Rechts­ko­lum­ne von Mar­cus Scholz

Wochen Blitz - - Kolumne -

Mar­cus Scholz ist ein in Deutsch­land zu­ge­las­se­ner Rechts­an­walt, mit ei­ner mehr als zehn­jäh­ri­gen Be­rufs­er­fah­rung. Das ers­te und zwei­te Staats­ex­amen hat er 1999 und 2002 vor dem Land­ge­richt Frank­furt am Main ab­ge­legt.

Die nach­fol­gen­de Ko­lum­ne gibt ei­nen Über­blick über das thai­län­di­sche Ar­beits­recht, ein für vie­le Aus­län­der durch­aus wich­ti­ges, wenn auch manch­mal re­la­tiv un­be­kann­tes The­ma.

Das thai­län­di­sche Ar­beits­recht gilt grund­sätz­lich so­wohl für thai­län­di­sche, wie auch für aus­län­di­sche Mit­ar­bei­ter, die in Thai­land ar­bei­ten.

Ins­be­son­de­re durch die Ein­füh­rung des „La­bour Pro­tec­tion“im Jahr 1998 wur­den die Rech­te der Ar­beit­neh­mer ge­gen­über dem Un­ter­neh­men ge­stärkt, dies zeigt auch die Recht­spre­chung der thai­län­di­schen Ar­beits­ge­rich­te, die zu­neh­mend ar­beit­neh­mer­freund­li­cher ur­tei­len.

Die Grund­la­gen des thai­län­di­schen Ar­beits­rechts fin­den sich in den Re­ge­lun­gen wie des oben er­wähn­ten „La­bour Pro­tec­tion Act“, dem „Com­pen­sa­ti­on Act“aus dem Jahr 1994, dem „Ci­vil and Com­mer­ci­al Co­de“, dem „So­ci­al Se­cu­ri­ty Act“, dem „Act on Esta­blish­ment of La­bour Courts and La­bour Court Pro­ce­du­res“aus dem Jahr 1979, den „La­bour Re­la­ti­ons“und dem „Law on Pre­scri­bing Mi­ni­mum Wa­ges“.

Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen und ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers sind eben­falls er­gän­zend an­wend­bar.

Ar­beits­zei­ten

Die Re­gel­ar­beits­zeit ist ge­setz­lich fest­ge­legt und be­trägt für al­le Tä­tig­keits­be­rei­che ma­xi­mal 8 St­un­den pro Tag und ma­xi­mal 48 St­un­den pro Wo­che. Ne­ben die­ser Re­ge­lung wird die ge­setz­li­che Re­gel­ar­beits­zeit für ge­sund­heits­ge­fähr­den­de und ge­fähr­li­che Ar­bei­ten ein­ge­schränkt und be­trägt nur 7 St­un­den täg­lich bei ei­ner ge­samt Wo­chen­stun­den­zahl von 42 St­un­den.

Wel­che Tä­tig­kei­ten hier­un­ter fal­len, er­gibt sich auf­grund ei­nes Mi­nis­ter­er­las­ses durch das “Mi­nis­try of La­bour and So­ci­al Wel­fa­re“.

Ru­he­pau­se und ar­beits­frei­er Tag

Der Ar­beit­neh­mer hat grund­sätz­lich nach fünf Ar­beits­stun­den ei­nen An­spruch auf ei­ne ein­stün­di­ge Ru­he­pau­se.

Der Ar­beit­neh­mer hat wei­ter­hin An­spruch auf ei­nen be­zahl­ten ar­beits­frei­en Tag in der Wo­che, wo­bei der Ab­stand zwi­schen zwei frei­en Ta­gen sechs Ta­ge nicht über­schrei­ten darf.

Von die­ser Reg­lung kann al­ler­dings für Ar­beit­neh­mer im Ho­tel-, Trans­port- und Forst­we­sen ab­ge­wi­chen wer­den, die wö­chent­li­chen frei­en Ta­ge kön­nen hier­bei zu-

Rechts­an­walt Scholz lebt und ar­bei­tet in Thai­land. Ge­mein­sam mit sei­nen thai­län­di­schen Kol­le­gen hilft er ins­be­son­de­re aus­län­di­schen Man­dan­ten sich im thai­län­di­schen Rechts­sys­tem zu­recht­zu­fin­den.

So be­rät er un­ter an­de­rem in Fra­gen des Vi­sa- und Auf­ent­halts­rechts, Im­mo­bi­li­en­rechts, bei Fir­men­grün­dun­gen, des Ver­trags­rechts, aber auch in Nach­lass­fra­gen, sam­men­ge­legt wer­den, je­doch darf die zu­sam­men­hän­gen­de Ar­beits­zeit 4 Wo­chen nicht über­schrei­ten.

Ent­loh­nung von Über­stun­den

und Fei­er­tags­ar­beit

Al­le über die Re­gel­ar­beits­zei­ten hin­aus­ge­hen­den Ar­beits­stun­den sind als Über­stun­den ge­son­dert zu ver­gü­ten, so wer­den Über­stun­den an nor­ma­len Ar­beits­ta­gen mit dem 1,5 fa­chen St­un­den­lohn und Über­stun­den an Fei­er­ta­gen so­wie dem wöcht­li­chen frei­en Tag des Ar­beit­neh­mers mit dem 3fa­chen St­un­den­lohn ab­ge­gol­ten.

So­weit Ar­beit­neh­mer an Fei­er­ta­gen oder dem wöcht­li­chen frei­en Tag ar­bei­ten, oh­ne dass es sich um Über­stun­den han­delt, er­hal­ten sie hier­für den 2fa­chen St­un­den­lohn.

Die wö­chent­li­che Zahl der Fei­er­tags­und Über­stun­den darf je­doch 24 St­un­den pro Wo­che nicht über­schrei­ten.

Die An­ord­nung von Über­stun­den und Fei­er­tags­ar­bei­ten be­darf grund­sätz­lich der Zu­stim­mung des Ar­beit­neh­mers, al­ler­dings sind hier­von auch Aus­nah­men wie im Ho­tel- und Gast­stät­ten­ge­wer­be mög­lich.

Fei­er­ta­ge

Der Ar­beit­ge­ber ist ver­pflich­tet, dem Ar­beit­neh­mer min­des­tens an den 13 tra­di­tio­nel­len thai­län­di­schen Fei­er­ta­gen, so­wie dem Na­tio­nal La­bour Day frei­zu­ge­ben.

Fällt ein Fei­er­tag auf den re­gel­mä­ßig frei­en Wo­chen­tag des Ar­beit­neh­mers, so ist der dar­auf fol­gen­de Ar­beits­tag frei­zu­ge­ben, der Lohn ist für den Fei­er­tag fort­zu­zah­len.

Ur­laub

Ei­nen An­spruch auf be­zahl­ten Ur­laub er­wirkt der Ar­beit­neh­mer ab ei­nem Jahr Be­triebs­zu­ge­hö­rig­keit. Ab die­sem Zeit­punkt muss der Ar­beit­neh­mer min­des­tens 6 be­zahl­te Ur­laubs­ta­ge ge­wäh­ren.

Die ma­xi­ma­le Ge­samt­ar­beits­zeit be­trägt theo­re­tisch 294 Ta­ge im Jahr.

365 Ar­beits­ta­ge, ab­züg­lich des wö­chent­lich frei­en Ta­ges (52), ab­züg­lich der 13 Fei­er­ta­ge so­wie 6 Ur­laubs­ta­gen.

Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall

Ein Ar­beit­neh­mer hat ei­nen An­spruch auf Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall von ma­xi­mal 30 Ta­gen im Jahr. Im Fal­le ei­ner Krank­heit kann er aber so vie­le freie Ar­beits­ta­ge be­an­spru­chen, wie zur Ge­ne- Pa­ti­en­ten­ver­fü­gun­gen und sons­ti­gen ver­trags­recht­li­chen An­ge­le­gen­hei­ten.Rechts­an­walt Scholz wird über die An­walts­lis­te der deut­schen Bot­schaft in Bang­kok emp­foh­len.

Mar­cus Scholz steht den Wo­chen­blitz Le­sern ne­ben der Rechts­ko­lum­ne auch ger­ne für Fra­gen un­ter

zur Ver­fü­gung.

www.thai­recht.com E-Mail: in­fo@thai­recht.com

sung er­for­der­lich sind, nach 30 Ta­gen dann je­doch un­be­zahlt.

Ab dem 3. auf­ein­an­der­fol­gen­den Krank­heits­tag kann der Ar­beit­ge­ber doe Vor­la­ge ei­nes ärzt­li­ches At­tests ver­lan­gen.

Mut­ter- und Ar­beits­schutz

Fehl­zei­ten auf­grund von Ar­beits­un­fäl­len, so­wie der zu ge­wäh­ren­de 90tä­gi­ge Mut­ter­schutz wer­den nicht zu den obi­gen Krank­heits­ta­gen ge­rech­net. Von die­sen 90 Ta­gen wer­den 45 Ta­ge ver­füg­tet.

Son­der­ur­laub

Wei­ter­hin ist dem Ar­beit­neh­mer bei To­des­fäl­len von na­hen Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen, wie El­tern­teil, Ehe­frau oder Kin­dern ein Son­der­ur­laub von bis zu fünf Ta­gen zu ge­wäh­ren.

Bei Hoch­zei­ten der Ar­beit­neh­mer wer­den üb­li­cher­wei­se drei bis vier Ta­ge Son­der­ur­laub ge­währt für Exer­zi­ti­en in ei­nem Klos­ter wird ein be­zahl­ter Son­der­ur­laub von et­wa zwei Wo­chen ge­währt.

Schließ­lich sind für Fort­bil­dungs­maß­nah­men die der be­ruf­li­chen Tä­tig­keit, so­zia­len Zwe­cken oder der per­sön­li­chen Wei­ter­bil­dung des Ar­beit­neh­mers die­nen bis zu 5 Ta­ge Ur­laub zu ge­wäh­ren.

Lohn

Für die Pro­vin­zen Bang­kok, Pa­thum­tha­ni, Sa­mut­pra­karn, Sa­mut­sa­korn, Na­kon Pa­thom Nontha­b­u­ri gilt seit dem 1.4.2012 ein Min­dest­lohn von täg­lich 300 Baht.

Die­ser Min­dest­lohn soll im Jahr 2013 auch für an­de­re Pro­vin­zen ein­ge­führt wer­den.

Von die­sem Lohn kann der Ar­beit­ge­ber le­dig­lich die ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Zah­lun­gen, vor al­lem die Ein­kom­mens­steu­er in Ab­zug brin­gen.

Kün­di­gung und Ab­fin­dung

Im Fal­le ei­ner Kün­di­gung des Ar­beit­neh­mers, die die­ser nicht zu ver­tre­ten hat, ist die­sem ent­spre­chend der der Be­triebs­zu­ge­hö­rig­keit ei­ne Ab­fin­dung zu be­zah­len. So er­hal­ten Ar­beit­neh­mer, die mehr als 120 Ta­ge im Be­trieb wa­ren als Ab­fin­dung 30 Ta­ge des letz­ten Lohns, Mit­ar­bei­ter, die zwi­schen ei­nem Jahr und 3 Jah­ren tä­tig wa­ren, er­hal­ten als Ab­fin­dung 90 Ta­ge des letz­ten Lohns, für 3 bis 6 jäh­ri­ge Tä­tig­keit be­trägt die Ab­fin­dung 180 Ta­ge des letz­ten Lohns, für ei­ne Tä­tig­keit von 6 bis 10 Jah­ren ste­hen dem Mit­ar­bei­ter für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes 240 Ta­ge Kom- pen­sa­ti­on und für über 10jäh­ri­ge Tä­tig­keit 300 Ta­ge zu.

Aus­nah­men von die­sen fest­ge­leg­ten Ab­fin­dungs­sum­men kön­nen sich je­doch bspw. durch Ra­tio­na­li­sie­rung- und Um­struk­tu­rie­rungs­maß­nah­men, bei de­nen durch Ma­schi­nen Ar­beits­plät­ze weg­fal­len er­ge­ben, sel­bi­ges gilt für die Ver­le­gung der Be­triebs­stät­te an ei­nen an­de­ren Ort.

Fa­zit:

Ent­ge­gen der oft ver­brei­te­ten Auf­fas­sung, ent­hält das thai­län­di­sche Ar­beits­recht ei­ne gan­ze Rei­he von ar­beit­neh­mer­schüt­zen­den Re­ge­lun­gen. Wie bei al­len ge­setz­li­chen Re­ge­lung ist na­tür­lich die Fra­ge, in­wie­weit die­se über­prüft und durch­ge­setzt wer­den ei­ne an­de­re.

So ist die Be­schäf­ti­gung von un­ter 15jäh­ri­gen ge­setz­lich ver­bo­ten, wei­ter­hin gibt es be­son­de­re Schutz­re­ge­lun­gen, wie be­son­de­re Ar­beits­zei­ten, Ar­beits­dau­er, ver­bo­te­ne Tä­tig­kei­ten für Ju­gend­li­che von 15 – 18 Jah­ren. So dür­fen Jun­gen und al­le Frau­en le­dig­lich Las­ten bis zu 25 Ki­lo tra­gen, Mäd­chen hin­ge­gen nur bis zu 20 Ki­lo tra­gen.

Eben­falls be­ste­hen mit deut­schen Nor­men ver­gleich­ba­re Schutz­vor­schrif­ten für Schwan­ge­re, so­wie ein Mut­ter­schutz.

Ab­schlie­ßend sei noch er­wähnt, dass in Thai­land ne­ben dem Kün­di­gungs­schutz ein ge­setz­li­ches Sys­tem der So­zi­al­ver­si­che­rung be­steht.

Die­ses be­steht ne­ben der Kran­ken­ver­si­che­rung, der Ren­ten­ver­si­che­rung auch aus der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung.

Die so­zia­le Grund­si­che­rung Thai­lands wird je­doch The­ma ei­ner ge­son­der­ten Ko­lum­ne wer­den.

Die­se Ko­lum­ne soll le­dig­lich ei­nen Über­blick über das thai­län­di­sche Ar­beits­recht ge­ben, wenn Sie wei­ter­ge­hen­de Fra­gen ha­ben, so wen­den Sie sich ger­ne un­ter www.thai­recht.com oder in­fo@thai­recht.com an mich.

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