Ge­richt: DFB muss sei­ne Spit­zen­Re­fe­rees nicht fest an­stel­len

Amerika Woche - - Sport -

Der Deut­sche Fuß­ball-Bund muss sei­ne Spit­zen-Schieds­rich­ter auch in Zu­kunft nicht als fes­te An­ge­stell­te be­zah­len. Ei­ne kost­spie­li­ge Neu­ord­nung sei­nes Schieds­rich­ter­we­sens bleibt dem DFB da­mit er­spart, weil der lang­jäh­ri­ge Dritt­li­ga-Re­fe­ree und Bun­des­li­ga-As­sis­tent Mal­te Dittrich jetzt auch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Hes­sen mit ei­ner ent­spre­chen­den Kla­ge ge­gen den Ver­band de­fi­ni­tiv ge­schei­tert ist.

Der 35-Jäh­ri­ge aus Bre­men lei­te­te im Mai 2015 sein letz­tes Spiel in der Auf­stiegs­run­de zur 3. Li­ga. Da­nach wur­de er vom DFB nicht mehr auf die Schieds­rich­ter-Lis­te für die Sai­son 2015/16 ge­setzt. Seit­dem ver­such­te Dittrich auf dem Rechts­weg durch­zu­set­zen, dass die Spiel­lei­ter beim DFB als An­ge­stell­te und nicht als Selbst­stän­di­ge ge­führt wer­den.

Sei­ne Ar­gu­men­ta­ti­on: Als fes­ter An­ge­stell­ter hät­te sein bis­lang Sai­son für Sai­son im­mer wie­der neu ver­län­ger­ter Ver­trag mit dem DFB nach neun Spiel­zei­ten in der Ers­ten, Zwei­ten oder Drit­ten Li­ga nicht wie­der be­fris­tet wer­den dür­fen. Er hät­te al­so 2015 wei­ter im Pro­fi­be­reich ein­ge­setzt wer­den müs­sen und nicht von der Schieds­rich­ter­lis­te ge­stri­chen wer­den dür­fen.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wies sei­ne Kla­ge aber wie schon das Ar­beits­ge­richt Frankfurt 2016 in ers­ter In­stanz zu­rück. In der Ur­teils­be­grün­dung heißt es: „Der für ei­ne Spiel­zeit ge­schlos­se­ne Ver­trag ist kein Ar­beits­ver­trag, son­dern nur ei­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung.“Und die­se Ver­ein­ba­rung se­he „kei­ne Ver­pflich­tung des Schieds­rich­ters vor, be­stimm­te Spie­le zu über­neh­men.“

Ei­ne Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt ließ die Kam­mer in Frankfurt am Main nicht zu. Das Ur­teil ist da­mit rechts­kräf­tig. Hät­te Dittrich mit sei­ner Kla­ge Er­folg ge­habt, hät­te dies den DFB wo­mög­lich ge­zwun­gen, den Pro­fi-Schieds­rich­ter ein­zu­füh­ren.

„Dass das hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt un­se­re Rechts­auf­fas­sung in die­ser deut­li­chen Form be­stä­tigt, ist er­freu­lich“, sag­te DFB-Vi­ze­prä­si­dent Ron­ny Zim­mer­mann. „Durch das Ur­teil wer­den wie un­längst im Fall des ehe­ma­li­gen Main­zer Tor­hü­ters Heinz Mül­ler er­neut die Be­son­der­hei­ten im Sport un­ter­stri­chen.“

Dittrich lei­te­te zwi­schen 2006 und 2015 ins­ge­samt 64 Dritt­li­ga-Spie­le, da­zu stand er in mehr als 100 Zweit­li­ga­spie­len als As­sis­tent an der Sei­ten­li­nie. In der Fuß­ball-Bun­des­li­ga war er in sei­ner Kar­rie­re ins­ge­samt 20 Mal als Vier­ter Of­fi­zi­el­ler im Ein­satz. Mitt­ler­wei­le ist er Ju­rist, ar­bei­tet für ei­ne Bre­mer An­walts­kanz­lei und ver­trat sich in dem Ver­fah­ren ge­gen den DFB selbst.

Sein Kernar­gu­ment ist, dass ei­ne Schieds­rich­ter­tä­tig­keit im Pro­fi­be­reich fast al­le Kri­te­ri­en ei­nes fes­ten Ar­beit­neh­mer-Sta­tus‘ er­füllt. „Ich un­ter­wer­fe mich ei­nem um­fas­sen­den Vor­ga­ben­ka­ta­log des DFB“, sag­te er. „Ich er­hal­te kla­re in­halt­li­che Wei­sun­gen. Ei­ne Vor­ga­be ist so­gar, dass ich als Schieds­rich­ter ein­mal pro Wo­che zu ei­nem Phy­sio­the­ra­peu­ten ge­hen und zwei­mal pro Wo­che trai­nie­ren soll.“

Der An­walt des DFB hielt in der Ver­hand­lung in Frankfurt da­ge­gen: „Es be­steht kei­ne Ver­pflich­tung, ein Spiel zu lei­ten.“Dittrich ha­be die Rah­men­ver­ein­ba­rung, die er im Nach­hin­ein an­grei­fe, „selbst als ju­ris­tisch ge­bil­de­ter Mensch Jahr für Jahr un­ter­schrie­ben“.

Ei­nen Ver­gleich lehn­ten bei­de Sei­ten ab. Die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin An­ja Fink hat­te an­ge­regt, der DFB mö­ge Dittrich die Chan­ce ein­räu­men, sich als Schieds­rich­ter wie­der für den Pro­fi­be­reich qua­li­fi­zie­ren zu kön­nen.

Doch nach Auf­fas­sung von Zim­mer­mann dür­fe von die­sem Pro­zess nicht das Si­gnal aus­ge­hen, dass man sich noch auf an­de­rem We­ge für die Schieds­rich­ter­lis­te qua­li­fi­zie­ren kön­ne als aus­schließ­lich durch sei­ne Leis­tung. „Wir re­den über Sport. Und im Sport wird Qua­li­tät und Leis­tung be­wer­tet“, sag­te der DFB-Vi­ze. „Un­ser An­spruch muss sein: Die bes­ten Schieds­rich­ter in den obers­ten

Klas­sen zu ha­ben.“

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