Opern­in­ten­dant Bach­ler: Man muss sich vor dem Pla­ka­ti­ven hü­ten

Ge­ra­de er­folg­te die Mu­sik­welt ge­spannt den Auf­tritt des neu­en üh­rungs­du­os der Ba eri­schen Staats­oper: Dorn und Ju­row­ski be­stim­men ab 2 2 die Ge­schi­cke des Hau­ses. och hat iko­laus Bach­ler das Sa­gen.

Amerika Woche - - Kultur - Herr Bach­ler: Die neue Spiel­zeit hat das The­ma „Al­les was recht ist“. Das hört sich sehr kämp­fe­risch an. Ist das auch so ge­meint? Kann man Ihr Spiel­zeitThe­ma auch als po­li­ti­sches State­ment ver­ste­hen? Sie star­ten die Spiel­zeit mit ei­ner Neu­in­sze­nie­rung von

Erst knapp zwei Wo­chen ist es her, da stell­te sich das neue Füh­rungs­duo der Baye­ri­schen Staats­oper in München vor: Der künf­ti­ge In­ten­dant Ser­ge Dor­ny und der neue Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Vla­di­mir Ju­row­ski. Doch bis die bei­den in München star­ten, wer­den noch gut drei Jah­re ver­ge­hen. Bis da­hin wird Ni­ko­laus Bach­ler mit Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Ki­rill Pe­tren­ko die Ge­schi­cke des Hau­ses lei­ten. Der Ös­ter­rei­cher hat noch viel vor in München - und über­dies kei­ne Pro­ble­me da­mit, dass sei­ne Zeit an der Staats­oper ir­gend­wann zu En­de geht, wie er in un­se­rem In­ter­view

sagt.

Ni­ko­laus Bach­ler: Ich fin­de, das hat viel mit un­se­rem Me­tier zu tun, weil es ei­ner­seits ei­ne Grenz­über­schrei­tung oder auch Zu­mu­tung sein kann. Al­les was recht ist, das las­se ich mir nicht ge­fal­len, das passt mir nicht oder Schluss da­mit. An­de­rer­seits hat es auch da­mit zu tun, wo­rum es in der Kunst zen­tral geht: um Ge­rech­tig­keit, um Recht und Un­recht, um Wahr­heit und Un­wahr­heit.

Ak­tu­el­le Be­zü­ge fin­det man schnell, aber man muss sich vor dem Pla­ka­ti­ven hü­ten. Am Thea­ter kann man tie­fer schau­en und Wi­der­sprü­che zu­las­sen. Wir sind da­zu da, Fra­gen zu stel­len. Und die müs­sen so ra­di­kal, ge­nau, mu­tig und un­ver­stellt sein wie mög­lich. Po­li­tisch ist ein Reiz­wort. Al­les was wir tun, ist po­li­tisch. Die Aus­sa­ge, ich bin kein po­li­ti­scher Künst­ler, geht nicht. Ich er­war­te star­ke Künst­ler mit ei­ner star­ken Aus­sa­ge. „Otel­lo“, da sind wir mit­ten im The­ma. Dar um steht die­ses Stück auch am An­fang der Sai­son. Punkt­ge­nau­er kann man die Fra­ge nach al­lem, was recht ist, gar nicht stel­len. Wie ist man mit dem Frem­den kon­fron­tiert und wie geht man mit ihm um? Was be­deu­tet in ei­ner Ge­sell­schaft Recht und Un­recht? Und was be­deu­tet es für je­den ein­zel­nen? Die Kern­oper zu die­sem Ge­dan­ken ist aber „Karl V.“von Ernst Kre­nek, er hat das Stück 1933 ge­schrie­ben. Dann ka­men die Na­zis, ha­ben Kre­neks Mu­sik als ent­ar­te­te Kunst be­zeich­net und er muss­te emi­grie­ren.

Das ist ei­nes un­se­rer Zen­tral­the­men heu­te. Ein Mensch be­kommt am En­de sei­nes Le­bens die Fra­ge ge­stellt, gibt es ei­nen Heils­brin­ger, gibt es je­man­den, der die­ses Eu­ro­pa als ein Mensch zu­sam­men­bringt? Schau­en wir uns die Welt heu­te an, wo das Heil in der Ein­zel­per­son ge­sucht wird. Ob es die ab­sur­de Gro­tes­ke ei­nes Do­nald Trump ist oder die ei­nes Pu­tin. Oder in mei­ner Hei­mat Ös­ter­reich. Da ato­mi­siert ein 30-jäh­ri­ger Jüng­ling ei­ne Volks­par­tei und macht sich zum Füh­rer. Die­se Ten­den­zen sind das Grund­the­ma die­ses Stücks. Das hat sehr viel mit un­se­rer Ge­gen­wart zu tun. Die Oper ist ei­ne Kunst­form der Ver­gan­gen­heit und es geht um die Fra­ge, wie rin­gen wir der Oper Ge­gen­wart ab?

Mir ging es im­mer gut mit Auf­hö­ren. Den Satz der Mar­schal­lin aus dem „Ro­sen­ka­va­lier“„leicht muss man sein: mit leich­tem Herz und leich­ten Hän­den, hal­ten und neh­men, hal­ten und las­sen“, das muss ich mir nicht an­trai­nie­ren. Ich bin sehr leicht in­ner­lich. Das Le­ben ver­läuft in Wel­len und da­zu ge­hört, dass man sich ver­än­dert.

Ich will kein wei­te­res gro­ßes Haus mehr an­neh­men, kei­ne wei­te­re gro­ße In­sti­tu­ti­on mehr. Das wird eher ein per­sön­li­cher Weg. Wie ge­stal­tet man das letz­te Drit­tel sei­nes Le­bens? Ich will eher pro­jekt­wei­se den­ken.

Sehr gut. Dor­ny ken­ne ich schon lan­ge, mit Ju­row­ski ha­be ich schon ge­ar­bei­tet. Das ist ei­ne gu­te und in­ter­es­san­te Lö­sung und in­so­weit geht es mir auch gut da­mit.

ZUR PER­SON: Der Ös­ter­rei­cher Ni­ko­laus Bach­ler (66) ist seit 2008 In­ten­dant der Baye­ri­schen Staats­oper. Er und Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Ki­rill Pe­tren­ko gel­ten als künst­le­ri­sches Duo, das der Münch­ner Oper zu gro­ßer An­er­ken­nung ver­hol­fen hat. 2021 wer­den sich bei­de von der Staats­oper ver­ab­schie­den. Vor München lei­te­te Bach­ler un­ter an­de­rem die Wie­ner Fest­wo­chen, die Volks­oper Wi­en und das re­nom­mier­te Burg­thea­ter in Wi­en.

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