Grenz­kon­trol­len: See­ho­fer er­wägt ver­stärk­ten Ein­satz

igent­lich geh rt frei­es ei­sen zwi­schen ie­len - än­dern zum ern ur­opas, aber der neue es­sort­chef sieht kei­ne ocke­rung im Ge­gen­teil. nd dann er­teilt er dem slam noch ei­ne Ab­sa­ge.

Amerika Woche - - Nachrichten - von San­dra Mül­ler

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer will die in der Flücht­lings­kri­se wie­der ein­ge­führ­ten Kon­trol­len an deut­schen Gren­zen auf un­be­stimm­te Zeit fort­set­zen und wo­mög­lich noch ver­stär­ken. „Es sind nicht all zu vie­le Grenz­stel­len in Deutsch­land der­zeit dau­er­haft be­setzt. Auch dar­über wird nun zu re­den sein, ob das so blei­ben kann“, sag­te der CSU-Chef. Kon­trol­len soll­ten nicht nur il­le­ga­le Grenz­über­trit­ten ver­hin­dern, son­dern auch an­de­re Schutz­funk­tio­nen er­fül­len. Ab­schie­bun­gen in Deutsch­land le­ben­der Flücht­lin­ge oh­ne Blei­be­recht soll­ten gen­ein­sam mit den Län­dern be­schleu­nigt wer­den.

„Die­se Bin­nen­grenz­kon­trol­len müs­sen so lan­ge aus­ge­führt wer­den, so­lan­ge die EU es nicht schaf ft, die Au­ßen­gren­zen wirk­sam zu schüt­zen und zu kon­trol­lie­ren“, er­klär­te See­ho­fer. „Auf ab­seh­ba­re Zeit se­he ich im Au­gen­blick nicht, dass ihr das ge­lin­gen wird.“

Deutsch­land hat­te die An­fang 2016 ein­ge­führ­ten Kon­trol­len an der Gren­ze zu Ös­ter­reich, die im Schen­gen-Raum ei­gent­lich nicht vor­ge­se­hen sind, im Herbst um wei­te­re sechs Mo­na­te ver­län­gert. Be­grün­det wird dies mit Ter­ror­ge­fahr und il­le­ga­ler Mi­gra­ti­on we­gen man­geln­den Schut­zes der Au­ßen­gren­zen.

Die Frei­zü­gig­keit, die „ei­ne gro­ße Er­run­gen­schaft“sei, kön­ne nur bei wirk­sa­men Kon­trol­len der Au­ßen­gren­zen funk­tio­nie­ren, mach­te See­ho­fer deut­lich. Un­ter­stüt­zung be­kam er von Sach­sens In­nen­mi­nis­ter Ro­land Wöl­ler: „Wenn der Schutz der EU-Au­ßen­gren­zen nur un­zu­rei­chend funk­tio­niert, sind Kon­trol­len an den deut­schen Gren­zen um­so wich­ti­ger“. Auch in Sach­sen brau­che es mehr Prä­senz der Bun­des­po­li­zei an den Gren­zen.

Die Grü­nen, die be­kannt­lich für ei­ne to­ta­le Grenz­öff­nung für al­le sind, kri­ti­sier­ten die Äu­ße­run­gen. „Wir brau­chen in­tel­li­gen­te­re Lö­sun­gen als pla­ka­ti­ve Schein­ant­wor­ten wie „Grenz­bäu­me run­ter“„, sag­te Frak­ti­ons­vi­ze Kon­stan­tin von Notz. Die Bun­des­po­li­zei schie­be be­reits Mil­lio­nen Über­stun­den vor sich her. „Wer mehr Ein­satz for­dert, muss auch hin­ter­le­gen, wie das funk­tio­nie­ren soll.“

Um die Ab­schie­bun­gen ab­ge­lehn­ter Asyl­be­wer­ber zu be­schleu­ni­gen, for­dert See­ho­fer auch mehr Stel­len für Ver­wal­tungs­rich­ter. Es gel­te, „sämt­li­che Ab­schie­bungs­hin­der­nis­se“zu iden­ti­fi­zie­ren. Dann sol­le ent­schie­den wer­den, „wo wir Ge­set­ze än­dern müs­sen, wo wir Ver­ein­ba­run­gen mit den Her­kunfts­län­dern brau­chen, wo wir den Län­dern und den Be­hör­den bei der Durch­füh­rung der Ab­schie­bun­gen hel­fen kön­nen“. See­ho­fer wie­der­hol­te den Vor­schlag sei­nes Vor­gän­gers Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU), dass der Bund mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men kön­ne.

Mit Blick auf ei­ni­ge öst­li­che EU-Län­der, die kei­ne Flücht­lin­ge auf­neh­men wol­len, warf See­ho­fer der EU-Kom­mis­si­on vor, bei ihr ha­be sich „ein be­leh­ren­der Ton“ein­ge­schli­chen, der kon­tra­pro­duk­tiv sei. „Wenn wir ge­dul­dig wei­ter ver­han­deln, wird man ei­nen Groß­teil der Län­der für die Flücht­lings­ver­tei­lung ge­win­nen“, sag­te der CSU-Chef. „Ein an­de­rer Teil der Län­der wird sich in an­de­rer Form dar­an be­tei­li­gen, et­wa in­dem die­se Län­der mehr Per­so­nal an die Gren­zen ent­sen­den oder Geld für die ge­mein­sa­me Grenz­si­cher­heit ge­ben.“

Die von See­ho­fer ent­fach­te Dis­kus­si­on über den Is­lam in Deutsch­land ist aus Sicht des Ko­ali­ti­ons­part­ners SPD nutz­los. „Das ist ei­ne acht Jah­re al­te De­bat­te, die in­ner­halb der Uni­on im­mer noch ge­führt wird, aber nie­man­den wei­ter­bringt“, so Frak­ti­ons­che­fin Andrea Nah­les. Die Grü­nen war­fen See­ho­fer - na­tür­lich - vor, Mus­li­me vor den Kopf zu sto­ßen.

Und sie zei­gen wie­der ein­mal, für was sie ste­hen: Als Si­gnal der So­li­da­ri­tät soll­te der Chef des Zen­tral­rats der Mus­li­me in Deutsch­land, Ai­man Ma­zy­ek, am Di­ens­tag (nach Re­dak­ti­ons­schluss) an der Grü­nen-Frak­ti­ons­sit­zung teil­neh­men, wie die Vor­sit­zen­de Ka­trin Gö­ring-Eckardt sag­te. Man mag es kaum glau­ben.

See­ho­fer ver­tei­dig­te in­des sei­ne Äu­ße­run­gen. Er hat­te zu­vor ge­sagt, der Is­lam ge­hö­re nicht zu Deutsch­land, dort le­ben­de Mus­li­me aber „selbst­ver­ständ­lich“da­zu. Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) dis­tan­zier­te sich von den Äu­ße­run­gen. Meh­re­re CSU-Po­li­ti­ker stell­ten sich er­neut hin­ter See­ho­fers For­mu­lie­rung.

res­se­stim­men

FAZ Der neue Bun­des­in­nen­mi­nis­ter See­ho­fer po­saun­te gleich am zwei­ten Tag im neu­en Amt mit Hil­fe der größ­ten Bou­le­var­dTrom­pe­te hin­aus, dass er nun die Füh­rung der Nein-Be­we­gung zu über­neh­men ge­den­ke. Es pres­siert schließ­lich, schon am 14. Ok­to­ber ist in Bay­ern Land­tags­wahl, in der es für die CSU und da­mit auch für ih­ren Vor­sit­zen­den um die ab­so­lu­te Mehr­heit geht, al­so um al­les. Und soll­te es rei­ner Zu­fall sein, dass See­ho­fer aus­ge­rech­net an dem Tag so rich­tig auf die groß­ko­ali­tio­nä­re Kon­sens­sah­ne haut, an dem Mar­kus Sö­der zum neu­en baye­ri­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ge­wählt wird? In München hat­te man die Wahl ex­tra ver­scho­ben, da­mit Mer­kels Wie­der­wahl Sö­der nicht die Show stiehlt. Schon war die Bahn frei für den Amts­vor­gän­ger, in Er­in­ne­rung zu brin­gen, dass es ihn auch noch gibt, und zwar nicht zu knapp. Münch­ner Mer­kur Es war si­cher nur ein ganz be­dau­er­li­cher Zu­fall: Just an dem Mor­gen, an dem Mar­kus Sö­der zu sei­nem Nach­fol­ger ge­wählt wer­den soll­te, knall­te ihm Horst See­ho­fer ei­ne di­cke Schlag­zei­le um die Oh­ren. Die Is­lam-Äu­ße­run­gen des neu­en Bun­des­in­nen­mi­nis­ters be­wei­sen, dass See­ho­fer auch künf­tig bei je­der Ge­le­gen­heit sei­nem Nach­fol­ger in die Sup­pe spu­cken wird. Der Macht­kampf in München mag ent­schie­den sein, doch der CSU-Chef könn­te sich ge­gen­über der Land­tags­frak­ti­on und ih­rem neu­en Lieb­ling als nach­tra­gend er wei­sen. Ob der brü­chi­ge Frie­den bis zur Land­tags­wahl hält, bleibt ab­zu­war­ten. Si­cher ist aber: Soll­te die Land­tags­wahl nicht das ge­wünsch­te Er­geb­nis brin­gen, wird gna­den­los ab­ge­rech­net. Der Ta­ges­spie­gel, Berlin Horst See­ho­fer sagt, der Is­lam ge­hö­re nicht zu Deutsch­land. Die bei uns le­ben­den Mus­li­me al­ler­dings ge­hör­ten zu Deutsch­land. In­ter­es­sant ist die lo­gi­sche Struk­tur von See­ho­fers Satz. Sie er­in­nert ein we­nig an die Hal­tung der ka­tho­li­schen Kir­che zur Ho­mo­se­xua­li­tät. Dem­nach sei­en ho­mo­se­xu­el­le Hand­lun­gen zwar auf kei­nen Fall zu bil­li­gen, den Ho­mo­se­xu­el­len aber müs­se mit Ach­tung, Mit­leid und Takt be­geg­net wer­den. Der ideo­lo­gi­sche Über­bau wird ab­ge­lehnt, die Ak­teu­re aber wer­den gut­ge­hei­ßen. Sät­ze die­ser Art fal­len öf­ter mal, et­wa in der Form: Ich mag den Ve­ga­nis­mus nicht, aber ei­ni­ge Ve­ga­ner sind rich­tig nett. Wahl­wei­se und je nach Prä­fe­renz kann es statt Ve­ga­nis­mus auch Kom­mu­nis­mus, Pa­trio­tis­mus oder Chris­ten­tum hei­ßen. Der An­hän­ger ei­ner an­geb­lich fal­schen Leh­re wird exkul­piert, weil man ihn kennt und sym­pa­thisch fin­det. Strau­bin­ger Tag­blatt See­ho­fer ist ei­ne Aus­nah­me­er­schei­nung in der deut­schen Po­li­tik. Er ist nicht glatt ge­bü­gelt, er hat sich nicht sämt­li­cher Kan­ten und Emo­tio­nen be­raubt, er son­dert sel­te­ner als die an­de­ren in­halts­lo­se Sprech­bla­sen ab und er steht zu sei­nen Kurs­wech­seln. Und ei­nes steht schon jetzt fest: Mit ihm an der Spit­ze des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums wird es auf je­den Fall un­ter­halt­sa­mer als bei dem höl­zer­nen Tho­mas de Mai­ziè­re. Han­dels­blatt, Han­no­ver Lei­se-tech­no­kra­tisch vor sich hin­ar­bei­ten, sich ge­räusch­lo­s­ef­fi­zi­ent der Her­aus­for­de­rung der In­te­gra­ti­on und den Pro­ble­men der in­ne­ren Si­cher­heit an­neh­men? Kommt na­tür­lich nicht in Fra­ge. Horst See­ho­fer hat schon am ers­ten Tag im neu­en Amt be­wie­sen, dass er sein Hei­mat­mi­nis­te­ri­um zur Schlag­zei­len­fa­brik ma­chen will. „Der Is­lam ge­hört nicht zu Deutsch­land“, sag­te der Bun­des­mi­nis­ter des In­ne­ren, für Bau und Hei­mat. Da­mit war ihm die Ti­tel­sei­te der Bild-Zei­tung si­cher. Kon­tro­ver­se ent­facht, Ziel er­reicht. Die Rei­zung po­li­ti­scher Er­re­gungs­re­zep­to­ren ist das Spe­zi­al­ge­biet des CSU-Chefs. In den drei­ein­halb Jah­ren bis zur nächs­ten Bun­des­tags­wahl wird er sein Kön­nen noch öf­ters un­ter Be­weis stel­len. See­ho­fer will das In­nen­mi­nis­te­ri­um zum Macht­zen­trum aus­bau­en – ne­ben Kanz­ler­amt und Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. De Te­le­graaf, Ams­ter­dam Mit die­ser Äu­ße­rung geht der ehe­ma­li­ge baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent, der Vor­sit­zen­de der Re­gie­rungs­par­tei CSU, in di­rek­te Kon­fron­ta­ti­on zu sei­ner Che­fin An­ge­la Mer­kel. Die Bun­des­kanz­le­rin und CDU-Vor­sit­zen­de sag­te be­reits 2015 - al­so noch vor der Flücht­lings­kri­se - dass der Is­lam sehr wohl zu Deutsch­land ge­hört. Das be­kräf­tig­ten auch der da­ma­li­ge Bun­des­prä­si­dent Wul­ff und der mäch­ti­ge Mi­nis­ter Schäu­b­le. Des­halb gibt es nun Streit. Aber See­ho­fer muss hart blei­ben, denn er fürch­tet die rech­te Kon­kur­renz von der AfD. Im Herbst wird in Bay­ern ge­wählt und zu­sam­men mit dem neu­en Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Mar­kus Sö­der will „Hei­mat-Horst“der AfD den Wind aus den Se­geln neh­men. Neue Zürcher Zei­tung Die In­te­gra­ti­on der Mus­li­me funk­tio­niert schlech­ter als die­je­ni­ge an­de­rer aus­län­di­scher Be­völ­ke­rungs­grup­pen. Das liegt auch dar­an, dass ih­re In­te­gra­ti­on durch is­la­mi­sche Ver­bän­de und Mo­sche­en, vie­le von Sau­di­ara­bi­en und der Tür­kei fi­nan­ziert, ak­tiv hin­ter­trie­ben wird. Oft führt der deut­sche Staat aus­ge­rech­net mit die­sen Ver­bän­den ei­nen nai­ven Dia­log. Der Satz „Der Is­lam ge­hört zu Deutsch­land“kann bis jetzt auch als Ein­la­dung in die Par­al­lel­ge­sell­schaft ver­stan­den wer­den. Der ex­pli­zi­te Aus­schluss des Is­lams, aus­ge­spro­chen vom deut­schen In­nen­mi­nis­ter, ist dem Dia­log nicht dien­lich, ei­ne ex­pli­zi­te Ein­la­dung ver­früht. Erst sol­len sich die is­la­mi­schen Ver­bän­de in Deutsch­land ver­stärkt um die

Stutt­gar­ter Zei­tung Was Deutsch­land nun be­vor­steht, ist die kleins­te gro­ße Ko­ali­ti­on al­ler Zei­ten - und zugleich die schwie­rigs­te. Da­für gibt es sechs Grün­de: ers­tens die Schwä­che der Volks­par­tei­en, die sie tra­gen; zwei­tens die Flieh­kräf­te, die sich dar­aus er­ge­ben; drit­tens das Ver­falls­da­tum der Macht, dem Mer­kel und der Mann ent­ge­gen­bli­cken, der sie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren am meis­ten pro­vo­ziert hat - Horst See­ho­fer. Vier­tens re­giert die Gro­ko in ei­nem Kli­ma des Miss­trau­ens. Fünf­tens geht sie heik­len Land­tags­wah­len ent­ge­gen, die wie Spreng­sät­ze das po­li­ti­sche Ter­rain pflas­tern: Bay­ern, Hes­sen, Sach­sen. Und dann gibt es po­li­ti­sche Ri­si­ken, für die sich im Ko­ali­ti­ons­ver­trag nichts fin­det, was sie ent­schär­fen könn­te: vom Han­dels­krieg mit den USA bis zu fi­nan­zi­el­len Un­wäg­bar­kei­ten im Wehr- und So­zi­al­etat. FAZ In der Eu­ro­pa­po­li­tik be­kommt der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Ma­cron nun end­lich den Part­ner, auf den er so lan­ge war­ten muss­te. Wo­hin die ge­mein­sa­me Rei­se geht, ist aber noch nicht aus­ge­macht, schon weil Berlin und Pa­ris in wich­ti­gen fi­nan­zund sta­bi­li­täts­po­li­ti­schen Fra­gen nicht zwin­gend ei­ner Mei­nung sind. Und beim Groß­the­ma Mi­gra­ti­on ha­ben die Mit­tel­ost­eu­ro­pä­er der Kanz­le­rin längst die Ge­folg­schaft ge­kün­digt. Die (Ver­tei­lungs-)Kon­flik­te, die mit den Mi­gran­ten nach Deutsch­land ka­men, will die alt­neue Ko­ali­ti­on mit viel Geld be­frie­den. Beim Rück­griff auf die­ses Mit­tel sind die Ko­ali­tio­nä­re sich so ei­nig wie bei kei­nem an­de­ren. Dass nun ei­ne „so­zia­le Re­gie­rung“ans Ru­der kom­me, hob nicht et­wa der SPDVor­sit­zen­de her­vor, son­dern Horst See­ho­fer. (...) Auch ge­schrumpft bleibt die gro­ße Ko­ali­ti­on sich treu. Münch­ner Mer­kur Auf die Idee, den po­pu­lärs­ten Mi­nis­ter aus­ge­rech­net durch den un­po­pu­lärs­ten zu er­set­zen, muss man erst mal kom­men. Der füg­sa­me Hei­ko Maas statt des un­be­re­chen­ba­ren Sig­mar Ga­b­ri­el im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um: Für die­se Personalie wird sich die neue SPD-Füh­rung um Andrea Nah­les noch lan­ge recht­fer­ti­gen müs­sen. Ga­b­ri­el ver­kör­pert das Ri­si­ko, die neue Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Fran­zis­ka Gif­fey die Hoff­nung der Par­tei­spit­ze. Als zu­pa­cken­de Be­zirks­bür­ger­meis­te­rin im Ber­li­ner Brenn­punkt-Kiez Neu­kölln war sie haut­nah mit In­te­gra­ti­ons­pro­ble­men kon­fron­tiert, die vie­le ih­rer pro­mi­nen­te­ren Par­tei­freun­de noch nicht mal vom Weg­hö­ren ken­nen. Ihr wird die Auf­ga­be zu­fal­len, die SPD wie­der nä­her an die Le­bens­welt ih­rer Wäh­ler her­an­zu­füh­ren. Horst See­ho­fers ers­tes In­ter­view als de­si­gnier­ter Bun­des­in­nen­mi­nis­ter lässt ei­nen neu­en An­satz er­ah­nen: An­ders als Vor­gän­ger Tho­mas de Mai­ziè­re, der ge­ra­de beim Ruf nach ei­ner kon­se­quen­ten Asyl­po­li­tik eher als ju­ris­ti­scher Be­den­ken­trä­ger auf­fiel, will See­ho­fer dem The­ma Si­cher­heit ein Ge­sicht ge­ben. Der An­satz ist rich­tig, denn ver­mut­lich ge­hört es zu den größ­ten Feh­lern des letz­ten Mer­kelKa­bi­netts, dass vie­le Bür­ger nie das Ge­fühl be­ka­men, in Berlin wür­den ih­re Sor­gen ernst ge­nom­men. Der Kanz­le­rin der Will­kom­mens­kul­tur fehl­te ein star­kes Ge­gen­ge­wicht, das auf die Ein­hal­tung von Recht und Ord­nung poch­te. Frank­fur­ter Rund­schau Die Er­stel­lung der Mi­nis­ter­lis­te mag - we­gen des ge­le­gent­lich läh­men­den Re­gio­nal­pro­por­zes in der SPD - kom­pli­ziert ge­we­sen sein. Doch die ei­gent­li­chen Auf­ga­ben kom­men erst noch: Hat die Par­tei Ant­wor­ten auf Glo­ba­li­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung zu bie­ten, die der Mit­tel­schicht die Ab­stiegs­ängs­te neh­men? Wie wird sie wie­der als Volks­par­tei der lin­ken Mit­te er­kenn­bar? Und: Meint die Par­tei es mit dem An­spruch der ei­ge­nen Er­neue­rung ernst - oder hat sich das jetzt schon wie­der er­le­digt, wo Mi­nis­ter­pos­ten und Man­da­te ge­si­chert sind? Nah­les und Scholz dür­fen jetzt in der Auf­stel­lung spie­len, die sie wol­len. Da­mit liegt dann auch die Ver­ant­wor­tung für Ge­lin­gen und Schei­tern al­lein bei ih­nen. Das ist ei­ne Klar­heit, die der SPD gut­tut in Zei­ten, in de­nen für sie sonst so ziem­lich al­les un­klar ist. Es ist mu­tig und klug, dass Nah­les und Scholz sich ge­gen Ga­b­ri­el ent­schie­den ha­ben. Jetzt müs­sen die bei­den lie­fern. Stutt­gar­ter Zei­tung In­halt­lich ist die künf­ti­ge Re­gie­rung or­dent­lich ge­rüs­tet für ei­ne Po­li­tik, die wie­der nä­her am All­tag der Men­schen ist. Ihr Ko­ali­ti­ons­ver­trag greift ei­ne Rei­he von The­men auf, die bis­her ver­nach­läs­sigt oder nur un­zu­rei­chend ge­löst wur­den. Der Pfle­ge­not­stand soll ent­schie­de­ner be­kämpft, die Aus­stat­tung der Schu­len mo­der­ni­siert, die Ganz­tags­be­treu­ung an Grund­schu­len ga­ran­tiert, der länd­li­che Raum auf­ge­wer­tet, mehr Wohn­raum ge­schaf­fen, die Flücht­lings­po­li­tik ver­än­dert wer­den. Die Fra­ge wird sein, ob Mer­kels Uni­on und die So­zi­al­de­mo­kra­tie kom­mu­ni­ka­tiv ge­rüs­tet sind für ei­ne Zu­sam­men­ar­beit, die die Ri­va­li­tät der bei­den gro­ßen po­li­ti­schen La­ger er­neut auf­hebt. Die Welt, Berlin Ent­schei­dend ist schlicht, dass die­se Re­gie­rung in ih­rer Kom­bi­na­ti­on aus er­fah­re­nen Käm­pen und jun­gen Ta­len­ten die Kraft zu aus­ge­spro­chen mu­ti­gen In­no­va­tio­nen und mit­un­ter un­po­pu­lä­ren Maß­nah­men mit­bringt. Wenn aus ers­te­ren ein Flug­ta­xi ent­steht, dann nur her da­mit! Dass zu letz­te­ren ei­ne längst über­fäl­li­ge Ent­schie­den­heit bei der Durch­set­zung der in­ne­ren Si­cher­heit ge­hört, ist kei­ne Fra­ge. Kol­la­te­ral­schä­den ei­ner aus­geu­fer­ten Zu­wan­de­rung be­dür­fen der Re­pa­ra­tur. Da­zu muss der Staat die Ak­zep­tanz rechts­staat­li­cher Wer­te von je­der­mann, die Ab­schie­bung von Mi­gran­ten oh­ne Schutz­an­spruch und die In­te­gra­ti­ons­be­reit­schaft von je­nen er­zwin­gen, die in Deutsch­land blei­ben, ob für im­mer oder län­ge­re Zeit. Die drit­te schwarz-ro­te Ko­ali­ti­on seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung wird nur ob­sie­gen kön­nen, wenn sie die­se Rea­li­tät ins Vi­sier nimmt. Jetzt sei An­ge­la Mer­kel und ih­rem Team nach al­ler Skep­sis der vo­ri­gen Mo­na­te je­der Er­folg ge­wünscht.

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