­er­war­te­ten Si­tua­tio­nen zu ma­chen.

Wo­für ich al­les ge­ben wür­de.

In sport­li­cher Hin­sicht, für den Schwei­zer Meis­ter Ti­tel 2021.

Was ich mir nie er­lau­ben wür­de.

Trai­nings aus­zu­las­sen (oh­ne ei­nen trif­ti­gen Grund zu ha­ben).

Was ich vor ei­nem Spiel im­mer ma­che.

Kop­flüf­ten bei ei­nem Kaf­fee oder ei­nem Tel­ler Pas­ta mit Freund/ in­nen und Mu­sik hö­ren.

Was ich nach ei­ner Par­tie nie aus­las­se.

Du­schen in der Team-Ka­bi­ne und da­zu viel Plau­dern.

Was ich bes­ser als mei­ne Team­kol­le­gin­nen kann.

Mei­ne Uten­si­li­en in der Hal­le oder Gar­de­ro­be lie­gen zu las­sen – all­ge­mein leicht chao­tisch un­ter­wegs zu sein. Hier hilft mir mei­ne lang­jäh­ri­ge Team­kol­le­gin Tan­ja Stel­la, sie be­hält den Überblick und er­in­nert mich des Öf­te­ren an Ver­ges­se­nes.

Was ich mei­nem Trai­ner mal mit­tei­len möch­te.

Ich ar­bei­te­te schon mit vie­len ver­schie­de­nen Trai­ner-Ty­pen zu­sam­men, da gibt es im­mer wie­der das ei­ne oder an­de­re zu be­spre­chen. Ein kla­rer «Ga­mePlan» ist mei­nes Erach­tens aber das A und O und führt zu we­nig Dis­kus­sio­nen und er­folg­rei­chen Spie­len – mei­nes Erach­tens ins­be­son­de­re in Be­zug auf Frau­en­Teams, je we­ni­ger of­fe­ne Fra­gen, des­to ru­hi­ger ist die An­ge­le­gen­heit (lä­chelt).

Wer mich am meis­ten be­ein­flusst hat.

Ich wür­de sa­gen, das Team­le­ben an sich. Im Team zu agie­ren, zu funk­tio­nie­ren und er­folg­reich zu sein, braucht viel Ab­stim­mung und man lernt zu ak­zep­tie­ren,

Die 30-jäh­ri­ge Zu­mi­ke­rin Michelle Wi­ki will noch ei­nen drauf­le­gen. Die 115-fa­che Schwei­zer Na­tio­nal­spie­le­rin will nach 2008, 2009 und 2019 noch­mals Schwei­zer Meis­te­rin mit den Klo­ten-Diet­li­kon Jets wer­den. Gar fünf­mal hat sie den Schwei­zer Cup ge­won­nen. In Schwe­den wur­de sie ein­mal Vi­ze­meis­te­rin. Ih­re gröss­te Er­fol­ge in­des wa­ren ne­ben dem End­spiel­sieg mit Diet­li­kon im Eu­ro­pa­cup 2008 die Sil­ber­me­dail­le an der Heim-WM 2019 in Neu­en­burg.

dass die ei­ge­nen An­sich­ten nicht im­mer die er­folg­ver­spre­chends­ten sind. Ne­ben ver­schie­de­nen Cha­rak­te­ren, mit de­nen man zu­sam­men­ar­bei­ten darf, gab es in mei­nen Jah­ren als Team­sport­le­rin auch im­mer wie­der ver­ein­zel­te Spie­le­rin­nen, Si­mo­ne Berner, um ei­nen Na­men zu nen­nen, de­ren Mei­nun­gen ich be­son­ders stark zu Her­zen nahm und die mich so be­ein­fluss­ten und wei­ter­brach­ten.

Wen ich be­wun­de­re.

Mei­nen äl­te­ren Bru­der, der sich nach sei­ner Fuss­ball­ka­rie­re für Tri­ath­lon ent­schie­den hat und nun St­un­den auf dem Ve­lo, im Was­ser oder beim Ren­nen ver­bringt. Die­ser Ehr­geiz, oh­ne ei­nen Ball Höchst­leis­tun­gen zu er­brin­gen, hat mich noch nicht ge­packt. Den Durch­hal­te­wil­le der Aus­dau­er-Sport­ler be­wun­de­re ich sehr.

Was ich über­haupt nicht mag. Zu we­nig Schlaf, schwe­re und mü­de Bei­ne, hung­rig zu sein.

Was ich ei­ner Ge­gen­spie­le­rin sa­ge, die mich nervt. Trash-talk kommt si­cher­lich vor, ist ne­ben dem Feld aber schnell wie­der ver­ges­sen und so­mit hier nicht er­wäh­nens­wert (lä­chelt).

Wem ich ei­nen Tipp ge­ben möch­te.

Jun­gen Spie­le­rin­nen, früh­zei­tig in in­ten­si­ves Kraft- und Aus­dau­er­trai­ning zu in­ves­tie­ren. Ta­lent am Ball ist schön und gut, reicht aber lei­der in­ter­na­tio­nal oft­mals nicht aus. Mei­ne bei­den Sai­sons in der höchs­ten schwe­di­schen Li­ga ha­ben mir ge­zeigt, dass Schwei­zer Uni­ho­ckey­spie­le­rin­nen zu spät be­gin­nen, ei­nen gros­sen Teil des Fo­kus auf die Fit­ness zu le­gen. Die Schwe­din­nen hin­ge­gen sind schon in frü­hen Jah­ren fleis­sig im Fit­ness­raum.

Wo­rin ich vor­bild­lich bin.

Ich bin wohl sehr dis­zi­pli­niert und ver­fol­ge mei­ne Zie­le mit viel Wil­len und Ehr­geiz.

Wann ich mei­ne Fas­sung ver­lie­re.

Wenn ich mich un­ge­recht be­han­delt füh­le, zum Bei­spiel zu Zei­ten, als ich noch zu Hau­se wohn­te und vom Trai­ning nach Hau­se kam, mir mei­ne drei Ge­schwis­ter aber nichts vom Abend­es­sen üb­ri­glies­sen. Die­ses kon­kre­te Bei­spiel kommt heu­te na­tür­lich nicht mehr vor, aber es gibt im­mer wie­der Si­tua­tio­nen, sei es im Ar­beits­le­ben, im Sport oder pri­vat, die ich als un­ge­recht ein­schät­ze – mei­ne Re­ak­tio­nen dar­auf ha­be ich aber gröss­ten­teils bes­ser in den Griff be­kom­men – spe­zi­el­len Dank hier auch an mei­ne Men­tal­trai­ne­rin (lä­chelt).

Was ich an mei­nem Sport nicht mag.

Zu schnel­le Ver­tei­di­ger . . . (lä­chelt)

Was ich in die­sem Jahr un­be­dingt er­rei­chen will.

Den Cup­sieg und Schwei­zer­meis­ter­ti­tel!

Mit wem ich ger­ne ei­nen Kaf­fee trin­ken wür­de. Re­gel­mäs­si­ger mit mei­nen Kol­le­gin­nen, das sind im­mer schö­ne Mo­men­te, wel­che lei­der zu spär­lich vor­kom­men ne­ben mei­nem Trai­nings­all­tag.

Mit wem ich nie al­lei­ne in ei­nem Raum sein möch­te.

Mit ei­ner Kat­ze, ir­gend­wie ver­tra­gen die mei­ne al­len­falls teil­wei­se ner­vö­se Art nicht gut.

Mit dem/die­ser wür­de ich ger­ne mal für ei­nen Tag lang tau­schen.

Mit nie­man­dem spe­zi­fisch, je­doch ist der All­tag ei­nes Pro­fiS­port­lers zu­min­dest teil­wei­se schon be­nei­dens­wert – so ger­ne ich mei­nem Job als An­wäl­tin nach­ge­he, sich für ei­ne län­ge­re Zeit nur dem Sport wid­men zu kön­nen, hät­te wohl auch sei­nen Reiz.

Wo­hin ich das nächs­te Mal in die Fe­ri­en ge­he.

Mei­ne nächs­ten Fe­ri­en fin­den mit grosser Wahr­schein­lich­keit im Mai nach der Uni­ho­ckey­sai­son statt. Ich hof­fe, dass wir als Team den Meis­ter­ti­tel für ein paar Ta­ge ir­gend­wo in der Son­ne aus­gie­big fei­ern kön­nen. Auch in Zürich, wenn die Son­ne scheint, fühlt sich ei­ne «Meis­terWo­che» su­per gut an (lä­chelt).

«Trash-talk kommt si­cher­lich vor, ist ne­ben dem Feld aber schnell wie­der ver­ges­sen und so­mit hier nicht er­wäh­nens­wert (lä­chelt).»

Wor­über ich mich am meis­ten freue.

Ne­ben ei­nem wich­ti­gen Sieg sind dies «klei­ne» Din­ge, wie ei­ne ge­sel­li­ge Run­de mit Freun­den und Fa­mi­lie, ei­nen Sonn­tag, an dem ich lan­ge aus­schla­fen und brun­chen kann oder Ta­ge am Meer.

Was ich un­be­dingt ver­mei­den soll­te.

Stau auf dem Weg ins Trai­ning – sehr ner­ven­auf­rei­bend.

Was ich in zehn Jah­ren ma­chen wer­de.

In zehn Jah­ren bin ich tat­säch­lich schon vier­zig … Ich ar­bei­te als An­wäl­tin und küm­me­re mich al­len­falls um mei­ne Fa­mi­lie – wer weiss, ich las­se mich über­ra­schen, was das Le­ben bringt.

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