Mil­li­ar­den in der Staats­kas­se: Reicht das Geld für die „Groko“-Plä­ne?

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Die Staats­kas­se ist heu­er so gut ge­füllt wie nie zu­vor. Der deut­sche Fis­kus hat auch im ver­gan­ge­nen Jahr mehr ein­ge­nom­men als aus­ge­ge­ben und ei­nen Re­kord­über­schuss von 36,6 Mil­li­ar­den Eu­ro er­zielt. Luft al­so für die 46 Mil­li­ar­den Eu­ro, die die ge­plan­te gro­ße Ko­ali­ti­on bis 2021 zu­sätz­lich aus­ge­ben will. Wie hoch die Rech­nung für Bau­kin­der­geld, Ent­las­tung beim So­li­da­ri­täts­zu­schlag und Co. am En­de aus­fällt, lässt sich aber nur schwer vor­her­sa­gen.

Ei­ni­ge Öko­no­men se­hen - na­tür­lich - das Ziel ei­nes aus­ge­gli­che­nen Haus­halts in Ge­fahr und war­nen vor lang­fris­ti­gen Be­las­tun­gen. Na­tür­lich des­halb, weil die­se „Öko­no­men“im­mer auf der Sei­te der Wirt­schaft und nie auf der der ein­fa­chen Leu­te ste­hen.

Klei­ne Leu­te ge­hen leer aus

Ak­tu­ell pro­fi­tiert der Fis­kus von der nied­ri­gen Ar­beits­lo­sig­keit und dem Wirt­schafts­boom. Steu­ern und So­zi­al­bei­trä­ge fül­len die Kas­sen. Auch die vor al­lem in Deutsch­land um­strit­te­ne ul­tra­lo­cke­re Geld­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) sorgt für Ent­las­tung. We­gen der nied­ri­gen Zin­sen kann sich der Staat güns­ti­ger ver­schul­den - und das al­les sehr zu Las­ten der be­reits ge­nann­ten klei­nen Leu­te.

Die er­hal­ten auf ih­re Spar­ein­la­ge bei den Bank­in­sti­tu­ten kaum mehr Zin­sen. Schlim­mer so­gar: Die In­fla­ti­on ist weit­aus hö­her als der Zins­satz, den z.B. ein Spar­buch „er­wirt­schaf­tet“.

Das be­deu­tet im End­ef­fekt, dass das Geld, was der Spa­rer auf ei­nem Spar­buch oder ei­ner ähn­li­chen An­la­ge ei­gent­lich zur Ver­meh­rung an­legt, wird re­al mit der Zeit im­mer we­ni­ger und nicht mehr.

De­fi­zit ver­mei­den

„So­lan­ge die Wirt­schaft wei­ter brummt und die Zin­sen nied­rig blei­ben, dürf­te ei­ne schwarz-ro­te Ko­ali­ti­on trotz al­ler Mehr­aus­ga­ben bis zum En­de die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ein ge­samt­staat­li­ches De­fi­zit ver­mei­den“, sagt Com­merz­ban­kChef­volks­wirt Jörg Krä­mer. „Bei nor­ma­len wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen dürf­te das aber nicht mehr ge­lin­gen“.

Öko­no­men der Deut­schen Bank war­nen, die fis­ka­li­schen Über­schüs­se wür­den kom­plett aus­ge­ge­ben. „Ge­ra­de so, als gä­be es kei­ne de­mo­gra­fi­schen Her­aus­for­de­run­gen und ge­ra­de so, als sei­en Null­zin­sen und ei­ne boo­men­de Wirt­schafts­ent­wick­lung ein Nor­mal­zu­stand“.

De­mo­gra­fie

Mit de­mo­gra­fi­schen Her­aus­for­de­run­gen ist vor al­lem die Fi­nan­zie­rung der so­ge­nann­ten Flücht­lin­ge und Asyl­be­wer­ber - auch die Fi­nan­zie­rung ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber - ge­meint, die im Zu­ge der Mer­kel­schen Po­li­tik zu Mil­lio­nen nach Deutsch­land ge­kom­men sind und vom deut­schen Staat nicht nur groß­zü­gig „ge­spon­sert“wer­den, son­dern auch So­zi­al­leis­tun­gen wie Kran­ken­für­sor­ge und Aus­bil­dung wenn über­haupt mög­lich - er­hal­ten, oh­ne je­mals da­für auch nur ei­nen Eu­ro für Deutsch­land er­wirt­schaf­tet ha­ben.

Wohl­ta­ten

Das 46 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­re Pro­gramm, das mit Wohl­ta­ten und ei­ner Bil­dungs­of­fen­si­ve ei­ner ge­sell­schaft­li­chen Spal­tung im Lan­de ent­ge­gen­wir­ken soll, ba­siert auf den von der Re­gie­rung ge­schätz­ten Haus­halts­über­schüs­sen und Rück­la­gen von 2018 bis 2021.

„Al­ler­dings ge­hen die mög­li­chen Ko­ali­tio­nä­re nicht auf die Jah­re nach der ak­tu­el­len Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ein“, be­män­gelt das ar­beit­ge­ber­na­he In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW). Das Gros der zu­sätz­li­chen Aus­ga­ben ent­fal­le auf die Jah­re 2020 und vor al­lem 2021 - un­ter an­de­rem der Ab­bau des So­li­da­ri­täts­zu­schlags, die Er­hö­hung des Kin­der­gel­des und die För­de­rung des so­zia­len Woh­nungs­baus.

„Auf­grund der Er­fah­rung aus der Ver­gan­gen­heit ist es un­wahr­schein­lich, dass grö­ße­re Tei­le der zu­sätz­li­chen Aus­ga­ben zum En­de der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode aus­lau­fen wer­den“, sagt das IW vor­aus.

Ein­nah­men und Aus­ga­ben

Die pro­gnos­ti­zier ten Ein­nah­men für das Jahr 2022 dürf­ten in dem Fall nicht aus­rei­chen, um die Aus­ga­ben zu de­cken. Nach Be­rech­nun­gen des IW könn­te sich ei­ne Lü­cke von rund 11 Mil­li­ar­den Eu­ro er­ge­ben, die sich in den fol­gen­den Jah­ren fort­set­zen wür­de. „Neue Schul­den wä­ren dann die Fol­ge, so­fern nicht Steu­ern er­höht oder Aus­ga­ben ge­senkt wer­den.“

Uni­on und SPD ver­si­chern, dass die „schwar­ze Null“beim Bund nicht zur Dis­po­si­ti­on steht. Der als Fi­nanz­mi­nis­ter ge­han­del­te kom­mis­sa­ri­sche SPD-Chef Olaf Scholz be­teu­er­te un­längst, sei­ne Par­tei wer­de in ei­ner gro­ßen Ko­ali­ti­on am aus­ge­gli­che­nen Haus­halt fest­hal­ten, bei dem die Aus­ga­ben die Ein­nah­men nicht über­stei­gen.

Spät­fol­gen

Die Bun­des­bank be­grüßt das, warnt aber vor mög­li­chen Spät­fol­gen. „Die an­ge­streb­te 'schwar­ze Null‘ kann al­ler­dings auch Pro­ble­me mit sich brin­gen“, heißt es im ak­tu­el­len Mo­nats­be­richt der No­ten­bank. Wenn der Staat un­ter dem Strich auf neue Schul­den ver­zich­te, könn­ten Pro­jek­te vor­über­ge­hend mit kon­junk­tu­rel­len Über­schüs­sen und Rück­la­gen fi­nan­ziert wer­den. „So kann es zu ei­ner pro­zy­kli­schen und nach Ab­bau der Rück­la­gen er­ra­ti­schen Haus­halts­po­li­tik kom­men“, warnt die Bun­des­bank.

Öko­no­men spre­chen von ei­ner pro­zy­kli­schen Po­li­tik, wenn der Staat sei­ne Aus­ga­ben in Boom­zei­ten er­höht und da­mit die Kon­junk­tur zu­sätz­lich an­heizt, statt Rück­la­gen für schlech­te­re Zei­ten zu bil­den.

„Ge­ne­rell sind bei zu­sätz­li­chen Haus­halts­las­ten die lang­fris­ti­gen Per­spek­ti­ven im Blick zu hal­ten, da die deut­schen Staats­fi­nan­zen auf­grund der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lun­gen vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen ste­hen“, mahnt die Bun­des­bank. Das gel­te ins­be­son­de­re für die Ren­ten­ver­si­che­rung.

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