Ös­ter­reich: Kickl will kei­ne Asyl­an­trä­ge mehr in der EU

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Die EU hat sich an­geb­lich auf ei­ne deut­li­che Ver­schär­fung der Asyl­po­li­tik ge­ei­nigt - wo­bei we­der von Ver­schär­fung noch von Ei­nig­keit die Re­de sein kann. Vor al­lem die Vi­se­gra­dStaa­ten sträu­ben sich nach wie vor. Und In­nen­mi­nis­ter Kickl kon­tert die „wei­ter so“-Po­li­tik mit ei­nem ganz neu­en An­satz.

Flücht­lin­ge sol­len nach An­sicht des ös­ter­rei­chi­schen In­nen­mi­nis­ters Her­bert Kickl kei­ne Asyl­an­trä­ge mehr in­ner­halb der EU stel­len kön­nen. Wenn man das kri­mi­nel­le Ge­schäft der Schlep­per be­en­den wol­le, sei es „ei­gent­lich lo­gisch, dass man dann sagt: Na gut, die Ant­wort dar­auf muss be­deu­ten, dass Asyl­an­trä­ge nun­mehr von au­ßer­halb der Eu­ro­päi­schen Uni­on ge­stellt wer­den“, sag­te der FPÖ-Mi­nis­ter.

Gel­ten­des EU-Recht sieht bis­lang vor, dass Asyl­an­trä­ge nicht au­ßer­halb der EU ge­stellt, son­dern nur in den ein­zel­nen EU-Län­dern be­an­tragt wer­den kön­nen. Auch ein hu­ma­ni­tä­res Vi­sum zur le­ga­len Ein­rei­se müs­sen die EU-Staa­ten in ih­ren Bot­schaf­ten nach ei­nem Ur­teil des Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hofs von 2017 nicht aus­stel­len. Deut­sches Asyl et­wa kann nur in Deutsch­land be­an­tragt wer­den.

Nach An­sicht von Kickl soll Asyl vor al­lem in je­nen Län­dern ge­sucht wer­den, die in di­rek­ter Nach­bar­schaft zu ei­nem Kri­sen­ge­biet lie­gen. Bei ei­ner spä­te­ren Pres­se­kon­fe­renz prä­zi­sier­te er, dass nur Flücht­lin­ge aus di­rek­ten Nach­bar­staa­ten in der EU Asyl be­an­tra­gen kön­nen sol­len.

Für Flücht­lin­ge aus an­de­ren Län­dern soll es laut Kickl schwie­ri­ger wer­den, um Asyl zu bit­ten. So­wohl in mög­li­chen Sam­mel­zen­tren au­ßer­halb Eu­ro­pas als auch in Bot­schaf­ten sol­len sei­ner An­sicht nach kei­ne Asyl­an­trä­ge ge­stellt wer­den kön­nen. Statt­des­sen soll­ten Kom­mis­sio­nen in Flücht­lings­la­gern die „Schutz­be­dürf­tigs­ten“aus­wäh­len. Das ste­he nicht im Wi­der­spruch zu in­ter­na­tio­na­lem Recht.

Beim EU-Gip­fel En­de Ju­ni hat­ten sich die 28 EU-Spit­zen un­ter an­de­rem dar­auf ver­stän­digt, dass ge­prüft wer­den sol­le, ob Auf­nah­me­la­ger in Dritt­staa­ten - al­so wohl in Nord­afri­ka - ent­ste­hen soll­ten. Von dort aus könn­ten Schutz­be­dürf­ti­ge in Zu­sam­men­ar­beit mit dem UN-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR auf EU-Län­der ver­teilt wer­den. Die be­tref­fen­den afri­ka­ni­schen Staa­ten ha­ben die­se Mög­lich­keit aber bis­her als nicht will­kom­men be­zeich­net.

Deutsch­land und Ös­ter­reich ha­ben zu­dem an­ge­kün­digt, die so­ge­nann­te Mit­tel­meer-Rou­te für Flücht­lin­ge zu schlie­ßen, wo­bei man ei­nen wirk­li­chen Wil­len der deut­schen Re­gi­ern da­zu wirk­lich be­zwei­feln darf.

Um den Au­ßen­grenz­schutz schnell vor­an­zu­brin­gen, hat Österreichs Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ma­rio Ku­na­sek (FPÖ) den Ein­satz von Sol­da­ten zur Un­ter­stüt­zung von Fron­tex vor­ge­schla­gen. Sie könn­ten die Grenz­schutz­agen­tur schnell un­ter­stüt­zen, wäh­rend die­se wei­ter aus­ge­baut wer­de.

Beim EU-Gip­fel hat­ten sich die 28 EU-Staa­ten dar­auf ver­stän­digt, dass Fron­tex bis 2020 auf 10.000 Be­am­te ver­grö­ßert wer­den soll. Ku­na­sek will den Vor­schlag En­de Au­gust bei ei­nem Tref­fen der EUVer­tei­di­gungs­mi­nis­ter prä­sen­tie­ren.

Ös­ter­reich - und da­mit erst­mals in der jün­ge­ren EU-Ge­schich­te ein ein­wan­de­rungs­kri­ti­sches Land - hat bis En­de des Jah­res den EURats­vor­sitz und kann die Agen­da der Staa­ten­ge­mein­schaft steu­ern.

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