Li­ba­non lehnt Hil­fe aus Is­ra­el ab

Zürichsee-Zeitung (Meilen) - - Ausland - Pe­ter Münch, Tel Aviv

Die Ex­plo­si­on in der li­ba­ne­si­schen Haupt­stadt Bei­rut hat Schock­wel­len rund um den Glo­bus ge­schickt, aus vie­len Län­dern kom­men nun Hilfs­an­ge­bo­te. Das geht nicht nur über al­le Gren­zen hin­weg, son­dern auch über Fron­ten: Selbst der Erz­feind Is­ra­el bot sei­ne Un­ter­stüt­zung an. Da­bei sind die bei­den Län­der seit Jahr­zehn­ten in krie­ge­ri­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen ver­strickt.

Ge­ra­de in jüngs­ter Zeit wa­ren die Span­nun­gen zwi­schen Is­ra­el und der li­ba­ne­si­schen Hiz­bol­lahMi­liz wie­der gross. So gross, dass Re­gie­rungs­ver­tre­ter in Jerusalem un­mit­tel­bar nach der Ex­plo­si­on, als man noch nichts über de­ren Ur­sa­che wuss­te, so­fort ver­si­cher­ten, dass Is­ra­el da­mit nichts zu tun ha­be. Zur Not­la­ge im Nach­bar­land twit­ter­te ein Spre­cher der is­rae­li­schen Ar­mee auf Ara­bisch: «Das ist die Zeit, in der der Kon­flikt aus­sen vor bleibt.»

«Stre­cken die Hand aus»

Eben­falls auf Ara­bisch ver­si­chert Is­ra­els Prä­si­dent Reu­ven Riv­lin: «Wir tei­len den Schmerz des li­ba­ne­si­schen Vol­kes und stre­cken die Hand aus zur Hil­fe in die­ser schwie­ri­gen Zeit.» An­ge­bo­ten wur­de die­se Hil­fe un­ter Fein­den über ver­schie­de­ne di­plo­ma­ti­sche Ka­nä­le, dar­un­ter die UNO und Frank­reich. Pre­mier­mi­nis­ter Ben­ja­min Ne­tanya­hu wies sei­nen Si­cher­heits­be­ra­ter an, in die­ser Sa­che mit dem in Jerusalem nicht im­mer wohl­ge­lit­te­nen UNO-Nah­ost­ge­sand­ten Nickolay Mla­de­nov Kon­takt auf­zu­neh­men.

Kon­kre­te Hilfs­an­ge­bo­te zur Be­hand­lung von Ver­letz­ten ka­men von is­rae­li­schen Spi­tä­lern. Der Di­rek­tor des Ziv-Ho­s­pi­tals in der Nä­he der Gren­ze ver­wies in ei­ner ara­bi­schen Face­book-Nach­richt dar­auf, dass schon in der Ver­gan­gen­heit in sei­ner Kli­nik Pa­ti­en­ten aus dem Süd­li­ba­non und Op­fer des sy­ri­schen Bür­ger­kriegs be­han­delt wor­den sei­en. Ei­ne be­son­de­re No­te der So­li­da­ri­tät sen­de­te der Tel Avi­ver Bür­ger­meis­ter Ron Hul­dai mit der An­kün­di­gung, das Ge­bäu­de der Stadt­ver­wal­tung in den Far­ben der li­ba­ne­si­schen Flag­ge er­strah­len zu las­sen: «Hu­ma­ni­tät hat Vor­rang vor je­dem Kon­flikt.»

In Bei­rut al­ler­dings re­agier­te man ab­leh­nend auf die is­rae­li­schen Of­fer­ten. «Wir neh­men kei­ne Hil­fe von ei­nem feind­li­chen Staat an», hiess es aus der Re­gie­rung.

Will­kom­me­ner und weit­aus un­kom­pli­zier­ter ist es na­tür­lich, die aus vie­len ara­bi­schen Nach­bar­län­dern und aus dem Iran von den Pa­ten der schii­ti­schen Hiz­bol­lah an­ge­bo­te­ne Un­ter­stüt­zung an­zu­neh­men. Aus dem Wes­ten sag­ten ne­ben den USA auch Deutsch­land, Frank­reich und die Schweiz so­fort Hil­fe zu.

Die Schweiz steht be­reit

Die Schweiz und der Li­ba­non stün­den sich na­he, schrieb Bun­des­prä­si­den­tin Si­mo­net­ta Som­maru­ga auf Twit­ter. Sie sei be­stürzt über die Bil­der aus Bei­rut. Sie sprach der li­ba­ne­si­schen Be­völ­ke­rung, den Ver­letz­ten und den An­ge­hö­ri­gen der Op­fer ihr «tief emp­fun­de­nes Mit­ge­fühl» aus. Auch Aus­sen­mi­nis­ter Igna­zio Cas­sis sprach der Be­völ­ke­rung des Li­ba­non sein Bei­leid aus. Er schrieb auf Twit­ter, die Schweiz sei be­reit zu hel­fen.

Haupt­um­schlag­platz für die in­ter­na­tio­na­le Hil­fe dürf­te der Bei­ru­ter Flug­ha­fen wer­den. Der See­ha­fen wird wohl we­gen der Zer­stö­run­gen durch die Ex­plo­si­on bis auf wei­te­res aus­fal­len.

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