Gro­ße Dis­kus­si­on um neu­es Ren­ten­pa­ket in Deutsch­land

Amerika Woche - - Deutschland-extra -

Bun­des­so­zi­al­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD, Fo­to) will sein ers­tes Ren­ten­pa­ket mit Müt­ter- und Er­werbs­min­de­rungs­ren­te zum 1. Ja­nu­ar 2019 in Kraft set­zen. Müt­ter, die vor 1992 Kin­der ge­bo­ren ha­ben, be­kä­men dann wie jün­ge­re Müt­ter auch die vol­len drei Jah­re Kin­der­er­zie­hungs­zeit an­ge­rech­net, so Heil. Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag von Uni­on und SPD ist fest­ge­legt, dass dies nur für Müt­ter mit drei oder mehr Kin­der gel­ten sol­le.

Of­fen ist, ob bis da­hin wie ge­plant auch der Bei­trag zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung um 0,3 Pro­zent­punk­te auf 2,7 Pro­zent vom Brut­to ge­senkt wird und die ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung zur gleich­tei­li­gen Bei­trags­zah­lung von Ar­beit­ge­bern und -neh­mern zu­rück­kehrt - wie von der Gro­ßen Ko­ali­ti­on ei­gent­lich ver­ein­bart. Der­zeit wür­den zwi­schen Ar­beits- und Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um Ge­sprä­che dar­über ge­führt, hieß es aus Re­gie­rungs­krei­sen.

Bei der Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te lässt Heil prü­fen, ob die Ein­schrän­kung, min­des­tens drei Kin­der ge­bo­ren zu ha­ben, ver fas­sungs­recht­lich trag­fä­hig ist. „Ich muss und wer­de den Gleich­heits­grund­satz der Ver­fas­sung be­ach­ten“, sag­te er.

Das Ren­ten­pa­ket soll auch die ver­ein­bar­te Er­hö­hung der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te be­inhal­ten. „Be­trof­fe­ne sol­len künf­tig so viel Ren­te be­kom­men, als hät­ten sie nicht nur bis zum 62., son­dern bis zum 65. Le­bens­jahr ge­ar­bei­tet“, er­läu­ter­te der Mi­nis­ter. Zum an­de­ren ge­he es dar­um, bis 2025 das Ren­ten­ni­veau bei 48 Pro­zent und die Bei­trags­sät­ze zu sta­bi­li­sie­ren. Zur lang­fris­ti­gen Sta­bi­li­sie­rung des Ren­ten­sys­tems soll die Ren­ten­kom­mis­si­on noch vor der Som­mer­pau­se ih­re Ar­beit auf­neh­men.

Bei der Fi­nan­zie­rung der Ren­te setzt Heil auf mehr Steu­er­mit­tel. „Mit­te der 20er Jah­re wer­den die ge­bur­ten­star­ken Jahr­gän­ge in Ren­te ge­hen. Wenn wir die Leis­tun­gen der Ren­te dann nicht ein­schrän­ken und die Bei­trä­ge sta­bil hal­ten wol­len, wer­den wir ins­ge­samt in Zu­kunft über ei­ne deut­lich stär­ke­re Steu­er­fi­nan­zie­rung der Ren­te re­den müs­sen.“

Die ge­nau­en Kos­ten für das Pa­ket könn­ten noch nicht an­ge­ge­ben wer­den. Aber al­lein die jetzt vor­ge­se­he­ne er­wei­ter­te Müt­ter­ren­te soll 3,4 Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr kos­ten. Ge­plant ist da­für bis­her ein Mix aus Bei­trags- und Steu­er­mit­teln.

Der ar­beits­markt- und ren­ten­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Frak­ti­on, Jo­han­nes Vo­gel, kri­ti­sier­te, Uni­on und SPD woll­ten „die Ren­ten­for­mel zu Las­ten der Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit ma­ni­pu­lie­ren - und die Müt­ter­ren­te wer­de wo­mög­lich noch teu­rer als ge­dacht.

„Die Fra­ge, wer das al­les be­zah­len soll, wird je­doch in ei­ne Kom­mis­si­on ver­scho­ben.“Mehr Steu­er­geld im Ren­ten­sys­tem sei auch kei­ne ech­te Bei­trags­sta­bi­li­sie­rung.

Die im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ver­ein­bar­ten Ent­las­tun­gen bei der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung und der Kran­ken­ver­si­che­rung soll­ten ei­nen Um­fang von knapp neun Mil­li­ar­den Eu­ro ha­ben und auf ei­nen Schlag in ei­nem Ent­las­tungs­ge­setz um­ge­setzt wer­den - soll­ten...

Die Ar­beit­ge­ber po­chen auf ei­ne Sen­kung der Bei­trä­ge zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung schon zur Mit­te des Jah­res. Falls die Ko­ali­ti­on den Bei­trag erst zum 1. Ja­nu­ar 2019 sen­ke, soll­te die Re­du­zie­rung 0,4 Pro­zent­punk­te be­tra­gen, ver­lang­te der Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA in den Zei­tun­gen.

Die Ent­las­tung bei der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung soll auch die Mehr­be­las­tung der Ar­beit­ge­ber bei der Kran­ken­ver­si­che­rung durch die Rück­kehr zur Bei­trags­pa­ri­tät auf­fan­gen.

Der DGB äu­ßer­te sich skep­tisch zu den Ent­las­tungs­plä­nen bei der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung: „Wel­che Auf­ga­ben auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit bei der Un­ter­stüt­zung von Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mern im di­gi­ta­len Struk­tur­wan­del, aber auch bei En­er­gie- und Ver­kehrs­wen­de, zu­kom­men, hat die Po­li­tik noch nicht ent­schie­den“, ar­gu­men­tier­te Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach. Bei der Müt­ter­ren­te for­der­te sie ei­ne Fi­nan­zie­rung aus Steu­ern statt der Ren­ten­kas­se.

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