An­schlags­pla­nun­gen von Kin­dern

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Das Al­ter der Ver­däch­ti­gen scho­ckiert: Ein da­mals Zwölf­jäh­ri­ger, ei­ne 15 Jah­re al­te Frau und ein zur Tat­zeit 17-Jäh­ri­ger sol­len An­schlä­ge in Deutsch­land ge­plant ha­ben. Ge­gen ei­nen ist jetzt das Ur­teil ge­fal­len. Die Re­ak­ti­on des an­geb­lich mitt­ler­wei­le Ge­läu­ter­ten: „Ist mir doch scheiß­egal!“

Für sei­ne Rol­le bei Plä­nen für zwei Selbst­mord­an­schlä­ge in Deutsch­land ist Lo­renz K. (Fo­to un­ten links), ein 19 Jah­re al­ter An­hän­ger der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS), in Wi­en zu neun Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den. Der Ös­ter­rei­cher mit al­ba­ni­schen Wur­zeln hat­te nach Über­zeu­gung des Ge­richts im No­vem­ber 2016 ver­sucht, ei­nen da­mals Zwölf­jäh­ri­gen zu dem At­ten­tat auf den Weih­nachts­markt in Lud­wigs­ha­fen (Fo­to oben) an­zu­stif­ten. Zu­dem ha­be er mit ei­nem da­mals 15-jäh­ri­gen Mäd­chen, das mit ihm nach is­la­mi­schem Recht ver­hei­ra­tet war, ei­nen An­schlag auf die US-Mi­li­tär­ba­sis im rhein­land­pfäl­zi­schen Ramstein ge­plant. Der An­ge­klag­te, dem bis zu 15 Jah­re Haft droh­ten, hat­te vor dem Ur­teil zu­nächst an­geb­li­che Reue ge­zeigt. „Ich ha­be ei­nen Rie­sen­mist ge­baut, da­für gibt es kei­ne Ent­schul­di­gung.“Die Ver tei­di­gung über­legt nun, ge­gen das Ur­teil vor­zu­ge­hen. Die acht Ge­schwo­re­nen hat­ten im Fall des ge­plan­ten An­schlags auf den Stütz­punkt in Ramstein nur knapp mit 5:3 Stim­men die An­stif­tung zu dem At­ten­tat be­jaht. Nach der Ur­teils­ver­kün­dung und dem Hin­weis des Ge­richts, dass ihm 20 Mo­na­te ei­ner vor­he­ri­gen Stra­fe er­las­sen wür­den, re­agier­te der 19-Jäh­ri­ge trot­zig. „Ist mir doch scheiß­egal“, mein­te er und füg­te hin­zu: „Kei­ne Ah­nung, wie sie er­war­ten, dass sich da Leu­te än­dern. Da wun­dern sie sich, dass sol­che Sa­chen pas­sie­ren.“Reue sieht ei­gent­lich an­ders aus... Das Ge­richt stütz­te sich bei sei­nem Ur teil auf zahl­rei­che Chat-Pro­to­kol­le, die die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen dem Ver­ur­teil­ten und den bei­den Ver­däch­ti­gen do­ku­men­tier­ten. Ei­ne Schlüs­sel­rol­le in dem sechs­tä­gi­gen Pro­zess spiel­te die Aus­sa­ge des heu­te 14-Jäh­ri­gen. In sei­ner die Zu­hö­rer scho­ckie­ren­den Dar­stel­lung be­ton­te er im­mer wie­der, wie fel­sen­fest er zu dem An­schlag ent­schlos­sen war. „Die Idee kam von mir. Ich bin selbst drauf ge­kom­men“, rief der per Vi­deo­schal­tung zu­ge­spiel­te Ju­gend­li­che.

Zur Tat­zeit war er erst zwölf Jah­re alt und da­mit nicht straf­mün­dig. Er hat­te nicht nur den Weih­nachts­markt, son­dern al­ter­na­tiv auch ei­nen Bus, ei­ne Kir­che und ein Kran­ken­haus als An­schlags­zie­le im Vi­sier. Das At­ten­tat schei­ter­te - zum Glück - nur an der un­zu­rei­chen­den Zünd­schnur.

Er soll so­gar be­reits auf dem Weih­nachts­markt ge­we­sen sein. Ein­zig die „Un­fä­hig­keit des Zwölf­jäh­ri­gen“, wie der Staats­an­walt sag­te, sorg­te da­für, dass es nicht ge­knallt hat.

Die Ver­tei­di­gung sah in ih­rem Man­dan­ten das Op­fer ei­ner Ge­hirn­wä­sche durch den Ein­fluss des IS. „Wir ha­ben hier ei­nen ver­irr­ten Ju­gend­li­chen, der wie­der in die Ge­sell­schaft re­so­zia­li­siert wer­den will und muss.“

Das heu­te 17-jäh­ri­ge Mäd­chen hat­te nie an der Ab­sicht des An­ge­klag­ten ge­zwei­felt, in Deutsch­land ei­nen Ter­ror­an­schlag zu ver­üben. Sie sei in ihn ver­liebt ge­we­sen und ha­be sich von ihm be­ein­flus­sen las­sen, gab die Ju­gend­li­che vor Ge­richt zu.

„Ich woll­te nicht, dass er wie­der me­ckert, des­halb ha­be ich zu­ge­stimmt, mit­zu­ma­chen“, gab die Deut­sche mit ma­rok­ka­ni­schen Wur­zeln an. Seit Fe­bru­ar muss auch sie sich vor Ge­richt in Düsseldorf ver­ant­wor­ten, ge­mein­sam mit ei­nem 22-Jäh­ri­gen, der dem Wie­ner beim Bom­ben­bau ge­hol­fen und ihm ei­ne Un­ter­kunft ge­ge­ben ha­ben soll.

„Was sie sagt, ist al­les Blöd­sinn“, kom­men­tier­te der An­ge­klag­te die Aus­sa­ge des Mäd­chens. Er ha­be sich von den Plä­nen ab­ge­wandt, aber Angst ge­habt, beim IS als Ver­rä­ter zu gel­ten.

Zur IS-Mit­glied­schaft hat­te er sich zu Be­ginn des Pro­zes­ses be­kannt. Der ge­pflegt wir­ken­de Mann un­ter­zog sich in der Un­ter­su­chungs­haft Maß­nah­men zur Dera­di­ka­li­sie­rung, ist aber nach ei­ge­nen Wor­ten „nicht kom­plett ge­heilt“. Ob das über­haupt je­mals mög­lich ist, das darf man ge­trost an­zwei­feln.

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