Noch nicht kom­plett, aber end­lich an­ge­zo­gen

Mo­or­lei­che „Ber­nie“durf­te au­then­ti­sche Klei­dung an­zie­hen

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Die­se Klei­dung ist nun im Em­der Lan­des­mu­se­um an ei­ner Fi­gur zu se­hen, de­ren Kopf und Ge­sichts­zü­ge an­hand des Ori­gi­nal-Ske­letts re­kon­stru­iert wur­den. Be­su­cher kön­nen da­durch se­hen, wie der To­te aus dem 8. Jahr­hun­dert nach Chris­tus aus­ge­se­hen hat und wie er ge­klei­det war.

„Man be­kommt ein ganz an­de­res Bild“, so Mu­se­ums­di­rek­tor Wolf­gang Jahn. Torfste­cher hat­ten die Mo­or­lei­che 1907 in Ost­fries­land zu­fäl­lig ent­deckt. Der Fund ist nach An­ga­ben der Ex­per­ten der ein­zi­ge in Nord­eu­ro­pa, der so gut er­hal­ten ist.

Die 1200 Jah­re al­te Mo­or­lei­che von Ber­nuths­feld im Land­kreis Au­rich bil­det den Hö­he­punkt in der archäo­lo­gi­schen Samm­lung des Ost­frie­si­schen Lan­des­mu­se­ums Em­den. Sie wird in der ers­ten Eta­ge zu­sam­men mit an­de­ren Fun­den im his­to­ri­schen Kon­text ih­rer Zeit prä­sen­tiert.

Bei der Mo­or­lei­che han­delt es sich um das Ske­lett ei­nes Man­nes von ca. 1,65m Grö­ße, das aus dem 8. Jahr­hun­dert nach Chris­tus stammt. Ent­deckt wur­de der Leich­nam be­reits am 24. Mai 1907 zu­fäl­lig beim Torfste­chen. Ne­ben dem Ske­lett und dem Haar­schopf des Man­nes konn­ten auch sei­ne Klei­der, ein le­der­ner Rie­men so­wie ei­ne Mes­ser­schei­de aus Le­der ge­bor­gen wer­den.

Der To­te war mit­ten im Moor in ei­ner recht­ecki­gen, mit Moos aus­ge­pols­ter­ten Gru­be re­gel­recht be­stat­tet wor­den. Den voll­stän­dig be­klei­de­ten Leich­nam hat­te man in ei­ne De­cke ge­hüllt und mit leicht an­ge­win­kel­ten Glied­ma­ßen in Sei­ten­la­ge auf das Moos­pols­ter ge­bet­tet.

Der Mann von Ber­nuths­feld trug ein lan­gär­me­li­ges, bis an die Knie rei­chen­des Hemd, das aus ein­zel­nen Stoff­tei­len zu­sam­men­ge­näht ist. Die Bei­ne wa­ren mit lan­gen, schma­len Woll­bin­den um­wi­ckelt, um die Schul­tern lag ein kur­zer Um­hang mit Ka­pu­ze.

Sämt­li­che Klei­dungs­stü­cke sind aus Schaf­wol­le ge­webt. Sie stel­len ein für Ost­fries­land und ganz Nord­deutsch­land ein­zig­ar­ti­ges Zeug­nis früh­mit­tel­al­ter­li­cher Tex­til­kunst dar.

Im Rah­men der ak­tu­el­len Mo­or­lei­chen-For­schung soll die Mo­or­lei­che von Ber­nuths­feld drei­di­men­sio­nal re­kon­stru­iert wer­den, um ein le­bens­na­hes Ab­bild des Man­nes zu er­hal­ten. Fo­to oben Die Re­stau­ra­to­ren Jens Klo­cke und Ka­trin Ka­nia ar­bei­ten im stfrie­si­schen Lan­des­mu­se­um Em­den an der Re­kon­struk­ti­on der Mo­or­lei­che „Mann von Ber­nuths­feld von 1 07“, die etzt neue Klei­der be­kom­men hat. Rechts Der „Mann von Ber­nuths­feld von 1 07“, liegt seit Au­gust 201 im stfrie­si­schen Lan­des­mu­se­um in ei­ner Vi­tri­ne.

Frankfurt/Main (dpa) Die Ar­bei­ten der Paul Ehr­li­chP­reis­trä­ger 2018 sind aus Sicht des Stif­tungs­rats „ein ein­zig­ar­ti­ges Bei­spiel“für me­di­zi­ni­sche Grund­la­gen­for­schung, die in bes­se­re Be­hand­lung mün­det. Mit dem Paul Ehr­lich- und Lud­wig Darm­sta­ed­ter-Preis wer­den in die­sem Jahr der US-Ame­ri­ka­ner Ant­ho­ny Ce­ra­mi (Fo­to links) und der Is­rae­li Da­vid Wal­lach (rechts) aus­ge­zeich­net. Die mit 120.000 Eu­ro do­tier­te Eh­rung für Me­di­zi­ner wur­de in der Frank­fur­ter Pauls­kir­che über­reicht wer­den.

Ce­ra­mi hat nach sei­ner aka­de­mi­schen Kar­rie­re ei­ne Phar­ma­fir­ma im US-Bun­des­staat New York ge­grün­det. Wal­lach ar­bei­tet am Weiz­mann In­sti­tu­te of Sci­ence in Re­ho­vot. Sie ha­ben un­ab­hän­gig von­ein­an­der die Be­deu­tung des Bo­ten­stoffs TNF (Tu­mor­ne­kro­se­fak­tor) ent­schlüs­selt.

Die Neu­tra­li­sie­rung die­ses Stof­fes sei durch sie „zu ei­nem der wich­tigs­ten The­ra­pie­prin­zi­pi­en in der Me­di­zin“ge­wor­den, hieß es bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz. Rheu­ma, Schup­pen­flech­te, Mor­bus Crohn und an­de­re chro­nisch-ent­zünd­li­che Er­kran­kun­gen wür­den heu­te welt­weit mit An­ti­kör­pern oder Pro­te­inen be­han­delt, die TNF neu­tra­li­sie­ren.

Der Nach­wuchs­preis geht an Tim J. Schulz (38) vom Deut­schen In­sti­tut für Er­näh­rungs­for­schung in Pots­dam. Der Bio­che­mi­ker wird für sei­ne Ar­bei­ten über wei­ße und brau­ne Fett­zel­len ge­ehrt. Sein Preis ist mit 60.000 Eu­ro do­tiert. Brau­nes Fett ist ei­ne Art Heiz­ge­we­be, das Ener­gie ver­brennt. Wei­ßes Fett dient als Ener­gie­spei­cher.

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