Brüs­sel ver­klagt Un­garn we­gen Asyl­po­li­tik

Un­garn und die EU-Kom­mis­si­on strei­ten seit Jah­ren über die von der deut­schen Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel im Al­lein­gang in­iti­ier­te eu­rop ische Mi­gra­ti­ons­po­li­tik. Bu­da­pest nicht ein und hat nicht nur das ei­ge­ne olk hin­ter sich. Nun geht es vor Ge­richt.

Amerika Woche - - Nachrichten -

Die EU-Kom­mis­si­on er­höht we­gen der un­ga­ri­schen Asyl­po­li­tik den Druck auf die rechts­na­tio­na­le Re­gie­rung in Bu­da­pest. Die Brüs­se­ler Be­hör­de kün­dig­te jetzt an, Un­garn vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof zu ver­kla­gen. Dies ist der letz­te Schritt des so­ge­nann­ten Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens, das im De­zem­ber 2015 ein­ge­lei­tet wor­den war.

Die meis­ten Be­den­ken sei­en seit­dem nicht aus­ge­räumt wor­den, sag­te ei­ne Spre­che­rin. Da­bei ist Un­garn ei­ner der we­ni­gen EU-Staa­ten, die sich in der Mi­gra­ti­ons­fra­ge am schärfs­ten an gel­ten­dem EU-Recht ori­en­tie­ren, wel­ches vor al­len durch die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel im Jahr 2015 ei­gen- mäch­tig und oh­ne Ab­spra­che mit den eu­ro­päi­schen Part­nern qua­si ad ac­ta ge­legt wur­de.

Zu­dem lei­te­te die EU-Kom­mis­si­on ein neu­es Ver­fah­ren ge­gen Bu­da­pest we­gen ei­nes um­strit­te­nen Ge­set­zes ge­gen Flücht­lings­hel­fer ein. Auch dies ver­stößt aus Brüs­se­ler Sicht ge­gen EU-Recht. Auch das ist ei­gent­lich kaum zu ver­ste­hen, denn Schlep­per­tä­tig­keit ist in der EU eben­so wie il­le­ga­ler Grenz­über­tritt ein straf­recht­li­cher Tat­be­stand. Bei­des wur­de aber durch Mer­kel aus­ge­he­belt.

Das neue un­ga­ri­sche Ge­setz sieht straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen für „Bei­hil­fe zur il­le­ga­len Mi­gra­ti­on“vor. Bei Ver­stö­ßen dro­hen im Wie­der­ho­lungs­fall Frei­heits­stra­fen von bis zu ei­nem Jahr. Es wird auch als „Stop-So­ros-Pa­ket“be­zeich­net - in An­spie­lung auf den li­be­ra­len USMil­li­ar­där Ge­or­ge So­ros, der welt­weit als Schlep­per tä­ti­ge Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter­stützt und un­ga­ri­sche Wur­zeln hat.

Un­garns Re­gie­rungs­par­tei Fi­desz ver­ur­teil­te das neue Ver­fah­ren scharf und be­schul­dig­te die EU, im Di­enst des so ge­nann­ten Phil­an­tro­pen Ge­or­ge So­ros zu ste­hen, der Ver­ei­ne un­ter­stützt, die Flücht­lin­gen Hil­fe bie­ten. „Das jetzt ein­ge­lei­te­te Ver­fah­ren be­kräf­tigt, dass Brüs­sel für Ein­wan­de­rung ist und die So­rosOr­ga­ni­sa­tio­nen ver­tei­digt“, teil­te die Fi­desz-Par­tei von Mi­nis­ter­prä­si­dent Vik­tor Or­ban (Fo­to) mit. Das Ver­fah­ren be­wei­se zu­dem, „dass So­ros auch in der Brüs­se­ler Kom­mis­si­on sei­ne Leu­te hat.“

Bei der EuGH-Kla­ge geht es un­ter an­de­rem dar­um, dass die un­ga­ri­schen Asyl­ver­fah­ren nur in Tran­sit­zo­nen an den Au­ßen­gren­zen des Lan­des durch­ge­führt wer­den. Zu den Zo­nen be­kom­me nur ei­ne be­grenz­te Zahl an Per­so­nen Zu­gang, zu­dem müss­ten die­se über­mä­ßig lan­ge war­ten. Die­ses Ver­fah­ren ver­sto­ße nach Mei­nung von Juncker & Co. ge­gen EU-Recht, weil die Höchst­dau­er von vier Wo­chen nicht ein­ge­hal­ten wer­de und es kei­ne Ga­ran­ti­en für be­son­ders Schutz­be­dürf­ti­ge ge­be.

Auch die un­ga­ri­sche Ab­schie­be­pra­xis ver­stößt nach An­sicht der EU­Kom­mis­si­on ge­gen gel­ten­des EURecht. Es sei nicht ge­währ­leis­tet, dass Ab­schie­be-Ent­schei­dun­gen ein­zeln er­las­sen wer­den und die Be­trof­fe­nen In­for­ma­tio­nen über mög­li­che Rechts­mit­tel er­hal­ten.

Das Ge­setz ge­gen Flücht­lings­hel­fer war im Ju­ni mit den Stim­men der Re­gie­rungs­mehr­heit und der Job­bik-Par­tei ver­ab­schie­det wor­den. Es be­schnei­de das Recht von Asyl­be­wer­bern, „mit ein­schlä­gi­gen na­tio­na­len, in­ter­na­tio­na­len und nicht­staat­li­chen Or­ga­ni­sa­tio­nen zu kom­mu­ni­zie­ren und von die­sen Un­ter­stüt­zung zu er­hal­ten“, hieß es von der Kom­mis­si­on. Zu­dem ver­stie­ßen neu ein­ge­führ­te Grün­de für die Un­zu­läs­sig­keit von Asyl­an­trä­gen ge­gen EU-Recht. Un­garn hat nun zwei Mo­na­te Zeit, ei­ne Stel­lung­nah­me da­zu ab­zu­ge­ben.

Ex­per­ten des Eu­ro­pa­rats hat­ten be­reits kri­ti­siert, mit dem Ge­setz wür­den Ak­ti­vi­tä­ten von Flücht­lings­Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen kri­mi­na­li­siert - was die­se aber de fac­to durch die il­le­ga­le Schlep­per­tä­tig­keit auch sind: kri­mi­nell.

Zu­gleich hat­te Un­garn auch sei­ne Verfassung ge­än­dert. In Ar­ti­kel fünf heißt es nun, dass die „An­sied­lung“frem­der Völ­ker ver­bo­ten sei. Dies war Mi­nis­ter­prä­si­dent Vik­tor Or­ban zur wei­te­ren Le­gi­ti­mie­rung sei­ner An­ti­flücht­lings­po­li­tik wich­tig. Un­garn gilt als hef­ti­ger Kri­ti­ker der eu­ro­päi­schen Mi­gra­ti­ons­po­li­tik und stemmt sich seit Jah­ren ge­gen ei­ne ver­pflich­ten­de Um­ver­tei­lung von Flücht­lin­gen auf die EU-Staa­ten - der längst nicht al­le EUMit­glieds­län­der zu­ge­stimmt ha­ben und die auch strikt da­ge­gen sind, vor al­lem is­la­mi­sche Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men.

Vor al­lem die Vi­se­grad-Staa­ten sind für ei­ne strik­te Ab­schot­tungs­po­li­tik ge­gen­über Flücht­lin­gen und Mi­gran­ten und ha­ben da­für auch ei­ne sehr gu­te Be­grün­dung: In die­sen Staa­ten lässt es sich mitt­ler­wei­le we­sent­lich si­che­rer le­ben als in wei­ten Tei­len der EU - und das So­zi­al­ge­fü­ge wird nicht durch Men­schen aus­ge­nutzt, die nie et­was zum Woh­le der Län­der bei­ge­tra­gen ha­ben und so­gar de­ren sämt­li­che Grund­wer­te und Tra­di­tio­nen ab­leh­nen. Sol­che Men­schen ha­ben in die­sen Staa­ten ein­fach nichts zu su­chen, so Or­ban und sei­ne Vi­se­grad-Kol­le­gen, die da­mit auch

im Ein­klang mit der ös­ter­rei­chi­schen Re­gie­rung ste­hen.

Newspapers in German

Newspapers from USA

© PressReader. All rights reserved.