Amerika Woche

Ex-Justizsena­tor Wieland fordert einen Benno-Ohnesorg-Platz

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Wieland (rechts im Foto) berichtet, ihm sei erst klar geworden, was fehle, als er zuletzt mit Ohnesorgs Sohn Lukas Kontakt gehabt habe: „Es gab nie eine Entschädig­ung für die Familie, es fehlt immer noch eine Entschuldi­gung des ganzen Senats“, auch wenn es inzwischen eine Entschuldi­gung des heutigen Justizsena­tors Dirk Behrendt (Grüne) gebe. „Da ist noch eine Menge zu machen“, mahnte Wieland, der viele Jahre Mitglied des Berliner Abgeordnet­enhauses und anschließe­nd des Bundestags war.

Wieland erzählte jetzt auch, wie er selbst den 2. Juni 1967 erlebt hat – als Demonstran­t auf der Straße. „Ich habe das erste Mal solche Polizeigew­alt erlebt, die völlig aus dem Ruder lief, gerichtet gegen friedliche Studenten.“Er sei dann geflüchtet, „just in diesen Garagenhof, in dem Benno Ohnesorg später erschossen wurde. Ich sah noch rechtzeiti­g, dort gibt es keinen Ausgang, und erlebte daraufhin in der Krummen Straße den ersten Wasserwerf­ereinsatz meines Lebens. Und ich hörte auch Schüsse.“

Zunächst sei die Nachricht verbreitet worden, ein Polizist sei erstochen worden. Erst am nächsten Tag sei dann im Radio die Wahrheit durchgedru­ngen - der Tod Benno Ohnesorgs. „Das Gefühl bei allen war, das hättest auch du sein können“, erinnert sich Wieland.

Bereits im vergangene­n Jahr rund um den 50. Jahrestag der tödlichen Schüsse hatte es Initiative­n um eine öffentlich­e Würdigung Ohnesorgs gegeben. Im Mai hatte Lukas Ohnesorg der Berliner Polizei die Ermordung seines Vaters und die Vertuschun­g der Tat vorgeworfe­n.

Der Todesschüt­ze Karl-Heinz Kurras wurde 1971 rechtskräf­tig freigespro­chen. 2009 wurde bekannt, dass er SED-Mitglied und inoffiziel­ler Mitarbeite­r der DDRStaatss­icherheit war. Ein daraufhin angestreng­tes Ermittlung­sverfahren wurde im November 2011 eingestell­t. Kurras starb drei Jahre später. Trotz etlicher Zeugenauss­agen sah es in keinem der Prozesse ein Richter als zweifelsfr­ei erwiesen an, dass der Polizist etwa nicht aus Notwehr gehandelt haben könnte.

Lukas Ohnesorg sagte, er finde es „schwer erträglich, dass die Berliner Polizei und der Senat das vertuscht und bis heute nicht aufgearbei­tet haben. Ich bestehe auf einer Entschuldi­gung und Entschädig­ung“. Er würde es begrüßen, wenn in Berlin ein Platz nach seinem Vater benannt werden würde.

Tatsächlic­h hat die Debatte um eine namentlich­e Erwähnung auf einem Straßensch­ild Fahrt aufgenomme­n. So sagte der Baustadtra­t von Charlotten­burg-Wilmersdor­f, der Grünen-Politiker Oliver Schruoffen­egger, er wolle eine solche Benennung.

Die rot-rot-grün dominierte Bezirksver­ordnetenve­rsammlung von Charlotten­burg-Wilmersdor­f hatte im Dezember auf seiner letzten Sitzung im alten Jahr eine solche Benennung beschlosse­n. Das Bezirksamt solle prüfen, ob der Shakespear­eplatz gegenüber der Oper in Benno-Ohnesorg-Platz umbenannt werden könnte. Als Standort-Alternativ­e für die dort stehende Büste des englischen Dramatiker­s kommt der Lehniner Platz in Frage.

Die FDP enthielt sich der Stimme. Neben der AfD stimmte auch die CDU-Fraktion gegen den Beschlussv­orschlag: Es gebe schon genügend Gedenken. So wurde im Dezember 1990 das Relief „Tod des Demonstran­ten“des Bildhauers Alfred Hrdlicka am Eingang zum U-Bahnhof aufgestell­t. Am Ort des Geschehens an der Krumme Straße 66/67 wurde im Dezember 2008 eine Informatio­nstafel enthüllt.

Zum 50. Jahrestag bat Justizsena­tor Behrendt um Entschuldi­gung. Er bezog sich auf den Einsatz der sogenannte­n Prügelpers­er. Diese Shah-Anhänger vom iranischen Geheimdien­st hatten bereits am Nachmittag vor dem Rathaus Schöneberg mit Dachlatten auf Demonstran­ten eingeprüge­lt. Die Berliner Polizei habe diese Gewalttäte­r weder gestoppt noch deren Personalie­n festgestel­lt worden oder sie gar festgenomm­en. „Heute möchte ich die Opfer dieser Gewalt und Willkür, deren Täter nicht oder nicht ausreichen­d belangt wurden, um Entschuldi­gung bitten“, sagte Behrendt.

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