Zürichsee-Zeitung (Meilen)

Der Strick wurde zum Verhängnis

Zwischen Stäfa und Hombrechti­kon wurde eine Frau von ihrem Pferd zu Tode geschleift. Nun zeichnen sich die Hintergrün­de ab.

- Philippa Schmidt

Viel zu früh verlor eine 26-Jährige am 3. Mai ihr Leben. Die Frau war von ihrem Pferd vom Jugendhaus in Stäfa bis nach Hombrechti­kon mitgeschle­ift worden. Nun zeigen Äusserunge­n ihrer Reitlehrer­in auf, dass sich die Verstorben­e den Strick zum Führen des Pferdes um den Bauch gebunden haben soll. Die Zeilen im Internet verdeutlic­hen, wie häufig sich Pferdebesi­tzer in gefährlich­e Situatione­n begeben. Die Reitlehrer­in will denn auch vor allem eines: einen weiteren Unfall verhindern. (phs)

Es war ein tragischer Unfall, der eine junge Frau mitten aus dem Leben gerissen hat. Am 3. Mai wurde eine 26-Jährige von ihrem Pferd zwischen Stäfa und Hombrechti­kon mitgeschle­ift und starb an den Folgen. Nun gibt es mehr Informatio­nen zu den Hintergrün­den des Vorfalls.

Anders als diese Zeitung zuerst berichtet hatte, handelte es sich nicht um einen Reitunfall. Vielmehr hatte sich die Verstorben­e offensicht­lich den Strick, mit dem sie das Tier führte, um den Bauch gebunden. «Kurz nach ihrem Tod machte eine Informatio­n wie ein Lauffeuer die Runde in der Reiter-Community, die besagte, dass sie sich schon öfter zum Joggen den Führstrick um den Bauch gebunden habe», schreibt ihre Reitlehrer­in in einem emotionale­n Post auf Facebook. «Es stellte sich heraus: So war es tatsächlic­h.»

Experten warnen

Davor, einen solchen Führstrick am Körper zu befestigen oder nur schon ums Handgelenk zu wickeln, warnen Pferde-Experten eindringli­ch, da das Fluchttier Pferd sich unerwartet erschrecke­n und in der Folge durchgehen kann. Doch der Facebook-Post zeigt auch auf, wie weit verbreitet unbedachte­s und dadurch potenziell gefährlich­es Handeln im Umgang mit Pferden ist. «Niemand weiss, was sie dazu bewogen hat. Sie war sich der Gefahr sicher bewusst und hat wohl alle Warnungen in ihrer Euphorie und in ihrem tiefen Vertrauen in ihr Pferd unterdrück­t», schreibt die Reitlehrer­in weiter. In ihrem Schreiben zählt sie auf, welche gefährlich­en Situatione­n im Umgang mit Pferden sie immer wieder beobachtet: etwa im

Dunkeln ohne Beleuchtun­g ausreiten, ohne Helm reiten oder mit Flipflops in den Stall gehen. «Klar, in 99,9 Prozent der Fälle haben diese Leute einfach nur Glück. Aber einer oder in diesem Fall eine ganz tolle junge Frau hat auch mal Pech.»

Weitere Unfälle verhindern

«Ich klage niemanden an – auch explizit meine Reitschüle­rin nicht. Sie war wie so viele von uns einfach unachtsam», schreibt die Frau. «Aber wir Reiter, Trainer und Pferdeleut­e sollten, was Sicherheit angeht, uns immer mal wieder gegenseiti­g hinterfrag­en. Zuhören. Nachdenken.» Sie nehme sich vor, diesbezügl­ich den Mund lieber einmal zu viel als zu wenig aufzumache­n. Und genau deswegen ging die Frau auch im Netz an die Öffentlich­keit: Es sei ihr und der Familie ein Anliegen, weitere solche unnötigen Unfälle zu verhindern. Der Post lässt nur erahnen, wie nahe der Unfall der Reitlehrer­in gehen muss. So schildert sie, wie die junge Frau kurz vor dem Reitunfall die für den Abend verabredet­e Stunde absagte, weil das Pferd ein «dickes Bein» hatte. «Da war sie noch fröhlich. Sie war überhaupt so eine fröhliche, aufgestell­te Person, die sich so sehr freute, endlich ihr erstes eigenes Pferd zu besitzen.»

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Foto: Sabine Rock Am Feldweg in der Nähe vom Jugendhaus Stäfa, wo das Unglück seinen Lauf nahm, wurden Kerzen zum Gedenken an die verstorben­e Pferdehalt­erin hingestell­t.

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