Vom Men­schen aus­ge­rot­tet wor­den

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Forum -

Aus­ga­be vom 4. Au­gust

«Be­droh­te Wald­rap­pe ras­ten im Gas­ter»

So er­freu­lich es für mich als Zoo­lo­ge ist, dass der Wald­rapp auf der Titelseite er­scheint, so är­ger­lich sind für mich die zoo­lo­gi­schen Feh­ler in dem Ar­ti­kel. Zum Bei­spiel im Satz «Der Wald­rapp ist in Mit­tel­eu­ro­pa na­he­zu aus­ge­stor­ben in der freien Wild­bahn». Der Wald­rapp ist nicht «na­he­zu», son­dern ganz aus Eu­ro­pa ver­schwun­den. Er ist nicht «aus­ge­stor­ben» – dies ist ein na­tür­li­cher, bio­lo­gi­scher Vor­gang im Lau­fe der

Evo­lu­ti­on mit dem be­kann­tes­ten Bei­spiel der Sau­ri­er – son­dern vom Men­schen im 17. Jahr­hun­dert in Eu­ro­pa di­rekt aus­ge­rot­tet wor­den. «Die freie Wild­bahn» ist ei­ne vom Men­schen künst­lich ge­schla­ge­ne Schnei­se im Wald, da­mit der Jä­ger beim Schies­sen freie Sicht hat. Auch die «Art der Ibis­vö­gel» ist zoo­lo­gi­scher Un­sinn: Die vie­len welt­weit ver­brei­te­ten Ibis­ar­ten bil­den die Fa­mi­lie der Ibis­vö­gel. Nach­dem der Wald­rapp im 17. Jahr­hun­dert in Eu­ro­pa aus­ge­rot­tet wor­den ist, ist es auch lo­gisch, dass es in See-Gas­ter 400 Jah­re kei­ne Be­ob­ach­tun­gen gab. Nicht er­wähnt sind die 200 bis 250 Wald­rap­pen, die in meh­re­ren Ko­lo­ni­en an der ma­rok­ka­ni­schen At­lan­tik­küs­te vor­kom­men. Die klei­ne Ko­lo­nie in der Tür­kei wird von Men­schen be­treut und über die we­ni­gen Wald­rap­pen im Bür­ger­kriegs­land Sy­ri­en lie­gen kei­ne neu­en Be­ob­ach­tun­gen vor. Chris­ti­an R. Schmidt, Küs­nacht

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