34 Sei­ten UN-Ver­trag für 260 Mill. Mi­gran­ten

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Völ­ker­recht­lich nicht bin­dend, die USA nicht mit da­bei, Un­garn auch nicht: Der UN-Ver­trag zur welt­wei­ten Mi­gra­ti­on wirkt wie ei­ne Ein­kaufs­lis­te für ei­ne enor­me glo­ba­le Her­aus­for­de­rung. Das Pa­pier setzt ho­he Zie­le. Wel­che die mehr als 190 be­tei­lig­ten Län­der ein­hal­ten, ist of­fen.

Frei­tag, der 13. war für Flücht­lin­ge und Mi­gran­ten ein Glücks­tag. Zu­min­dest, wenn man den neu­en UN-Mi­gra­ti­ons­ver­trag als Chan­ce sieht, ih­ren oft be­schwer­li­chen Weg von A nach B glo­bal bes­ser zu re­geln. Mit dem Pa­pier, auf des­sen Text sich die Voll­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­ei­nigt hat­te, will die Welt­ge­mein­schaft ei­nes der drän­gends­ten po­li­ti­schen The­men die­ser Zeit an­pa­cken.

Un­ter­zeich­net wer­den soll der „Glo­bal Com­pact for Mi­gra­ti­on“im De­zem­ber in Ma­rok­ko. Aber: Das Pa­pier könn­te aber gleich­zei­tig auch den Un­ter­gang der bis­he­ri­gen Wel­t­ord­nung ein­lei­ten, denn Schät­zun­gen zu­fol­ge dürf­ten min­des­tens 90 Pro­zent der be­trof­fe­nen Men­schen Mos­lems sein. Ka­li­fa­te übe­r­all auf der Welt könn­ten dann in der Schluss­fol­ge­rung so­gar de­mo­kra­ti­sche Re­gie­run­gen er­set­zen.

Die Fra­ge ist nur: Was bringt der völ­ker­recht­lich nicht bin­den­de Ver­trag wirk­lich? Wie viel Auf­merk­sam­keit wird ihm ei­ne EU schen­ken, die sich erst vor Wo­chen auf ei­ne ver­schärf­te Mi­gra­ti­ons­po­li­tik ei­nig­te? Oder ei­ne Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, de­ren Re­gie­rung im Asyl­streit fast zer­brach und de­ren In­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer wie­der laut über na­tio­na­le Al­lein­gän­ge nach­denkt?

An­dert­halb Jah­re brü­te­ten Di­plo­ma­ten über De­tails, der wohl größ­te Rück­schlag da­bei kam im De­zem­ber: Die USA stie­gen aus - wie zu­vor aus manch an­de­ren in­ter­na­tio­na­len Ver­hand­lun­gen. „Un­se­re Ent­schei­dun­gen über Ein­wan­de­rungs­po­li­tik müs­sen im­mer von Ame­ri­ka­nern und von Ame­ri­ka­nern al­lein ge­trof­fen wer­den“, stell­te de­ren UNBot­schaf­te­rin Nik­ki Ha­ley klar. „Wir wer­den am bes­ten ent­schei­den, wie wir un­se­re Gren­zen kon­trol­lie­ren und wem er­laubt wird, un­ser Land zu be­tre­ten.“Es wirk­te, als ha­be je­mand in ei­ner Grup­pen­dis­kus­si­on plötz­lich den Raum ver­las­sen und laut die Zim­mer­tür zu­ge­schla­gen.

Die­sem Bei­spiel folg­te jetzt Un­garns Re­gie­rung un­ter Mi­nis­ter­prä­si­dent Vik­tor Or­ban. Sie be­schloss eben­falls, aus dem Mi­gra­ti­ons­ver­trag aus­zu­schei­den. „Die­ses Pa­ket wi­der­spricht der Ver­nunft und den In­ter­es­sen Un­garns“, sag­te Au­ßen­mi­nis­ter Pe­ter Szi­jja­ro. Das Ab­kom­men un­ter­stüt­ze die Mi­gra­ti­on und be­trach­te die­se als Men­schen­recht, was aus un­ga­ri­scher Sicht in­ak­zep­ta­bel sei. Or­ban be­treibt seit 2015 aus gu­tem Grund ei­ne strik­te Ab­schot­tungs­po­li­tik und ei­ne feind­li­che Rhe­to­rik vor al­lem ge­gen mos­le­mi­sche Flücht­lin­ge und il­le­ga­le Ein­wan­de­rung.

Im Mi­gra­ti­ons­ver­tag sind der­zeit (zum Re­dak­ti­ons­schluss, Anm.d.Red.) 191 von ins­ge­samt 193 UN-Staa­ten ver­tre­ten. Me­xi­kos UN-Bot­schaf­ter Juan Jo­sé Gó­mez Ca­ma­cho (rechts im Fo­to oben) will sich von ein oder zwei Ge­gen­spie­lern nicht aus der Bahn wer­fen las­sen. Stärks­ter Punkt des Ver­tra­ges sei die Tat­sa­che, dass er über­haupt exis­tiert, sag­te er, und wirk­lich ver­wun­dern kann das nie­mand. Ge­ra­de Me­xi­ka­ner zieht es zu Hun­dert­tau­sen­den zu­meist il­le­gal über die Gren­ze in die USA.

Zum ers­ten Mal in der Ge­schich­te der UN wer­de das The­ma Mi­gra­ti­on im Rund­um­blick er­fasst, mit ei­nem „360-Grad-An­satz“, wie Gó­mez Ca­ma­cho wei­ter aus­führ­te. „Es ist un­mög­lich, es nur aus na­tio­na­ler Sicht zu be­han­deln.“Me­xi­ko und die Schweiz hat­ten die Ver­trags­ge­sprä­che ge­lei­tet und den Entwur f vor­ge­legt.

Oh­ne völ­ker­recht­li­che Bin­dung kommt der 34 Sei­ten lan­ge Ver­trag je­doch zahn­los da­her. Aber Ge­sprä­che für ein recht­lich bin­den­des Ab­kom­men hät­ten viel län­ger ge­dau­ert, er­klärt Gó­mez Ca­ma­cho. So war es et­wa bei der UN-Kon­ven­ti­on von 1990, die Rech­te von Wan­der­ar­beit­neh­mern und de­ren Fa­mi­li­en schüt­zen soll.

Die Dis­kus­sio­nen lie­fen ab den 1970ern mit Ent­wür­fen in den 80ern, un­ter­zeich­net wur­de 1990, in Kraft trat die Kon­ven­ti­on 2003. Ra­ti­fi­ziert ha­ben das bis heu­te aber erst 52 Län­der. Mit Blick auf die­sen jah­re­lan­gen di­plo­ma­ti­schen Dau­er­lauf wa­ren die Ge­sprä­che zum Mi­gra­ti­ons­pakt ein Kurz­stre­cken­sprint.

Von den 23 Zie­len, die dar­in fest­legt sind, sind ei­ni­ge sehr all­ge­mein ge­hal­ten: „Schwach­stel­len der Mi­gra­ti­on“sol­len „an­ge­gan­gen und ver­rin­gert“, die „grenz­über­schrei­ten­de Ant­wort auf Mi­gran­ten­schmug­gel“soll ge­stärkt wer­den. An­de­re Punk­te sind kon­kre­ter, et­wa das Ziel, po­li­ti­sche Richt­li­ni­en auf Grund­la­ge „ge­nau­er und auf­ge­schlüs­sel­ter Da­ten“zu ent­wi­ckeln. So auch die Ab­sicht, „So­zi­al­ver­si­che­rungs­an­sprü­che und er worbe­ne Ver­sor­gungs­leis­tun­gen“von Land zu Land über­trag­bar zu ma­chen.

„Es ist kein Re­gel­werk, eher ei­ne Rei­he an Stan­dards und ein Me­nü für po­si­ti­ves Han­deln“, sagt Kath­le­en New­land (Fo­to un­ten links) vom Mi­gra­ti­on Po­li­cy In­sti­tu­te in Wa­shing­ton. Deutsch­land, das sich für die Rück­füh­rung be­stimm­ter Mi­gran­ten stark macht, könn­te in Ver­hand­lun­gen et­wa der Punkt zur „Ko­ope­ra­ti­on, um ei­ne si­che­re und wür­de­vol­le Rück­kehr und Wie­der­auf­nah­me“im Her­kunfts­land nut­zen, ver­mu­tet New­land. Ge­meint sein dürf­te da­mit wohl ei­ne fi­nan­zi­el­le Ver­sor­gung der Rück­keh­rer.

Auch für Mar­ta Fo­res­ti (un­ten rechts) vom Over­seas De­ve­lop­ment In­sti­tu­te in Lon­don ist das ein Pro­blem - nur aus an­de­rer Sicht. Aus die­ser „Ein­kaufs­lis­te“wür­de sich je­der Staat das grei­fen, was ihm passt, an­statt über kon­kre­te Vor­schlä­ge zu ver­han­deln, meint sie. „So ei­ne lan­ge Lis­te zu ha­ben, ist fast so schlimm, wie gar kei­ne zu ha­ben“, schrieb Fo­res­ti im Fe­bru­ar.

Fast 260 Mil­lio­nen Mi­gran­ten gibt es nach UN-An­ga­ben vom De­zem­ber 2017 auf der Er­de - rund 3,4 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung. Deutsch­land und an­de­re EU-Län­der hät­ten in der Mi­gra­ti­ons­kri­se 2016 ein­ge­se­hen, dass sie bei dem The­ma mit an­de­ren Staa­ten ko­ope­rie­ren müs­sen, sagt New­land.

Das spie­ge­le der Text auch wie­der, dar­in ist von „ge­teil­ter Ver­ant­wor­tung“so­wie „ge­gen­sei­ti­gem Ver­trau­en“die Re­de. Dass er trotz der Be­den­ken von Län­dern wie Groß­bri­tan­ni­en, Po­len und Aus­tra­li­en, die Mi­gra­ti­on kri­tisch be­wer­ten, nun be­reit zur Un­ter­zeich­nung ist, nennt New­land „be­mer­kens­wert“.

Wahn­sinn wür­de es wohl weit­aus bes­ser be­schrei­ben, denn die­ser Ver­trag wä­re ein Frei­brief für al­le und je­den, die dar­an glau­ben, dass es ih­nen in an­de­ren, in west­li­chen Staa­ten bes­ser ge­hen wür­de. Wahn­sinn viel­leicht auch des­we­gen, weil da­mit vor al­lem der Is­lam im­mers ge­stärkt wür­de, und das welt­weit. Für die christ­li­che Welt könn­te das in ei­ner Ka­ta­stro­pe en­den, die doch ei­gent­lich nie­mand wol­len kann - oder et­wa

doch?

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