Zürichsee-Zeitung (Meilen)

Goldküsten-Team auf Erfolgswel­le

Die Goldcoast Wallabies aus Erlenbach spielen in der Nationalli­ga B so gut wie noch nie. Neven Kljajic erzählt, wie er den sportliche­n Aufstieg erlebt und der Lockdown seine Rolle verändert hat.

- Stefan Kleiser

Die Goldcoast Wallabies aus Erlenbach sind in der laufenden NLB-Meistersch­aft noch ungeschlag­en. In den vorhergehe­nden Saisons hatte die Mannschaft seit dem Aufstieg 2018 nur selten gewonnen, nun reiht sie Sieg an Sieg. Neven Kljajic verrät, wie sich die Wallabies unter Coach Trésor Quidome vom Verlierer- zum Spitzentea­m gewandelt haben. Der Innenspiel­er aus Egg kommt seit dem Lockdown viel mehr zum Einsatz und nimmt in der Equipe eine neue Rolle wahr.

Es war eine Partie, die eigentlich schon verloren war. Und das zeigt, dass sich etwas verändert hat. Mit 22 Punkten lagen die Goldcoast Wallabies im Heimspiel vor zwei Wochen im Rückstand. Doch mit einer starken zweiten Halbzeit gelang den NLB-Basketball­ern von der Goldküste noch die Wende und ein 80:69-Sieg im prestigetr­ächtigen Duell mit Swiss Central Basket.

«Es waren zwei verschiede­ne Spiele in einem Spiel», wundert sich Neven Kljajic. Nach dem Aufstieg von 2018 war die Equipe zwei Jahre lang zuverlässi­g Punktelief­erant für die Gegner. Fast alle Matches gingen verloren. Jetzt reiht das Team einen Erfolg an den anderen und führt die Tabelle der zweithöchs­ten Spielklass­e an.

«Die Struktur hat sich verändert», erklärt Innenspiel­er Kljajic, der seit fast vier Jahren für die Goldcoast Wallabies antritt. Zwei Ausländer, die zuverlässi­g gute Leistungen ablieferen, geben der Mannschaft Halt. «Ich fühle mich sicher», sagt Kljajic.

Angst vor Wiederbegi­nn

Bereits zum Ende der letzten Saison hatte sich das Gefühl eingestell­t, «dass wir es schaffen können», erinnert sich Neven Kljajic. Zwar lag das Team wie gehabt am Ende der Tabelle. Doch es hatte die letzten drei Partien vor dem Abbruch der Meistersch­aft gewonnen. Mit guten Ergebnisse­n ging es auch weiter: Drei Siege im Herbst zum Auftakt der neuen Spielzeit, nun zwei Erfolge nach dem Restart des NLBChampio­nats. Die Wallabies sind ein Spitzentea­m geworden.

Neven Kljajic ist jedoch ehrlich. «Ich hatte vor dem Wiederbegi­nn Angst», gesteht der 24-Jährige, «weil uns viele Spieler fehlen». Mit Point Guard Marvin Kangsen und dem grossgewac­hsenen Adeleke Karera sind wichtige Basketball­er mit viel Einsatzzei­t seit dem zweiten Lockdown nicht mehr mit dabei. Auch Kljajic glaubte nicht an eine Wiederaufn­ahme der Meistersch­aft. «Ich bin aber froh, dass es weitergeht. Ich frage mich, was andere am Abend machen.»

«Das Warten war schlimm»

Er selbst habe in der Zeit ohne Basketball neue Hobbys entdeckt. «Ich habe angefangen Klavier zu spielen, hatte mehr Zeit für die Familie, ging spazieren, und ich lese gerne.» Daneben habe er sich zu Hause in Egg «auf irgendeine Art» fit gehalten, etwa mit dem Rudergerät des Bruders. Der wollte es eigentlich entsorgen, als er auszog. «Es war ein Warten, es war schlimm. Im ersten Lockdown war schönes Wetter, du konntest draussen werfen. Aber beim zweiten Mal ging es auf den Winter zu.»

Als es wieder los ging, fand sich Neven Kljajic in einer neuen Rolle. Plötzlich stand er über 30 Minuten pro Partie auf dem Spielfeld, also doppelt so lange wie vorher. «Dabei liegt meine produktive Zeit bei vielleicht 20, 25 Minuten.» Sein Mindset habe sich verändert, hat er beobachtet. «Früher dachte ich: Coach, gib mir eine Auszeit, danach komme ich wieder rein. Nun muss ich durchhalte­n.» Weil Michael Abend, mit dem er die Position teilte, auch noch nicht zurück ist in der Mannschaft.

Coach ermutigt zum Werfen

Zuletzt verbessert­e Kljajic auch seine Trefferquo­te bei Würfen aus der Nah- und Mitteldist­anz (von 50 Prozent in den vergangene­n zwei Saisons auf 70 in der laufenden Spielzeit). «Der Coach ermutigt mich nun zu werfen. Das habe ich früher nie gehört», lacht Kljajic. Mit 18 hatte er bei GC in der NLB gespielt, «aber da waren viele erfahrene Spieler und das Wichtigste für mich, dass ich von ihnen lerne». Bis ihn mit 20 ein Kreuzbandr­iss ausser Gefecht setzte.

Eineinhalb Jahre dauerte die Pause. Bei den Wallabies in der 1. Liga fand Kljajic zurück zum Basketball. «Aber der Drive war weg, ich musste die Motivation wieder finden.» Das Ziel war nach der Verletzung nicht mehr, es in die NLA zu schaffen. Seit zwei Wochen arbeitet der studierte Informatik­er in einem VollzeitPe­nsum in der Webentwick­lung. Wichtig sei ihm ein tolles Team, gute Trainings, der Zusammenha­lt. «Jetzt ist es so, wie wenn ich mich am Abend mit Kollegen zum Basketball treffen würde.»

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Foto: Stefan Kleiser Plötzlich Sieger: Neven Kljajic ist mit den Goldcoast Wallabies in der laufenden der NLB-Meistersch­aft noch ungeschlag­en.

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