Sol­da­ten tö­te­ten nicht chi­ne­si­sche See­leu­te

Wochen Blitz - - Kolumne -

Der Fall hat­te letz­tes Jahr gro­ßes Auf­se­hen er­regt: 13 chi­ne­si­sche See­leu­te wa­ren auf zwei Frach­tern auf dem Me­kong Ri­ver ge­tö­tet wor­den.

Er­mitt­lun­gen deu­te­ten von An­fang an dar­auf hin, dass es sich um ei­ne Abrech­nung zwi­schen ri­va­li­sie­ren­den Dro­gen­kar­tel­len han­del­te und mög­li­cher­wei­se thai­län­di­sche Sol­da­ten die Tä­ter wa­ren. Die­se wur­den auch ver­haf­tet und sol­len ge­stan­den ha­ben, die Chi­ne­sen li­qui­diert zu ha­ben.

Hin­ter den Mor­den soll ein Dro­gen­ba­ron na­mens Nor Kham aus Bur­ma ste­cken, der in La­os ver­haf­tet wer­den konn­te und an­schlie­ßend nach Chi­na aus­ge­lie­fert wur­de.

Nor Kham sag­te aus, dass die Tä­ter tat­säch­lich thai­län­di­sche Sol­da­ten ge­we­sen sind, aber die thai­län­di­schen Be­hör­den be­zich­ti­gen Nor Kham der Fal­sch­aus­sa­ge.

Vi­ze-Pre­mier­mi­nis­ter Yuttha­sak Sa­si­prap ver­kün­de­te am 21. Sep­tem­ber, dass es kei­ner­lei Be­wei­se ge­be, dass thai­län­di­sche Sol­da­ten im Ok­to­ber letz­ten Jah­res die chi­ne­si­schen See­leu­te an­ge­grif­fen und er­mor­det ha­ben: „Er kann nicht ein­fach thai­län­di­sche Sol­da­ten be­schul­di­gen“, sag­te Yuttha­sak. „Er muss erst Be­wei­se vor­le­gen.“

Vi­ze-Pre­mier­mi­nis­ter Ch­a­lerm Yub­am­rung zeig­te sich we­nig über­rascht über Nor Khams Aus­sa­ge, der wohl da­mit die Schuld auf an­de­re len­ken will. „Es war zu er­war­ten, dass der Be­schul­dig­te al­les ab­strei­tet, denn er hat Geld, das aus Dro­gen­ge­schäf­ten stammt, und er ist ein­fluss­reich.“

Die thai­län­di­schen Be­hör­den ge­hen zwar da­von aus, dass Nor Kham hin­ter den Mor­den steckt, aber wer den Mord­auf­trag aus­ge­führt hat, ist bis­lang nicht be­kannt.

Mög­li­cher­wei­se wird der Fall nie auf­ge­klärt wer­den, denn Thai­land wird vor­aus­sicht­lich auf ei­ne Aus­lie­fe­rung Nor Khams nach Thai­land ver­zich­ten. Es wird er­war­tet, dass Nor Kham in Chi­na we­gen Dro­gen­de­lik­ten zum To­de ver­ur­teilt und hin­ge­rich­tet wird. Dann wür­de Nor Kham die Wahr­heit ein für al­le­mal mit ins Gr­ab neh­men.

Am 7. Ok­to­ber 2011 wur­den von thai­län­di­schen Sol­da­ten zwei chi­ne­si­sche Frach­ter auf dem Me­kong Ri­ver auf­ge­bracht. Die Män­ner stie­ßen auf 920.000 Ya­ba-Ta­ble­ten und ei­nen to­ten chi­ne­si­schen See­mann. Spä­ter wur­den wei­te­re zwölf Lei­chen ge­fun­den. Zu­nächst wur­de an­ge­nom­men, dass die­se Sol­da­ten die Tä­ter wa­ren, bis­lang konn­te das aber nicht ein­deu­tig nach­ge­wie­sen wer­den.

Dem be­lieb­ten und be­kann­ten TV-Mo­de­ra­tor Sor­rayuth Sutha­s­a­nach­in­da wird Un­ter­schla­gung und Be­ste­chung vor­ge­wor­fen. Wäh­rend er selbst im­mer ver­sucht, Zu­sam­men­hän­ge zu hin­ter­fra­gen (und das mach­te ihn so po­pu­lär), ver­wei­ger­te er Fra­gen von Kol­le­gen in ei­ge­ner Sa­che.

Nach­dem der Fall be­kannt wur­de, nutz­te er am dar­auf fol­gen­den Mor­gen sei­ne ei­ge­ne Sen­dung, um al­le Vor­wür­fe ab­zu­strei­ten. Zwei Punk­te wur­den da­bei klar: Es ist völ­lig un­pro­fes­sio­nell ei­ne ei­ge­ne Sen­dung zu nut­zen, um An­schul­di­gun­gen ab­zu­strei­ten. Gleich­zei­tig kann von ei­nem In­ter­es­sen­kon­flikt ge­spro­chen wer­den, was die Fern­seh­an­stalt be­trifft, für die Sor­rayuth ar­bei­tet.

Kein pro­fes­sio­nel­ler Jour­na­list wür­de sei­ne ei­ge­ne Nach­rich­ten­sen­dung da­für be­nut­zen, sich ge­gen An­schul­di­gun­gen zu ver­tei­di­gen, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn die­se An­schul­di­gun­gen von der obers­ten An­ti-Kor­rup­ti­ons­kom­mis­si­on des Lan­des kom­men – nach­dem die­se be­reits seit fast fünf Jah­ren er­mit­telt hat. Wenn Sor­rayuth et­was zu sa­gen hat, dann kann er ei­ne Pres­se­kon­fe­renz ein­be­ru­fen und nach sei­ner Stel­lung­nah­me die Fra­gen von Re­por­tern be­ant­wor­ten. So ähn­lich ver­fuhr er im­mer in sei­ner ei­ge­nen Sen­dung, wenn es um Drit­te ging. Doch was er jetzt mach­te, ist äu­ßerst un­pro­fes­sio­nell. Die eng­lisch­spra­chi­ge Ta­ges­zei­tung „The Na­ti­on“sprach von ei­ner „Schan­de“, was thai­län­di­sches Fern­se­hen be­trifft.

Aber fast noch schlim­mer ist das Ge­schäfts­ge­ba­ren sei­nes Ar­beit­ge­bers. Ka­nal 3 er­laubt Sor­rayuth mit sei­ner Sen­dung fort­zu­fah­ren als ob nichts ge­sche­hen ist. Min­des­tens soll­te der Sen­der Sor­rayuth vor­über­ge­hend sus­pen­die­ren, weil mit Sor­rayuth auch die Glaub­wür­dig­keit des Sen­ders in Fra­ge ge­stellt wird, ins­be­son­de­re weil Sor­rayuth doch Nach­rich­ten­mo­de­ra­tor ist. Sor­rayuth kün­dig­te an, sich vor Ge­richt ge­gen die Vor­wür­fe ver­tei­di­gen zu wol­len. Bis da­hin ist es im Grun­de nicht ver­ant­wort­lich, ihn als Mo­de­ra­tor im Fern­se­hen ein­zu­set­zen.

An die­sem Fall ist wie­der ein­mal zu se­hen, dass Kom­merz mehr zählt als Glaub­wür­dig­keit oder öf­fent­li­ches In­ter­es­se.

Sor­rayuth ist ei­ne Ga­li­ons­fi­gur des Sen­ders Ka­nal 3 und mit ihm wer­den auch

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