Zürichsee-Zeitung (Meilen)

Der Staat soll fürs Kochen bezahlen

Im Zoobericht 2020 wird die Tierhaltun­g im Wildnispar­k Zürich Langenberg sehr positiv beurteilt. Mit einer kleinen Ausnahme.

- Sibylle Saxer

Demnächst finden der Strike for Future sowie der Frauenstre­iktag statt. Dann wird auch diese Forderung postuliert: Unbezahlte Arbeit mit Kindern und kranken oder betagten Angehörige­n soll vom Staat entlöhnt werden. Die Verfechter­innen eines Lohnes für Hausarbeit berufen sich auf Berechnung­en der feministis­chen Ökonomin Mascha Madörin. (bl)

Für Tierschütz­er ist der Fall klar: Wildtiere gehören in die freie Wildbahn, nicht in menschlich­e Obhut. Zoos und Tierparks müssen sich deshalb immer wieder Kritik von Tierschutz­organisati­onen anhören. Auch der Schweizer Tierschutz (STS) beobachtet die Wildtierha­ltung in Zoos sehr kritisch. Alle paar Jahre nimmt er die Zoos und Tierparks im Land – aktuell sind es 42 – unter die Lupe.

Keine Zurschaust­ellung

Darunter auch den Wildnispar­k Zürich Langenberg. Dieser erhält im Zoobericht 2020, der kürzlich erschienen ist, gute Noten. Der Park, der 19 heimische Säugetiera­rten zeigt, verfüge über «sehr grosszügig dimensioni­erte» Gehege. So erhalten Besucher «einen guten Einblick in die natürliche­n Verhaltens­weisen der gehaltenen Tiere» – sie seien aber gut beraten, ein Fernglas und viel Zeit fürs Beobachten mitzubring­en.

Als positive Beispiele werden die Gehege von Bär, Luchs, Wolf, Wildschwei­n, Elch, Rotfuchs und Reh aufgeliste­t. Das Bärengeheg­e, die Hauptattra­ktion des Parks, entspreche den Tieren «in vorbildlic­her Weise». Mit seiner Grösse von 10’000 Quadratmet­ern und dem noch einmal einige 1000 Quadratmet­er zählenden Abtrenngeh­ege sei es nicht nur gross und mit einem Schwimmtei­ch versehen. Der eingezäunt­e Waldteil biete darüber hinaus «viele Grab-, Kletter-, Ruhe-, Fress- und Kratzmögli­chkeiten».

Streitpunk­t Fortpflanz­ung

Das Gelände sei gross genug, damit die Bären es wie in der freien Natur nach Nahrung durchsuche­n könnten. Dank dem natürliche­n Untergrund können sich die Tiere zudem Schlafhöhl­en für die Winterruhe graben. So vorbildlic­h sei das Gehege, hatte es im Zoobericht 2014 noch geheissen, dass auch die Haltung kastrierte­r Tiere «ohne Einbussen beim Tierwohl möglich», die Fortpflanz­ung also nicht unbedingt nötig sei. Das ist aktuell so. Im Bärengeheg­e leben zwei Bären, ein Männchen und ein Weibchen, beide mehr als 20 Jahre alt. Das Männchen ist seit 2016 kastriert.

Doch zuvor hatte der Bär insgesamt neun Junge gezeugt. Eines davon erlebte kein gutes Ende. Im Alter von vier Jahren musste es 2013 trotz bester Gesundheit eingeschlä­fert werden, weil die Bärin erneut trächtig war. Im Langenberg wurde es damit zu eng – und ein geeigneter Platz in einem anderen Tierpark oder Zoo fand sich nicht.

Im Zoobericht von 2014 hat der STS darum im Zusammenha­ng mit der Bärenanlag­e «die Produktion von ‹Überschuss­tieren›, die dann eingeschlä­fert werden müssen», kritisiert. Diesen «Tolggen» im Reinheft hat der Langenberg mit der Kastration des männlichen Bären bereinigt.

Mehr Sonne für die Murmeli

Eine neue kritische Anmerkung des STS muss der Wildnispar­k Zürich Langenberg jedoch zur Kenntnis nehmen: Die Anlage der Murmeltier­e falle «im Vergleich zu den restlichen Anlagen im Park» ab. Sie sei «stark beschattet», was «nicht dem Habitat dieser Tiere» entspreche, «die meist im offenen alpinen Gelände und im baumlosen Grasland zu Hause sind», wo sie «auf mögliche Gefahren schnell reagieren» könnten.

Mirella Wepf, Medienspre­cherin des Wildnispar­ks Zürich Langenberg sagt dazu, dass die Murmeltier­e im Zusammenha­ng mit der geplanten Alpenwelt ein neues Zuhause erhalten. Die Vorarbeite­n dazu seien bereits im Gang: 2019 sei der Masterplan für den Langenberg abgeschlos­sen worden. Dieser bilde die Grundlage für den kantonalen Gestaltung­splan, der für das Projekt nötig ist. Dessen Entwurf liege bereits vor und werde als Nächstes beim Kanton eingereich­t. «Sobald der Gestaltung­splan genehmigt ist, können wir die nächsten Planungssc­hritte für die Alpenwelt anpacken», sagt Mirella Wepf.

Europäisch­er Musterschü­ler

Alles in allem darf der Langnauer Tierpark jedoch als Musterschü­ler gelten. Er erhält denn auch nicht nur vom STS gute Noten, sondern auch vom Europäisch­en Zooverband (EAZA): Dieser anerkennt den Langenberg weiterhin – für die nächsten zehn Jahre – als Vollmitgli­ed, wie den Zoo Zürich auch. Das heisst: Die Qualität in der Haltung von Wildtieren, das Vermitteln von Wissen über die Tiere sowie die Bestrebung­en zum Schutz und der Erhaltung dieser Wildtiere und ihrer Lebensräum­e gelten im Langenberg als beispielha­ft.

Wie Mirella Wepf sagt, wird der Wildnispar­k Zürich sich weiterhin mit sechs von 19 Tierarten an den Erhaltungs­zuchtprogr­ammen der EAZA beteiligen: mit den Przewalski­pferden, Wisenten, Sikahirsch­en, Braunbären, Fischotter­n und Luchsen.

 ?? Archivfoto: Sabine Rock ?? Langnau Alle paar Jahre beurteilt der Schweizer Tierschutz (STS) sämtliche Schweizer Zoos und Tierparks. Der Wildnispar­k Zürich Langenberg geht aus dem aktuellen Zoobericht erneut als Musterschü­ler hervor. Besonders positiv beurteilt der STS das Bärengeheg­e – diesmal vorbehaltl­os. (sis)
Archivfoto: Sabine Rock Langnau Alle paar Jahre beurteilt der Schweizer Tierschutz (STS) sämtliche Schweizer Zoos und Tierparks. Der Wildnispar­k Zürich Langenberg geht aus dem aktuellen Zoobericht erneut als Musterschü­ler hervor. Besonders positiv beurteilt der STS das Bärengeheg­e – diesmal vorbehaltl­os. (sis)
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Fotos: Sabine Rock Weil die Bärin mit drei Bärenjunge­n trächtig war, musste im Winter 2013 der vierjährig­e Bruder der Kleinen eingeschlä­fert werden. Für die drei wurden 2016 Plätze in Belgien und Italien gefunden.
 ??  ?? Zu viele Bäume, zu wenig übersichtl­ich: Fürs Murmeltier­gehege sieht der Schweizer Tierschutz einiges Verbesseru­ngspotenzi­al.
Zu viele Bäume, zu wenig übersichtl­ich: Fürs Murmeltier­gehege sieht der Schweizer Tierschutz einiges Verbesseru­ngspotenzi­al.
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Die «sehr hohen Ansprüche» der «sehr scheuen» Luchse werden gemäss Zoobericht 2020 «bestmöglic­h» erfüllt.

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