Par­tei­chefs be­sie­geln gro­ße Ko­ali­ti­on: „Ei­gent­lich drängt fast al­les“

S ist kei­ne ie­bes­hei­rat, aber sie soll drei­ein­halb ah­re lang hal­ten DU SU und S D aben den Ver­trag f r ih­re neue ge­mein­sa­me Re­gie­rung in Deutsch­land un­ter­schrie­ben. Die Kanz­le­rin drängt ih­re neue Mann­schaft schon mal zur ile.

Amerika Woche - - Meinung - Von Jürgen Bonk

Fast ein hal­bes Jahr nach der Wahl ha­ben CDU/CSU und SPD die Neu­auf­la­ge ih­rer gro­ßen Ko­ali­ti­on in Deutsch­land be­sie­gelt. „Sehr viel Ar­beit liegt vor uns“, sag­te Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU, Fo­to) un­mit­tel­bar vor der Un­ter­zeich­nung des Ko­ali­ti­ons­ver­trags in Berlin. Das har­te Rin­gen um die Grund­la­gen ei­ner ge­mein­sa­men Re­gie­rung ha­be sich ge­lohnt. Der künf­ti­ge Vi­ze­kanz­ler und kom­mis­sa­ri­sche SPD-Chef Olaf Scholz sag­te, die neue gro­ße Ko­ali­ti­on ha­be nicht als „Lie­bes­hei­rat“be­gon­nen. Er zeig­te sich aber über­zeugt, dass das Bünd­nis bis zur nächs­ten plan­mä­ßi­gen Wahl 2021 hal­ten und gut zu­sam­men­ar­bei­ten wer­de.

Mit der vier­ten Wahl Mer­kels zur Kanz­le­rin im Par­la­ment en­de­te die längs­te Re­gie­rungs­bil­dung in der bun­des­deut­schen Ge­schich­te. Die Deut­schen er­war­te­ten nun ei­ne schnel­le Um­set­zung der ge­mein­sa­men Plä­ne, sag­te CSUChef Horst See­ho­fer. „Es ist ein Ko­ali­ti­ons­ver­trag für die klei­nen Leu­te.“Für sie sei­en Ar­beits­platz­si­che­rung und be­zahl­ba­rer Wohn­raum be­son­ders wich­tig. Es gel­te für die Ko­ali­ti­on, das Ver­trau­en der Be­völ­ke­rung „durch Leis­tung“zu ge­win­nen. Mer­kel sag­te: „Ei­gent­lich drängt fast al­les, was wir uns vor­ge­nom­men ha­ben.“

Die Par­tei- und Frak­ti­ons­spit­zen von CDU, CSU und SPD un­ter­zeich­ne­ten in ei­nem Ge­bäu­de des Bun­des­tags den An­fang Fe­bru­ar aus­ge­han­del­ten Ver­trag für ihr Re­gie­rungs­pro­gramm. Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er zeig­te sich er­leich­tert: „Ich bin froh dar­über, dass die Zeit der Un­si­cher­heit und Ve­r­un­si­che­rung vor­über­geht“, sag­te er in Düs­sel­dorf.

Am Mitt­woch ver­ei­dig­te er das neue Ka­bi­nett. Er hat­te die SPD ge­drängt, nach dem Schei­tern der „Ja­mai­ka“-Ge­sprä­che von CDU, Li­be­ra­len und Grü­nen trotz gro­ßer Vor­be­hal­te mit Mer­kels Uni­on über ei­ne wei­te­re Ko­ali­ti­on zu ver­han­deln. CDU/CSU und SPD hat­ten bei der Bun­des­tags­wahl vie­le Stim­men ver­lo­ren und stel­len nun ge­mein­sam nur noch 56 Pro­zent der Ab­ge­ord­ne­ten im Bun­des­tag.

„Das wird ei­ne gu­te Re­gie­rung“, ver­sprach der künf­ti­ge deut­sche Fi­nanz­mi­nis­ter und Vi­ze­kanz­ler Scholz (SPD, Fo­to). Den So­zi­al­de­mo­kra­ten ge­he es dar­um, das Le­ben der Men­schen „Schritt für Schritt, Tag für Tag“bes­ser und das Land ge­rech­ter zu ma­chen. Sie wür­den nun „mit der ge­bo­te­nen Ernst­haf­tig­keit, mit der not­wen­di­gen kon­struk­ti­ven Hal­tung und dem nö­ti­gen Op­ti­mis­mus“an die Ar­beit ge­hen. Ein wich­ti­ges Ziel sei es, gu­te Ar­beits­plät­ze trotz des ra­san­ten Wan­dels durch die Di­gi­ta­li­sie­rung zu er­hal­ten. Die Sor­gen der Bür­ger müs­se ei­ne Re­gie­rung auf­grei­fen.

Scholz und Mer­kel zeig­ten sich ei­nig, dass ein neu­er Bun­des­haus­halt nun zu den drin­gends­ten Auf­ga­ben ge­hört. Den Ver­zicht auf neue Schul­den, die so­ge­nann­te „Schwar­ze Null“, ha­be man sich ge­mein­sam vor­ge­nom­men, be­ton­te Scholz. See­ho­fer kün­dig­te an, bei ihm als künf­ti­gem In­nen­mi­nis­ter gel­te „in je­der Rich­tung null To­le­ranz ge­gen­über Straf­ta­ten und Ge­walt“. Das gel­te un­ab­hän­gig von der Na­tio­na­li­tät der Tä­ter.

Die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en grif­fen die Plä­ne der gro­ßen Ko­ali­ti­on an. Der Lin­ke-Vor­sit­zen­de Bernd Ri­ex­in­ger kri­ti­sier­te, mit Scholz, dem künf­ti­gen Ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und See­ho­fer als In­nen­mi­nis­ter hät­ten „Schwar­ze Null, Pfle­ge­not­stand und Rechts­ruck Stamm­plät­ze auf der Re­gie­rungs­bank“. Grü­nen­Che­fin An­na­le­na Ba­er­bock sag­te, der Gro­Ko-Ver­trag ha­be „gro­ße Lü­cken ge­ra­de bei den gro­ßen Zu­kunfts­her­aus­for­de­run­gen“: Kli­ma­schutz, Di­gi­ta­li­sie­rung und Be­kämp­fung von Ar­mut. FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner be­män­gel­te, es fehl­ten Ent­las­tun­gen für die Mit­te der Ge­sell­schaft. „Die­ser gan­ze Ko­ali­ti­ons­ver­trag at­met den Geist ei­ner ab­so­lu­ten Staats­fi­xie­rung“, sag­te er. „Von den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern wird ei­gent­lich nur ge­spro­chen als von den Be­dürf­ti­gen, den Schwa­chen, von den Pa­ti­en­ten, um die man sich küm­mern muss.“Der AfD-Vor­sit­zen­de Jörg Meu­then be­zeich­ne­te den Ko­ali­ti­ons­ver­trag als so­zi­al­de­mo­kra­tisch ge­präg­tes „Sam­mel­su­ri­um“oh­ne Leit­idee.

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