Stellt Mer­kel die Wei­chen für die Zeit nach ihr?

Es ist in Deutsch­land un­ge­wöhn­lich, dass sich ei­ne er­folg­rei­che Mi­nis­ter­prä­si­den­tin als Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin in den Di­enst ih­rer Par­tei stellt. Hin­ter der Ent­schei­dung dürf­te ein lang­fris­ti­ger Plan ste­cken.

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Wenn noch je­mand Zwei­fel hat­te, dass An­ge­la Mer­kel an ei­nem ge­ord­ne­ten Über­gang der Macht ar­bei­tet, ist die­ser jetzt wohl aus­ge­räumt. Mit der Ent­schei­dung, An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (im Fo­to rechts) als neue Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin vor­zu­schla­gen, hat die Par­tei­che­fin ei­ne wich­ti­ge Wei­che für ei­ne CDU-Zu­kunft in ei­ner NachMer­kel-Zeit ge­stellt. Das dürf­te al­len in den Spit­zen­gre­mi­en der Christ­de­mo­kra­ten klar sein. An­ders ge­sagt: Die Kanz­le­rin hat öf­fent­lich sicht­bar da­mit be­gon­nen, ih­re Nach­fol­ge zu re­geln und ei­ne mög­li­che Er­bin auf­zu­bau­en.

Dass Mer­kel (62) und die acht Jah­re jün­ge­re Kramp-Kar­ren­bau­er das nicht hö­ren wol­len ist klar - und auch, dass sie da­zu kei­ne ernst­haf­te Stel­lung­nah­me ab­ge­ben. Die Kanz­le­rin stellt sich auf ei­ne wei­te­re Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ein - falls die SPD denn mit­macht. Wenn ir­gend mög­lich, will Mer­kel im Lau­fe der nächs­ten Jah­re selbst mit­be­stim­men, wer ihr ein­mal fol­gen könn­te.

Auch des­we­gen möch­te die Vor­sit­zen­de auf das Nach­fol­ge­the­ma am liebs­ten gar nicht erst ein­ge­hen. Ent­spannt lä­chelt sie die Fra­ge weg: „Das ist Ihr Pri­vi­leg, dass Sie im­mer drei Run­den wei­ter sind als an­de­re.“Sie ha­be „die Hän­de voll zu tun, erst­mal den Tag zu ma­na­gen“- das ste­he heu­te auf der Ta­ges­ord­nung.

Als Mer­kel, die von 1998 bis 2000 selbst CDUGe­ne­ral­se­kre­tä­rin war, spä­ter doch noch­mal auf die lei­di­ge Nach­fol­ge­fra­ge an­ge­spro­chen wird, gibt sie nüch­tern zu­rück: „Ge­schich­te wie­der­holt sich nicht.“Als dann Kamp-Kar­ren­bau­er selbst ge­fragt wird, ob sie sich mit dem Eti­kett der „Kron­prin­zes­sin“an­freun­den könn­te, kon­tert sie lo­cker: „Ich ha­be mich noch nie für Prin­zes­sin­nen­rol­len ge­eig­net, schon frü­her in der Fast­nacht nicht.“

Für die Saar­län­de­rin mit dem prä­gnan­ten Kür­zel „AKK“wird es in den nächs­ten Jah­ren nun dar­auf an­kom­men, deutsch­land­weit be­kann­ter zu wer­den. In der ei­ge­nen Par­tei gilt sie als aus­ge­spro­chen be­liebt - das ist ent­schei­dend für ei­ne mög­li­che Wahl zur Par­tei­che­fin. Und auch bei den CDU-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten, die in der Dis­kus­si­on über ei­ne Mer­kel-Nach­fol­ge ein ent­schei­den­des Wort mit­zu­re­den hät­ten, soll Kramp-Kar­ren­bau­er gro­ßen Rück­halt ha­ben.

Fast 40 Mi­nu­ten ste­hen die bei­den star­ken CDU-Frau­en im Ade­nau­er­haus ne­ben­ein­an­der auf dem Po­di­um und er­klä­ren, wie sie sich er­gän­zen und ih­re Rol­len ver­tei­len wol­len. Op­tisch könn­te der Kon­trast kaum grö­ßer sein: Die Par­tei­che­fin in gras­grü­nem Bla­zer, die Saar­län­de­rin da­ne­ben in ei­nem Kleid, das im obe­ren Teil grell ne­on-pink leuch­tet und ir­gend­wie nicht recht zu ih­rer be­tont zu­rück­hal­ten­den Art passt.

In­halt­lich sind die Kanz­le­rin und ih­re künf­ti­ge Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin da­ge­gen wei­test­ge­hend ei­ner Mei­nung, dar­an las­sen bei­de kei­nen Zwei­fel. Der Vor­schlag, sich in den Di­enst der Par­tei zu stel­len, sei von Kramp-Kar­ren­bau­er ge­kom­men, er­zählt Mer­kel. „Mich hat die Idee sehr be­rührt“, sagt sie un­ge­wohnt ge­fühls­be­tont.

Was Kramp-Kar­ren­bau­er dann sagt, wird Mer­kel ge­freut ha­ben. Sie ha­be sich we­gen der Tat­sa­che, dass Deutsch­land in ei­ner der schwie­rigs­ten po­li­ti­schen Pha­sen sei­ner Ge­schich­te ste­cke, für den Wech­sel in die Bun­des­po­li­tik ent­schie­den. Auch in Zu­kunft wür­den in Deutsch­land star­ke Volks­par­tei­en ge­braucht und kei­ne „al­lein durch Per­so­nen ge­tra­ge­ne po­li­ti­sche Sam­mel­be­we­gung“, sagt die 55-Jäh­ri­ge.

Das kann als ver­steck­ter Sei­ten­hieb auf Mer­kel-Kri­ti­ker wie das Prä­si­di­ums­mit­glied Jens Spahn oder an­de­re ver­stan­den wer­den, die Po­li­ti­ker wie den ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz oder den fran­zö­si­sche Prä­si­den­ten Em­ma­nu­el Ma­cron mit sei­ner Samm­lungs­be­we­gung „En mar­che“als Vor­bil­der für die CDU se­hen.

Loya­li­tät - das war für die Kanz­le­rin ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung für die No­mi­nie­rung der Saar­län­de­rin, heißt es in der CDU. Doch es ist nicht nur die Loya­li­tät, die Mer­kel an Kramp­Kar­ren­bau­er schätzt. Der Kanz­le­rin ha­be die un­auf­ge­reg­te Art im­po­niert, mit der die Mi­nis­ter­prä­si­den­tin aus fast aus­sichts­lo­ser La­ge her­aus im März 2017 mit der Land­tags­wahl an der Saar die wich­ti­ge ers­te Ab­stim­mung im Bun­des­tags­wahl­jahr ge­wann, heißt es in ih­rem Um­feld. Au­ßer­dem hal­te sie Kramp-Kar­ren­bau­er bis heu­te zu Gu­te, dass sie nicht wie an­de­re der Ver­su­chung er­le­gen sei, mit po­pu­lis­ti­schen Tö­nen ge­gen Mi­gran­ten Stim­mung zu ma­chen. Und das, ob­wohl der da­ma­li­ge SPD-Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz ge­ra­de auf dem Ze­nit sei­ner Macht in der SPD war.

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